Fernsehstar übernimmt Yachthotel in Prien

Friedemann Kunz kennen viele von der ScanHaus Marlow-Werbung.
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Friedemann Kunz kennen viele von der ScanHaus Marlow-Werbung.

Das Yachthotel Chiemsee hat einen prominenten Investor. Friedemann Kunz, Chef des Fertighaus-Herstellers ScanHaus Marlow, steckt über seine Familienstiftung viel Geld in die Modernisierung des Vier-Sterne-Hauses.

Prien – „Bei Scanhaus Marlow zahlen Sie Ihr Haus erst, wenn es steht.“ Dieses Versprechen kennt fast jeder aus der Fernsehwerbung. Der Mann, der es in dem Spot für seine Fertighausfirma abgibt, heißt Friedemann Kunz. Das bekannte Gesicht steht jetzt auch für den neuen Eigentümer des Yachthotels Chiemsee. Das verriet Geschäftsführerin Katharina Reh im Exklusivgespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Viele Gäste des Yachthotels blicken vom Balkon ihres Zimmers über den Garten direkt auf den Chiemsee.

Demnach hat Kunz über seine Familienstiftung die Anteile aller bisher fast 100 Miteigentümer an der Hotelanlage übernommen. Der Selfmade-Unternehmer ist kein Neuling in der Hotellerie. An seinem Firmensitz in Marlow an der Ostsee hat er 2008 ein Vier-Sterne-Haus gebaut. Das Engagement in Prien kam durch persönliche Kontakte zustande, so Reh. Sie steht mit ihrem Mann Kai Essiger sowie dem Starnberger Ehepaar Veras udn Peter Oberegger gemeinsam für die Yachthotel Chiemsee GmbH, die das Haus am Chiemseeufer in Harras betreibt.

Geschäftsführerin Katharina Reh ist stolz auf die neue Indoor-Golfanlage, die zu den größten in Europa gehört.

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Mit dem Einstieg von Kunz hat auch eine umfangreiche Modernisierung des 35 Jahre alten Hotels begonnen. In einem ersten Maßnahmenpaket wurden Reh zufolge über 20 Zimmer im vierten Stock erneuert, eine der größten Indoor-Golfanlagen Europas eingebaut, die Rezeption grundlegend umgestaltet und die Klimatisierung der Tagungsräume modernisiert.

Nach Bauarbeiten kam der Lockdown

Am 8. März war alles fertig. Gut eine Woche später kam der Corona-Lockdown. Die Geschäftsführerin umschreibt ihn als einen „unverschuldeten Wegfall der Geschäftsgrundlage“. Das Yachthotel habe aus der Not eine Tugend gemacht, den zwangsweisen Leerstand genutzt und weiter modernisiert. „Vieles haben wir in Eigenleistung gemacht“, berichtet Reh stolz, dass sich aus dem Kreis der 85 Mitarbeiter so mancher als verborgenes handwerkliches Talent entpuppt habe. „Es war toll, wie alle mitgezogen haben“, lobt die Geschäftsführerin ihr Team. Da haben Köche Boden verlegt oder Zimmermädchen geweißelt. Um die 25 Auszubildenden weiterzubeschäftigen, organisierte Reh einen Corona-konformen Bus, in dem der maskierte Hotel-Nachwuchs einiger Zeit lang täglich zum Reichenspurner Gemüsehof in Garching kutschiert wurde, um dort in der Landwirtschaft mitzuhelfen.

Die Rezeption wirkt nach der Neugestaltung heller und freundlicher als zuvor. Berger (3)

Die Auswirkungen des Lockdowns „waren schlimmer, als ich gedacht hätte, räumt Reh ein. Zahlen möchte sie aber nicht in der Zeitung lesen. Auch über das Investitionsvolumen des neuen Eigentümers lässt sie sich nicht entlocken. Wenn die Geschäftsführerin aber aufzählt, was noch alles auf der To_do-Liste steht, lässt sich erahnen, dass es um große Summen geht. Im Herbst sollen unter anderem die Bereiche für Wellness und die Mitarbeiter sowie der Pavillon im Garten auf Vordermann gebracht werden.

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Umweltbewusster Betrieb

Nach dem Lockdown sei das Geschäft eher verhalten wieder angelaufen, berichtet Reh und der weitgehende Wegfall des Tagungsgeschäfts reißt sicher große Lücken in der Kasse. Einige namhafte Unternehmen sind seit vielen Jahren Stammkunden im Yachthotel, haben aber die Buchungen für Seminare und Workshops weitgehend storniert.

Reh bleibt trotz der schwierigen Rahmenbedingungen optimistisch. „Wir glauben an den Standort und wollen das Yachthotel in eine stabile Zukunft führen“, kündigt sie auch im Namen ihrer Mitstreiter an.

Neben den baulichen Maßnahmen bastelt die Geschäftsführerin auch an sogenannten weichen Standortfaktoren, vor allem am Umwelt-Image des Yachthotels. Der Betrieb sei dem Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe“ beigetreten. In der Folge werden besonders großer Wert gelegt auf die Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben, auf die Verwendung regionaler Lebensmittel oder auf Müllvermeidung. Die Unterlagen zum Themenkomplex Umweltbewusstsein füllen mehrere Ordner in ihrem Büro, erzählt Reh.

Mit Beginn der Sommersaison beobachtet Reh im 100-Zimmer-Haus eine „Stabilisierung der Grundlast“ und bleibt trotz aller Corona-bedingten Einschränkungen optimistisch, dass das Yachthotel aus den turbulenten Zeiten gestärkt hervorgeht. Sie formuliert es mit einem chinesischen Sprichwort: „Hinter jedem Risiko steckt auch eine Chance.“

Erfolg mit Fertighäusern

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 kehrte der in Schweden geborene Friedemann Kunz, mit seiner Familie nach Marlow zurück und übernahm 1992 einen maroden Staatsbetrieb von der Treuhandanstalt. Die Firma hatte sein Urgroßvater Ende des 19. Jahrhunderts als Sägewerk an der Ostsee gegründet. Mit dem neuen Geschäftsmodell Fertighäuser steuert ScanHaus Marlow seitdem auf der Erfolgsspur und beschäftigt heute 500 Mitarbeiter, zehnmal so viele wie 1992.

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