Brems-Automatik verursacht Auffahrunfall Konstantinos T.

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Konstantinos T. (37) vor seinem BMW, mit dem er einer Frau auffuhr, weil ihr Bremsassistent versagt hatte. Foto: Jantz

Brems-Automatik verursacht Auffahrunfall. Konstantinos T.

(37) klagt vor dem Amtsgericht, weil er einen Unfall hatte: Vor dem Petueltunnel bremste eine BMW-Fahrerin vor ihm plötzlich ab und er fuhr auf. Schuld soll der Bremsassistent sein, der sich selbstständig machte.

VON ANDREAS THIEME

In der Zukunft sollen Autos einmal selbstständig fahren können, ganz ohne menschliches Zutun – davon träumen die Autobauer. Die Gegenwart sieht allerdings in manchen Fällen anders aus. Zum Beispiel mitten in München: Dort hatte sich auf dem Mittleren Ring ein Bremsassistent selbstständig gemacht und dadurch einen Unfall verursacht. Vor dem Amtsgericht kommt es heute zum Prozess.

Leidtragender des Unfalls war Konstantinos T. (37). Der fuhr an Weihnachten 2017 mit seinem Bruder in Richtung Petueltunnel. An der Schenkendorfstraße stoppten die Männer an einer roten Ampel, fuhren dann bei Grün wieder weiter. Kurz darauf krachte es. „Die Frau vor uns war losgefahren und hatte beschleunigt“, erinnert sich der Wäscherei-Angestellte. „Doch plötzlich machte sie eine Vollbremsung. So schnell konnte ich gar nicht reagieren.“

Mit seinem BMW fuhr er der Frau auf der mehrspurigen Fahrbahn von hinten auf – auch sie war BMW-Fahrerin. Und sie nahm die Schuld sofort auf sich: „Mein Auto hat plötzlich von selbst gebremst“, soll Lea K. noch am Unfallort gesagt haben – und bestätigte Konstantinos T. dies auch schriftlich.

Heute beschäftigt der Fall das Amtsgericht. Nach Informationen unserer Zeitung ist der Unfallhergang unstrittig, Verursacherin Lea K. wurde deshalb erst gar nicht geladen. Ihre ansatzlose Vollbremsung schreibt sie nach wie vor ihrem Bremsassistenten zu und hatte sich bei Konstantinos T. auch dafür entschuldigt.

Vier Arbeitstage lang hatte ein Mechaniker benötigt, um die zerstörte Front des Unfallwagens zu reparieren – für 8400 Euro. Motorhaube, Stoßfänger und Kotflügel waren allesamt stark deformiert, die Scheinwerfer rechts sogar gebrochen.

Im Zivil-Prozess vor dem Amtsgericht geht es jetzt um die Höhe der Schadenswiedergutmachung. Bei rund 5000 Euro liegt der Streitwert, exakt die Grenze für Zivilprozesse am Amtsgericht. „Mein Mandant hat zwei Fahrzeuglängen Abstand gehalten“, sagt Rechtsanwalt Albert Cermak, der Konstantinos T. vertritt. Der Verkehrsrechts-Experte argumentiert: „Das Versagen der Technik muss sich der Halter zuschreiben lassen. Zum Glück wurde niemand verletzt.“

Mit rund 30 Stundenkilometern war Lea K. in ihrem BMW gefahren, als das Auto plötzlich abbremste. Doch wie kann so ein Technik-Defekt passieren? Auf Nachfrage wollte sich BMW dazu nicht äußern. „Da es sich bei dem von Ihnen beschriebenen Fall um ein laufendes Verfahren handelt, können wir uns leider nicht zu Details dazu äußern“, sagt Bernhard Ederer, Unternehmens-Sprecher für den Bereich Driver Assistance and Autonomous Driving.

Also nur ein Einzelfall? Das ist möglich. In einschlägigen Internetforen finden sich jedoch Einträge von anderen Fahrern, denen Ähnliches passiert ist. „Ich bin großer Fan von BMW und habe mein Auto 2009 dort gekauft“, sagt T. „Aber so ein technischer Fehler darf unter keinen Umständen passieren.“

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