Braune Brühe

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Die „Grenzzaun Halbe“: Sowohl die Gestaltung als auch der Name des Biers lösten Empörung im Netz aus. Foto: Armin Forster

88 Cent die Flasche, haltbar bis zum Jahrestag der Reichspogromnacht. Die Straubinger Brauerei Röhrl hat ein neues Bier auf den Markt gebracht: die „Grenzzaun Halbe“. Ein Text über die Grenze des guten Geschmacks.

rechte Symbolik auf Bierflaschen 

88 Cent die Flasche, haltbar bis zum Jahrestag der Reichspogromnacht. Die Straubinger Brauerei Röhrl hat ein neues Bier auf den Markt gebracht: die „Grenzzaun Halbe“. Ein Text über die Grenze des guten Geschmacks.

von Josef Ametsbichler, Andreas Beschorner und Marcus Mäckler

Straubing – Frank Sillner sagt selbst, die Idee sei bei einem Feierabendbier entstanden. Man könnte zuspitzen: Er muss an diesem Abend sturzbetrunken gewesen sein. Die Idee war, ein Bier auf den Markt zu bringen, das bayerische Werte und ein „politisches Statement für Bayern“ transportiert. Das Ergebnis ist die „Grenzzaun Halbe“.

Das Helle ist inzwischen im Verkauf. Sillner bestreitet nicht, dass sein Unternehmen damit auf die Flüchtlings-Situation anspielen will. Viele finden das, was er auf der Firmen-Homepage als „trockenen Humor“ bezeichnet, allerdings gar nicht lustig. Die „Erdlinge“, eine Moosburger Aktivisten-Gruppe, die gegen fremdenfeindliche Umtriebe kämpft, sprechen vom „vielleicht ekelhaftesten Bier aller Zeiten“. Ihr Beitrag löste eine Empörungswelle aus.

Der Name des Biers ist dabei längst nicht der einzige Aufreger. Er ist in altdeutscher Fraktur geschrieben, das Doppel-Z erinnert an eine SS-Rune. Und es geht noch weiter: Auf der Rückseite des Biers ist „Beschützen, verteidigen, bewahren“ zu lesen, neben einigen Schlagworten wie „Heimatverbundenheit“, „Trinkfestigkeit“ und „Mia samma mia“. Was wie plumper Lokalpatriotismus anmutet, harmoniert etwas unglücklich mit dem Totenkopf-Logo, das auf dem Etikett prangt. Dann ist da noch das Haltbarkeitsdatum: Ausgerechnet der 9. November, der Jahrestag der Reichspogromnacht, steht auf den Flaschen.

Darf’s noch ein bisserl mehr sein? Die Hausler-Getränkemärkte, zu deren Gruppe auch die Brauerei Röhrl gehört, verkauften das Bier bis Freitag inklusive Pfand für 88 Cent die Flasche. Rechte Kreise nutzen das als Zahlen-Code für die Buchstaben „HH“, also: „Heil Hitler“. Alles Zufall?

Sillner sagt, er habe sich „etwas blauäugig“ verhalten. Der Preis etwa sei einfach niemandem aufgefallen und werde sofort geändert. Die vielen Kritiker im Netz glauben das nicht. Zu ihnen gehört Matthias Ernst, 22, Sprecher der Grünen Jugend in Bayern und Kreisvorsitzender der Grünen in Straubing. „Das ist ziemlich geschmacklos. Im Moment sterben Menschen an solchen Zäunen.“ Ernst hält eine Entschuldigung für das Mindeste.

Frank Sillner klingt zerknirscht. Die ganze Aufregung habe ihn „komplett niedergebügelt“. Das Bier sei als provokanter „Appell an die Politik“ gedacht gewesen, um zu sagen, dass Integration mit dieser Politik nicht funktioniert. Er betont aber nachdrücklich, dass die Brauerei sich für Flüchtlinge engagiere: „Wir sind nicht braun. Wir sind Menschen, die helfen. Wir wollten Bayern beschützen.“

Die „Grenzzaun Halbe“ verkauft sich im Übrigen ziemlich gut. Sillner glaubt, die Kunden verstünden schon, was gemeint sei. Deshalb bleibe das Bier auch vorerst im Angebot, die Charge von gut 200 Hektolitern wollen die Straubinger abverkaufen. „Vielleicht schieben wir dann noch ein Weißbier nach, einen Weißwurschtäquator oder sowas“, sagt Sillner. Um das Grenzzaun-Bier in den richtigen Kontext zu rücken.

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