Der Bürgerkönig Ude geht . . .

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Am Mittwoch ist Christian Ude noch Oberbürgermeister, räumt die letzten Dinge aus seinem Büro. Zu seinem Abschied kommen tausende Münchner auf den Marienplatz.

Am Donnerstag kehrt er vors Rathaus zurück: als gut gelaunter Rentner, der nach der DGB-Kundgebung einen „faulen Fernsehabend“ plant.

Stabwechsel im Rathaus

Am Mittwoch ist Christian Ude noch Oberbürgermeister, räumt die letzten Dinge aus seinem Büro. Zu seinem Abschied kommen tausende Münchner auf den Marienplatz. Am Donnerstag kehrt er vors Rathaus zurück: als gut gelaunter Rentner, der nach der DGB-Kundgebung einen „faulen Fernsehabend“ plant.

Von Felix Müller UND Moritz HOmann

Ganz am Ende seiner Amtszeit scheitert Christian Ude nochmal so richtig. Ganz leise, sagt er am Mittwochmittag, wolle er „Servus“ sagen. Aber seine Münchner lassen ihn nicht. Sie drängen sich zu Tausenden um ihn, schenken ihm Blumen, bedanken sich. Sie feiern ihn wie einen Popstar. Es ist ein Abschied, der Ude würdig ist.

So wie sein ganzer letzter Arbeitstag – und auch sein erster Tag als Alt-OB, an dem noch einmal sehr viele Fotoapparate auf ihn gerichtet sind. Natürlich ist so ein letzter Tag als OB kein normaler Arbeitstag mehr – und so beginnt er auch besonders. Morgens um acht steht der griechisch-orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis vor Udes Wohnhaus in Schwabing. Drei griechische Lieder zum Abschied, eine „super-Einstimmung auf Mykonos“, wie Ude scherzt, der künftig viel mehr Zeit für seine Lieblingsinsel haben wird.

Ude ist ein begnadeter Redner, einer, der sehr gerne spricht. Doch an diesem Mittag hat Ude keine große Rede im Gepäck. „Ich will mich persönlich verabschieden“, sagt er ins Mikrofon. Dass das am Marienplatz gut funktioniere, habe er von seinen Vorgängern Hans-Jochen Vogel und Georg Kronawitter gelernt.

Die Sicherheitsleute bilden eine Gasse, immer stückweise dürfen die Münchner zu Ude treten und sich verabschieden. Auf einem Tisch sind Ude-Erinnerungsstücke ausgelegt: Udes persönliche Bilanz als Buch, Ude-Tassen, Ude-Autogrammkarten. Eine Münchner Bäckerei hat Petit Fours mit Ude-Motiven gebacken.

Szenen wie bei der Autogrammstunde eines Fußballspielers: Junge und Alte, Frauen und Männer lassen sich Tassen, Fotos und Bücher signieren. Eine Frau überreicht Ude eine Packung „Merci“-Schokolade und einen Strauß rosa Blumen. „Die Merci hab ich gleich in der Menge erkannt“, sagt Ude und lacht.

Die Sonne strahlt, Ude strahlt. Sollte er wehmütig sein, er zeigt es nicht. Ude genießt die Zustimmung, posiert für Fotos, macht Scherze. „Nicht so oft in die Spülmaschine“, mahnt er einen Mann, dessen Tasse er signiert hat.

Nach zwei Stunden stehen die Menschen noch bis zur Mitte des Platzes Schlange, um Ude die Hand zu schütteln. Sein Nachfolger Dieter Reiter berichtet am Tag danach, Ude sei abends noch lange in seinem OB-Büro gesessen, von dem aus er 21 Jahre die Stadt regiert hat. Am nächsten Morgen ist alles aufgeräumt und besenrein. Jetzt regiert Reiter.

Man kann es sich schwer vorstellen, aber Christian Ude ist jetzt Rentner. Erstmal aber ist alles wie immer bei der Mai-Kundgebung der Gewerkschaften. Denn Ude kommt mal wieder ein bisserl zu spät. 11.05 Uhr zeigt die Uhr, die andern Alt-Oberbürgermeister sitzen schon auf Stühlen, die für sie mitten unter die Demonstranten gestellt wurden, da kommt ihr neuer Kollege hinzu. Christian Ude, Anorak, Cordhose, ist demonstrativ gut gelaunt. Er setzt sich auf einen Campingstuhl. Wie die erste Nacht war, ohne OB-Verantwortung? „Eigentlich wunderbar“, sagt Ude. „Wir haben noch Sekt statt Rotwein getrunken und heute bin ich leicht verkatert.“ Macht nichts, Ude muss ja nicht mehr arbeiten. Sehr, sehr viele Gewerkschafter lassen sich mit ihm fotografieren. Was er noch vorhat am ersten freien Tag? Er treffe sich jetzt mit seiner Frau vor einem griechischen Restaurant, flötet Ude. „Am Nachmittag fahre ich dann Fahrrad im Englischen Garten.“ Später stehe dann „ein richtig fauler Fernsehabend“ an.

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