Busfahrer will verzocktes Geld zurück

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Die Spieltische im Casino Garmisch-Partenkirchen waren zu verlockend für einen Busfahrer, der dort regelmäßig Kunden absetzte. Er zockte selbst. Bis das Erbe futsch war – 188 000 Euro. Nun will er das Geld vom Freistaat Bayern zurückklagen. Denn der hätte ihn angeblich sperren müssen.

spielbank-klage gegen den freistaat bayern

von nina gut

München/Garmisch-Partenkirchen – Regelmäßig steuerte Thomas H. (Name geändert) von 2012 bis 2015 einen Bus namens „Casino-Blitz“ von München zur Spielbank in Garmisch-Partenkirchen. Dort hatte der Busfahrer aus dem Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen fünf Stunden Aufenthalt. In denen setzte er sich selbst an die Spieltische und riskierte einen Haufen Geld. 188 000 Euro hat er auf den Kopf gehauen – sein ganzes Erbe. 2015 kam ihm dann die Familie drauf und setzte dem Treiben ein Ende.

Nun will der 65-Jährige das Geld zurück – und zwar vom Freistaat Bayern. Denn der soll Schuld sein an seiner Misere: Das Casino hätte ihn gemäß dem bayerischen Spielbankgesetz sperren müssen, sagt der Busfahrer. Vor dem Landgericht München I klagt er nun auf Schadenersatz. Vorerst fordert er einen Betrag von fast 10 000 Euro, denn so sind die Gerichtskosten niedriger. Damit will er austesten, ob seine Klage eine Chance hat.

Der Busfahrer erschien am Mittwoch nicht selbst zur Verhandlung am Landgericht. Er habe den Termin verschwitzt, sagt Anwalt Dominikus Zettl. In seiner Klageschrift schreibt er, dass der Fahrer ab April 2012 immer mehr gespielt habe, später sogar in der Freizeit. Bis zu 4000 Euro sollen einzelne Spieleinsätze von Thomas H. betragen haben, bis zu 28 000 Euro in einem Monat.

Der heute 65-Jährige habe dabei eine „pathologische Spielsucht“ entwickelt, die den Mitarbeitern der Spielbank hätte auffallen müssen, sagt sein Anwalt. Stattdessen sei ihm das Zocken leicht gemacht worden. So sei er immer ohne Zugangskontrolle ins Casino gelangt. Nur so habe er so viel Geld verspielen können. Dabei sei dem Personal bekannt gewesen, dass er nur Busfahrer sei. Er sei auch nie auf seine extreme Spielerei angesprochen worden. „Das Sozialkonzept der Spielbank hat völlig versagt“, sagt Anwalt Zettl. Außerdem hätte Thomas H. laut Spielbank-Ordnung als Beschäftigter der Busunternehmens, das die Kunden ins Casino chauffierte, gar nicht spielen dürfen.

Der Freistaat sieht die Sache anders. In seinen Schriftsätzen heißt es, dass der Busfahrer stets kontrolliert wurde. Er habe zum Personal gesagt, dass er geerbt hat. Und das sei auch glaubhaft gewesen, schließlich müsse er das Geld ja gehabt haben. Regelmäßiges Spielen, hohe Einsätze und krankhafte Spielsucht bestreitet der Freistaat. Der 65-Jährige trage eine „erhebliche Mitschuld“. Einige Zeiträume seien auch bereits verjährt. Außerdem sei das Busunternehmen kein Nebenbetrieb der Spielbank, für deren Mitarbeiter andere Regeln gelten, sondern ein Subunternehmer.

Letzteres sah auch die 15. Zivilkammer des Landgerichts so. Weil das Unternehmen kein Nebenbetrieb sei, liege kein Verstoß gegen die Spielbankordnung vor. Knackpunkt wird wohl etwas ganz anderes. Nämlich die Frage, ob Thomas H. tatsächlich spielsüchtig war – und die Spielbank hätte einschreiten müssen. Denn bei einem krankhaften Verhalten würde H. keine Mitschuld tragen. Er wäre dann nicht mehr geschäftsfähig gewesen. Über eine Sucht müsste das Gutachten eines Sachverständigen eingeholt werden. Sollte der dem Busfahrer tatsächlich eine Abhängigkeit attestieren, hätte er gute Karten.

Nun möchte das Gericht einige Dinge klären, etwa die Frage der Verjährung. Auch die Kontobewegungen will es studieren. Manchmal hat Thomas H. direkt in der Spielbank Geld abgehoben, andere Beträge wiederum bei anderen Banken – aber immer an Tagen, an denen er nach Garmisch-Partenkirchen fuhr.

Der Prozess dauert an.

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