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Gesamtkonzept Neubau FOS/BOS

Burgkirchener Bürgermeister gekränkt: Warum die Wirtschaftsschule nach Altötting soll

Burgkirchener Bürgermeister gekränkt
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Die Mittelschule Burgkirchen beherbergt seit 2010 auch die Wirtschaftsschule (WS) Altötting. Weil die WS nun umzieht, verging Johann Krichenbauer beim Kreistag das Lachen.
  • Roland Kroiss
    VonRoland Kroiss
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Der Neubau des Schulgebäudes der FOS/BOS in Altötting ist im Kreistag beschlossen worden. Die Berufsschule wird saniert. Realisiert werden die Maßnahmen laut Projektierung von 2023 bis 2026. Zum Gesamtkonzept - neben dem Kreishallenbad - gehört die Einbindung der Wirtschaftsschule, die noch in Burgkirchen ausgelagert ist. Sie hätte dort möglicherweise auch bleiben können. Bürgermeister Johann Krichenbauer sieht sich und seine Stadt falsch dargestellt.

Burgkirchen/Altötting - Wie emotional berührt Johann Krichenbauer in dieser Sache ist, merkte man seiner schwankenden Stimme an. Beim Kreistag am Montag (28. März) in Altötting hielt der Bürgermeister der 10.500 Einwohner-Gemeinde Burgkirchen an der Alz ein Plädoyer für „seine“ Staatliche Wirtschaftsschule. Sie ist eine Außenstelle der Beruflichen Schulen Altötting.

„Dass im Schulausschuss argumentiert wurde, dass Burgkirchen mit dem ÖPNV schlecht erreichbar sei, ist eine Darstellung, die ich nicht akzeptieren kann“, so Krichenbauer. Die mehrheitlich getroffene Entscheidung des Kreistags, die Schule nach Altötting umzusiedeln, kränke ihn persönlich.

Eines der Gebäude der Beruflichen Schulen in Altötting

Sogar ein Neubau der Wirtschaftsschule in Burgkirchen war im Gespräch. Laut Krichenbauer seien „über 150 Azubis aus dem Chemiepark Gendorf immer problemlos zur Wirtschaftsschule gekommen“. Der ÖPNV im Landkreis habe ein „Digitalisierungsproblem“ bei den Fahrplänen.

Mietverträge in Burgkirchen laut Landrat Schneider schon gekündigt

„Ein einheitliches Schulzentrum in Altötting ist schön und gut, aber offensichtlich gibt es Platzprobleme“, argumentierte Krichenbauer. Dem hielt Landrat Erwin Schneider entgegen, „dass wir Wirtschaftsschule (WS) und Berufsschule (BS) langfristig organisatorisch zusammenführen müssen“. Auch wenn dafür vorübergehend Container-Bauten verwendet werden müssten. Zudem seien die Mietverträge für die noch genutzten Räumlichkeiten der Wirtschaftsschule in Burgkirchen „bereits gekündigt worden“, so Schneider.

Zweistufiges Prinzip der Staatlichen Wirtschaftsschule

Die Wirtschaftsschule (WS) vermittelt eine berufliche Grundbildung und gehört somit zu den Beruflichen Schulen. Die WS Altötting - Außenstelle Burgkirchen - umfasst die Jahrgangsstufen 10 und 11 (= zweistufige Form) und baut auf der Jahrgangsstufe 9 der Mittelschule auf. Auch für den Übergang aus Realschule oder Gymnasium ist sie dafür gut geeignet.

Aus der Sicht des Schulleiters der WS Altötting-Burgkirchen, Oberstudiendirektor (OStD) Carlo Dirschedl, ist es „bedauernswert, dass wir Burgkirchen verlassen, weil wir dort eine sehr gute Umgebung vorgefunden haben“. Ein großes Problem sei es leider gewesen, „die Schule im Mini-Format mit zwei Jahrgängen bzw. Zügen zu organisieren“.

Erweiterung der Schuljahre scheitert an M-Zügen der Mittelschulen im Kreis Altötting

Der Versuch, das Konzept auf drei, vier oder sogar fünf Jahre auszudehnen, sei „mehrfach im Schulausschuss gescheitert“, so Dirschedl. Befürchtet worden sei immer wieder eine „ungewollte Konkurrenz zu den M-Zügen der Mittelschulen“.

Die Entscheidung des Umzugs ist für Dirschedl „kein Votum gegen Burgkirchen, sondern für den Erhalt des Angebots einer Staatlichen Wirtschaftsschule im Landkreis Altötting“. Eine Sinnstiftung in räumlicher Nähe der Berufsschule sei langfristig besser. Außerdem seien durch die Außenstelle Burgkirchen „extreme Fahrtkosten für die Lehrkräfte notwendig gewesen, die wir vermeiden wollen“.

Auch MdL Ingrid Heckner (CSU), die 2010 die Alternative Burgkirchen ausdrücklich begrüßt hatte, möchte „in Zukunft alles in Altötting beisammen haben“. Starttermin der Wirtschaftsschule in Altötting Jahrgang 2022/23 ist im Herbst 2022. Die Zeit drängt, denn es ist sogar eine neue Vorklasse für ukrainische Schülerinnen und Schüler denkbar. Dafür braucht die Wirtschaftsschule offene Raumkapazitäten. Diese sind nur am Berufsschul-Zentrum vorhanden.

Fett in Rot eingezeichnet ist der geplante Standort der Container zwischen Neuöttinger und Kardinal-Wartenberg-Straße. Die Gebäude in Orange zeigen die Standorte der Beruflichen Schulen Altötting.

Kreistag segnet den Umzug nach Altötting ab - Container sollen bis 2028 stehen bleiben

Der Plan der Ansiedlung der Wirtschaftsschule in Altötting wurde beim Kreistag mit acht Gegenstimmen beschlossen. Laut Beschlussvorlage werden „die neuen Räumlichkeiten in modularer Bauweise (Container) auf dem Gelände des Beruflichen Schulzentrums Altötting errichtet“.

Für Johann Krichenbauers Argumentation spricht allerdings auch die offizielle Anmerkung, „dass keine geeigneten Objekte zur Anmietung in Altötting gefunden werden konnten, die (kurzfristig) zu Schulräumen umgebaut werden könnten“.

Schulleiter Dirschedl argumentiert „für eine langfristige Unterbringung in den später sanierten Räumen der Berufsschule, wo die Wirtschaftsschule auch strukturell hingehört“. Er favorisiert eine „Nähe zur kaufmännischen Abteilung“.

Miete kostet 780.000 Euro und damit deutlich weniger als ein Kauf

Die Container sollen - fünf Meter neben dem Eingang der Verwaltung der Berufsschule - zumindest so lange stehen bleiben, bis die Sanierung der Berufsschule und der Neubau der FOS/BOS abgeschlossen ist - also bis 2026. Es ist jedoch eine Container-Standzeit von 6,5 Jahren bis 2028 geplant. Für die Miete der Container beträgt voraussichtlich insgesamt 780.000 Euro. Damit werden mindestens 300.000 Euro gegenüber einem Ankauf der Container eingespart.

Direkt neben dem Kreishallenbad Altötting könnte das neue Schulgebäude für die FOS/BOS errichtet werden.

Neubau der FOS/BOS neben dem Hallenbad in Altötting geplant

Ein zentrales Projekt der Schulplanung in Altötting ist der geplante Neubau der Beruflichen Oberschule Inn-Salzach. Mit der räumlichen Trennung soll das Berufliche Schulzentrum Altötting entlastet werden. Die bestehende Gebäude werden generalsaniert - mit allen Teilbereichen wie Fachschule für Elektrotechnik, Fachschule für Umwelttechnik mit Maschinenbau.

Die Standorte der beiden neuen BS-Außenstellen - für Bauberufe in der Martin-Moser-Str. 1 / Burghauser Str. 77 in Altötting und Berufliche Oberschule Gesundheitswesen in Mühldorf - haben sich bewährt und sollen bleiben.

Kosten noch nicht besprochen - enorme Summen in Freilassing und Traunstein im Spiel

Der Landkreis Altötting hat sukzessive mehrere Grundstücke in der Nähe des Schulzentrums erworben. Die geplanten Kosten für den Neubau der FOS/BOS sowie die Generalsanierung sind noch nicht besprochen worden. Auch diverse Fördermöglichkeiten über den Freistaat Bayern greifen hier voraussichtlich. Die Projektplanung und Projektierung beginnt perspektivisch 2023. Die gesamte Maßnahme soll bis 2026, jedoch spätestens bis 2028 abgeschlossen sein.

Die Summen, die in anderen Landkreisen für einen Komplett-Neubau mit Sanierung älterer Gebäude anfallen, sind allerdings beachtlich. Laut Informationen von innsalzach24.de bewegen sich die Volumina der aktuellen Projekte in Freilassing und Traunstein bei mindestens 115 Millionen Euro (Freilassing) bzw. 110 Millionen Euro (Traunstein).

-rok-

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