Rohrbomben im Gepäck

Zugbegleiterin (21) macht den mutmaßlichen Bombenleger von Waldkraiburg dingfest

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Im Koffer des mutmaßlichen Attentäters von Waldkraiburg fand die Polizei mehrere einsatzfähige Rohrbomben.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Sie wusste nicht, wen sie da vor sich hatte. Eine Zugbegleiterin (21) wollte den Fahrschein des mutmaßlichen Bombenlegers von Waldkraiburg kontrollieren. Das führte schließlich zur Festnahme des Gesuchten. "Er wirkte völlig in sich gekehrt", sagt die 21-Jährige über den mutmaßlichen Attentäter.

Waldkraiburg/Garching – Schock und Stolz – zwei völlig gegensätzliche Gefühlslagen, die in den vergangenen Tagen die Zugbegleiterin Carola H. (Name von der Redaktion geändert) beschäftigt haben. Die 21-jährige Mühldorferin hatte den mutmaßlichen Attentäter von Waldkraiburg Freitagnacht im Zug kontrolliert. Damit war der Weg geebnet, den Mann zu fassen, der in den vergangenen Wochen mit seinen Anschlägen in Waldkraiburg eine ganze Stadt in Schrecken versetzt hatte.

Mutmaßlicher Bombenleger als Schwarzfahrer unterwegs

Wie die Mühldorferin gestern am Telefon erzählte, war ihr der „Bombenleger von Waldkraiburg“ schon am Bahnhof in Garching an der Alz aufgefallen, „weil er sich am Fahrkartenautomaten sehr lange aufgehalten hatte“. Nachdem der Fahrgast in der Regionalbahn Platz genommen hatte und die 21-Jährige die obligatorische Fahrkartenkontrolle vollziehen wollte, stellte sich schnell heraus, dass er gar keine besitzt.

„Auf meine Frage, warum das so sei, hat er nicht geantwortet“, berichtet die Zugbegleiterin. Er hätte sich aber bereit erklärt, ein Ticket nachzulösen. „Das versuchen Personen immer, aber es gibt klare Regelungen!“ Ein ticketloser Fahrgast wird dann nämlich mit einem „erhöhten Beförderungsentgelt“ zur Kasse gebeten. 60 Euro beträgt die Strafe für „Schwarzfahren“, und das bundesweit schon seit dem Sommer 2015. „Dazu wollte ich seine Personalien feststellen. Doch auf meine Frage nach seinem Personalausweise, erwiderte er nur ganz unaufgeregt, dass er keinen Personalausweis dabei hätte.“

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Selbst nachdem die Zugbegleiterin ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sie nun die Bundespolizei informieren müsse, die ihn dann in Mühldorf in Empfang nehmen würde, habe der 25-Jährige noch ruhig reagiert. „Ja, mach doch!“, sei seine laxe Reaktion gewesen, immer noch im ruhigen Ton. Zwar wollte er nach Angaben der Mühldorferin dann in Tüßling den Zug verlassen.

Zugbegleiterin: "Er wirkte vollkommen in sich gekehrt"

Er wehrte sich aber nicht, als die Mühldorferin ihn darauf hinwies, dass er das Zugabteil nicht verlassen dürfe, bis ihn die Polizei in Mühldorf in Empfang nehme. „Er wirkte dabei vollkommen in sich gekehrt“, erinnert sich die 21-Jährige, die sich weiter nichts dabei dachte. Zumal sie in vergleichbaren Situation schon andere Reaktionen erlebt habe. Dass Fahrgäste dann zu pöbeln beginnen würden, aggressiv würden, und sich dann auch lautstark zur Wehr setzen würden. „Er jedoch ist ruhig geblieben.“

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Welche brisante Ladung er in seinen Taschen und in seinem Trolley dabei hatte, Sprengmittel, um eine Serie von Anschlägen folgen zu lassen, erfuhr die Mühldorferin erst hinterher. „Ja, das ist schon ein komisches Gefühl, ein bisschen unwohl fühle ich mich im Nachhinein schon. Aber er hatte ja offensichtlich nichts im Zug vor“, sagt sie.

IS-Sympathisant bei Fahrscheinkontrolle verhaftet

Ein Schock sei es zu Beginn gewesen, als sie von den bereits begangenen Straftaten erfahren habe und von den Rohrbomben, die er im Zug bei sich hatte. Dieser erste Schock sei inzwischen aber einem gewissen Stolz gewichen.

Schließlich sei es nach der Fahrscheinkontrolle dann sehr schnell gegangen und der IS-Sympathisant, der für den versuchten Mord an 27 Menschen verantwortlich gemacht wird, ist Dank der Überstellung an die Polizei und eines guten Zusammenwirkens aller nun hinter Schloss und Riegel. „Gott sei Dank!“

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