Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Gesundheit, Sucht und Geld

Cannabis könnte bald legal sein - aber was sind die Folgen?

Cannabis könnte bald legalisiert werden.
+
Cannabis könnte bald legalisiert werden.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
    schließen

Die Ampel naht und mit ihr könnte eine betörender Duft durch Deutschland ziehen. Hier gibt‘s die Antwort auf alle Fragen rund um die mögliche Legalisierung von Cannabis.

München – Die Grünen wollten es schon immer und auch FDP und SPD sind dafür. Die Debatte um eine Legalisierung von Cannabis ist nicht neu, die Union hatte sich aber stets gegen eine Reform der Drogenpolitik gesträubt. Nun naht die Ampel und mit ihr die Legalisierung des Cannabis-Konsums bei Erwachsenen. Ein Grund ist der Kampf gegen den illegalen Handel, zudem winken dem Bund Steuereinnahmen in Milliardenhöhe. Der frische politische Wind für Deutschland könnte also einen betörenden Duft mit sich bringen. Ein Überblick über die Wirkung von Cannabis und mögliche gesundheitliche Folgen.

Wie hoch ist der Cannabiskonsum in Deutschland?

Der Konsum nimmt laut dem aktuellen Suchtbericht des Bundes bei jungen Erwachsenen trotz Verbot seit Jahren zu – während er bei Tabak und Alkohol leicht rückläufig ist. Unter den 18- bis 25-Jährigen stieg der Anteil derer, die nach eigenen Angaben in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert haben, zwischen 2015 und 2018/19 von 15,3 auf 24,1 Prozent. Bei den Erwachsenen insgesamt und den 12- bis 17-Jährigen fiel die Zunahme nur gering aus – von 6,1 auf 7,1 bzw. 7,3 auf 8,1 Prozent.

Das OVB auf Facebook: Folgt uns und diskutiert mit anderen Lesern über Themen, die die Region bewegen.

Was ist der Unterschied zwischen Cannabis, Hanf, Marihuana und Haschisch?

Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze werden als Marihuana oder Gras bezeichnet. Genau ist es das Harz, das auf den Drüsenhaaren der Blüten sitzt und eine berauschende Wirkung hat. Denn darin sind hohe Konzentrationen von Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabidiol (CBD) und anderen Cannabinoiden. Das gesammelte oder gepresste Harz aus der Pflanze wird als Haschisch bezeichnet.

Wie wird Cannabis konsumiert?

Am häufigsten wird Cannabis als Joint geraucht oder auch mit Pfeifen und speziellen Wasserpfeifen (Bong). Außerdem kann Cannabis mit einem Vaporisator verdampft werden. Wird es Nahrung beigemischt, „tritt die Wirkung zeitverzögert ein und ist schwierig zu dosieren“, erklärt Dr. Tobias Rüther, Vorstand der Deutschen Suchtgesellschaft und Sucht-Mediziner am LMU-Klinikum.

Ist Cannabis legal?

„Nein“, betont Martin Hubert, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) Bayern. „Alle mit einem Konsum verbundenen Tätigkeiten wie der Besitz, Anbau, Herstellung, Erwerb, Handel und die Verabreichung sind gemäß Betäubungsmittelgesetz unter Strafe gestellt.“ Die Polizei muss also auch bei geringen Mengen ermitteln, weil es sich um eine Straftat handelt.

Welche Strafen drohen?

Das variiert je nach Bundesland, seit das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass kleine Mengen zum gelegentlichen Eigenverbrauch nicht mehr verfolgt werden sollen. In Bayern droht Ersttätern bei Mengen bis zu drei Konsumeinheiten oder sechs Gramm derzeit keine Strafverfolgung. Im Wiederholungsfall gilt das ebenfalls, sofern der Täter im vergangenen Jahr nicht auffällig geworden ist. In Bayern gab es laut LKA im vergangenen Jahr 28 228 konsumnahe Delikte mit Cannabis. Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte des Bundes, hat gefordert, Besitz zum Eigenkonsum bis sechs Gramm nicht mehr als Straftat, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit zu werten.

Sie haben eine Meinung zu diesem Thema? Klicken Sie hier und schreiben Sie uns einen Leserbrief.

Wie wirkt Cannabis?

„Das THC im Cannabis wird über das Blut im Gehirn aufgenommen und dockt an die sogenannten Endocannabinoid-Rezeptoren an“, sagt Rüther. Das THC wirkt dort auf das Belohnungszentrum und löst ein Wohlgefühl aus. Mit Nebenwirkungen: „Cannabis verzerrt auch die Sinneswahrnehmung und das Zeitgefühl.“ (siehe Grafik)

Macht Cannabis süchtig?

Rein körperlich – anders als Alkohol – selten. Allerdings: „Cannabis hat ein hohes Potenzial für eine psychische Abhängigkeit“, erklärt Rüther. In erster Linie sei es die Sehnsucht nach dem Glücksgefühl: „Abends habe ich gekifft und alles war gut, morgens ist der Liebeskummer aber immer noch da.“ Wegen der psychischen Folgen sei Cannabis „definitiv nicht harmlos“, sagt Rüther. „Zum einen verlernt man, sich anzustrengen, um langfristig etwas Schönes zu erreichen.“ Im Extremfall könnten sich Konsumenten zu gar nichts mehr aufraffen. „Zum anderen kann man akute Nebenwirkungen haben, zum Beispiel einen sogenannten Bad Trip“, sagt der Suchtexperte. Dabei kommt es dann etwa zu Angstzuständen und Verwirrtheit oder auch Herzrasen und Schwindel.

Das könnte Sie auch interessieren: Cannabis-Anlage als Nebenverdienst vor Gericht

Wie hoch ist die Gefahr von Psychosen?

„Das Risiko ist nicht enorm, aber man sollte es auch nicht kleinreden“, sagt Rüther. Hier komme es auf die Disposition des Patienten an. „Manche Menschen haben einfach eine höhere Vulnerabilität aufgrund von persönlichen Rahmenbedingungen oder Erbanlagen und somit ein höheres Risiko, eine Psychose zu bekommen.“ Cannabis könne bei solchen Menschen dann eine Psychose hervorrufen. Das Problem: „Man weiß halt nicht, ob man diese Disposition hat oder nicht.“

Werden Cannabis-Züchtungen immer stärker?

Ja und das macht Medizinern und Polizei Sorgen. Rüther beobachtet, dass der Wirkstoffgehalt viel höher geworden ist. „Man kann auch sagen: Die Joints waren vor einer Generation wesentlich schwächer.“ Cannabis werde mitunter auch gestreckt, indem es zum Beispiel mit Haarspray besprüht wird oder Glas oder Bleipartikel beigemischt werden, um es schwerer zu machen – was ein Gesundheitsrisiko darstellt. Auch synthetische Cannabinoide würden manchmal zugefügt: „Die Wirkung ist unberechenbar und es kommt schnell zu Angstzuständen oder psychotischen Episoden.“ Das LKA warnt explizit vor mit synthetischen Cannabinoiden präpariertem Cannabis. Dieses könne zu gesundheitlichen Schäden bis hin zum Tod führen.

Ist Cannabis für junge Menschen besonders gefährlich?

Ja, weil es direkt ins Gehirn eingreift. Das Gehirn wächst, bis man 23 Jahre alt ist. Dabei vernetzen sich die Zellen. „Genau hier wirkt dann die Droge. Das Gehirn kann dies aber nicht nachholen“, sagt Rüther. Folgen können der dauerhafte Verlust von Konzentrations- und Lernfähigkeit sowie Motivation sein.

Ist Cannabis tatsächlich eine Einstiegsdroge für härtere Drogen?

Laut Rüther gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen Cannabis und dem späteren Konsum harter Drogen. „Dass es aber direkt zu harten Drogen führt, kann man so nicht sagen.“

Auch interessant: Polizei beschlagnahmt Cannabis-Produkte in Rosenheim

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Schweiz

Ein ambivalentes Verhältnis zu Cannabis hat die Schweiz. Denn Cannabis ist dort immer noch verboten, die Regeln sind aber widersprüchlich: So ist der Besitz von bis zu zehn Gramm zwar nicht mehr strafbar, der Konsum eines Joints dagegen schon. Auch in der Schweiz denkt man derzeit über eine echte Legalisierung nach, um den Schwarzmarkt auszutrocknen und die Jugend besser zu schützen, Pilotprojekte dazu sollen starten.

Österreich

Cannabis ist nicht legal. Anders als in Deutschland wird der Konsum aber nicht strafverfolgt, handelt es sich um Eigenbedarf. Der ist nach österreichischem Recht so definiert, dass es maximal 20 Gramm reines THC sein dürfen. Nach Ermessen kann auch eine Gesundheitsmaßnahme verordnet werden, etwa Gespräche bei der Suchthilfe.

Portugal

Schon seit 20 Jahren sind der Besitz und Konsum von weichen und harten Drogen, also auch Ecstasy oder Heroin, in Portugal nur eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat. Außer es handelt sich um große Mengen, dann sieht es das Strafrecht als Dealen an.

Niederlande

In den Niederlanden wird der Besitz von bis zu 30 Gramm Cannabis nicht mehr verfolgt, ebenso wenig der Anbau von bis zu fünf Pflanzen. Die bekannten Coffeeshops dürfen zwar an Konsumenten verkaufen, sie aber nicht in größeren Mengen versorgen.

USA

In 19 Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington ist Marihuana mittlerweile legal. Was genau erlaubt ist, regelt jeder Bundesstaat etwas anders. Auf Bundesebene geht es auch ums Geld: Das Repräsentantenhaus verabschiedete 2020 ein Gesetz, das eine Legalisierung der Hanfprodukte sowie eine fünfprozentige Bundessteuer und die Rehabilitation bisher verurteilter Straftäter vorsieht.

Tschechien

Jeder Erwachsene darf bestimmte Mengen an Drogen für den Eigenbedarf besitzen, auch Heroin und LSD. Für Marihuana gelten 15 Gramm als legal. Bis zu fünf Cannabis-Pflanzen darf man in Tschechien legal anbauen. Dealen ist jedoch illegal.

Frankreich

Anbau, Handel und Konsum sind illegal – bei teils drastischen Strafen. Der Rat für Wirtschaftsanalysen, der direkt dem Premierminister unterstellt ist, hat aber zu einer Legalisierung geraten.

Mehr zum Thema

Kommentare