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Neue Studie zum Top-Gesundheitsthema

Bluthochdruck, die unterschätzte Gefahr – was Sie jetzt nach Corona wissen müssen

Archivbild zum Thema Herz- und Kreislauf-Erkrankungen: Die Apothekerin Petra Niedermeier (r.) misst bei der damaligen bayerischen Sozialministerin Christa Stewens am Montag, 19.05.2008, in München in einer Apotheke den Blutdruck mit einem Automatischen Messgerät.
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Archivbild zum Thema Herz- und Kreislauf-Erkrankungen: Die Apothekerin Petra Niedermeier (r.) misst bei der damaligen bayerischen Sozialministerin Christa Stewens am Montag, 19.05.2008, in München in einer Apotheke den Blutdruck mit einem Automatischen Messgerät.
  • Andreas Beez
    VonAndreas Beez
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Bluthochdruck gehört zu den gefährlichsten Volkskranheiten überhaupt. Auf sein Konto gehen fast die Hälfte aller Schlaganfälle und Herzinfarkte. Eine neue Studie zeigt dramatische Entwicklungen.

München – Karl Meier (Name geändert) hat nie viel darauf gegeben, wenn ihn sein Hausarzt wegen seiner erhöhten Blutdruckwerte zu mehr Disziplin ermahnte. Seine Tabletten nahm er eher schlampig, für Sport begeisterte er sich eher passiv vorm Fernseher und sein Feierabendbier wollte er sich auch nicht vermiesen lassen. Bis er mit Luftnot und Brustschmerzen im Sanka landete und die Ärzte im Klinikum später einen Herzinfarkt diagnostizierten. „Ich habe vorher nie etwas gespürt“, erzählt der 55-Jährige – und sich schon gar keine Sorgen wegen seiner erhöhten Blutdruckwerte gemacht. Sein fataler Irrglaube: „Das haben so viele, das kann ja nicht so schlimm sein.“

Jeder Dritte ist in Gefahr und hat keine Ahnung davon

Das große Problem: Millionen Menschen denken wie Meier. Nach Expertenschätzungen sprengen etwa 20 Millionen Bundesbürger die noch als gesund eingestuften Grenzwerte – oft ohne es zu wissen. In Deutschland beträgt die Dunkelziffer der nichts ahnenden Hypertonie-Patienten sogar fast 30 Prozent. Genauer gesagt kennen 71 Prozent aller betroffenen Frauen und sogar 72 Prozent aller Männer ihre Diagnose nicht. Das hat sich bei einer großen weltweiten Studie herauskristallisiert, die gerade im renommierten wissenschaftlichen Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht worden ist. Besonders fatal: Laut dieser Auswertung erhalten nur knapp über 60 Prozent der deutschen Patienten blutdrucksenkende Medikamente – und nicht einmal die Hälfte aller Hypertoniker werden erfolgreich behandelt bzw. weisen gut eingestellte Blutdruckwerte auf. „Das ist eine traurige Bilanz“, erklärt Professor Ulrich Wenzel anlässlich des Welt-Hypertonietages am 17. Mai.

Corona verschärft Bluthochdruck-Krise

Der Chef der Deutschen Hochdruckliga, eine der führenden medizinischen Fachgesellschaften, befürchtet, dass Corona die deutsche Bluthochdruck-Krise weiter verschärft hat: Viele Patienten könnten aus Angst vor einer Ansteckung auf die Routineuntersuchungen beim Hausarzt verzichtet haben.

Fatale Kettenreaktion im Körper

Dabei kann die Volkskrankheit eine fatale Kettenreaktion im Körper auslösen. Das Grundproblem: Sie richtet massive Schäden an den Blutgefäßen an. Nach Einschätzung von Internisten sind fast die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie beinahe ein Drittel aller Nierenkrankheiten eine Folge von Hypertonie.

Trotzdem wird Bluthochdruck nach wie vor unterschätzt – insbesondere vermeintlich milde Formen. „Doch schon leicht erhöhte Messwerte sind gefährlicher, als viele Menschen ahnen“, warnt der renommierte Münchner Kardiologe und Präventionsmediziner von der Deutschen Herzstiftung, Professor Martin Halle.

Keine Beschwerden - aber Schäden entwickeln sich über lange Jahre

Wie stark das Erkrankungsrisiko bereits bei leicht erhöhten Blutdruckwerten ansteigt, haben chinesische Wissenschaftler gezeigt. Sie analysierten 19 Studien mit über 760 000 Teilnehmern. Danach hat sich die Herzinfarktgefahr bereits bei Messwerten zwischen 130/85 und 139/89 verdoppelt. Bei Patienten mit einem Blutdruck zwischen 120/80 und 140/90 kletterte die Schlaganfallgefahr um 66 Prozent. Dessen ungeachtet schlagen immer noch viel zu viele Patienten die Warnungen der Mediziner in den Wind. Das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen verursacht Bluthochdruck lange keinerlei Symptome. „Die Schäden entwickeln sich meist unbemerkt über zehn bis 15 Jahre. Und wenn der Patient einen Schlaganfall erleidet oder einen Herzinfarkt bekommt, ist allenfalls nebensächlich von Hypertonie als Ursache die Rede“, weiß Halle. Zum anderen wirkt auch der Messwert selbst für viele Patienten wie ein Buch mit sieben Siegeln. Er wird in mmHg angegeben. Diese Abkürzung steht für Millimeter Quecksilbersäule

Früher verwendeten Mediziner Quecksilber in einem Glasröhrchen, um den Blutdruck zu messen – vergleichbar mit alten Fieberthermometern. Quecksilber hat eine 13-fach höhere Dichte als Wasser. „Stellen Sie sich Ihre Schlagader vor wie einen Gartenschlauch. Liegt Ihr Blutdruck bei 150 statt bei den normalen 120 mmHg, hat diese Erhöhung die Wirkung von weiteren 40 Zentimetern Wasser, die von innen auf den Gartenschlauch – sprich auf ihre Arterien – drücken“, erklärt Halle.

Umso wichtiger sei es, Bluthochdruck konsequent zu bekämpfen „Mit einer klugen Behandlungsstrategie aus Medikamenten und Lebensstilveränderungen lässt sich der Blutdruck sogar von sehr hohen Werten in den Normalbereich drücken. Wer sich regelmäßig bewegt, gesund ernährt, nur noch ab und zu Alkohol trinkt und überflüssige Pfunde verliert, der kann seine Messwerte um bis zu 20 mmHg senken. Insofern ist ein gesunder Lebensstil so effektiv wie ein Blutdruckmedikament.“

Allein jedes verlorene Kilo an Übergewicht bringt etwa ein mmHg. Und beim Thema Bewegung gilt eine goldene Regel: „Lieber kürzer, aber dafür so oft wie möglich! Schon zehn Minuten radeln oder walken können viel bewirken.“ Ebenso wichtig sei es, sich gesund zu ernähren – am besten eher mediterran mit viel ungesättigten Fettsäuren, Obst und Gemüse.

Salz und Alkohol als Brandbeschleuniger

Apropos Ernährung: Sie spielt bei der Entstehung von Hypertonie eine größere Rolle, als viele Menschen glauben. Dass Übergewicht die Messwerte in die Höhe treibt, ist noch relativ bekannt. Aber wie sehr einzelne Lebensmittel einen Blutdruckanstieg befeuern können, haben vergleichsweise wenige Patienten auf dem Schirm. Ein Paradebeispiel ist Salz. „Es steckt in Wurst, Käse, Brot – in vielem, was wir Deutschen gerne essen“, sagt Halle. Das große Problem des Minerals: „Salz gelangt in die Blutbahn und bindet Wasser. Dadurch steigt das Blutvolumen und als Folge der Blutdruck.“

Neben Salz gelten auch Übergewicht, vor allem hohe Bauchfettwerte, und Alkohol als Brandbeschleuniger der Hypertonie. „Wer regelmäßig ein, zwei Halbe Bier trinkt, treibt seinen Blutdruck schon nach oben“, warnt Halle. Auch Kaffee, grüner Tee und Schwarztee können die Werte steigern. „Am Tag sollte man maximal 400 Milligramm Koffein zu sich nehmen, das entspricht vier bis fünf Tassen Kaffee“, empfiehlt die Herzstiftung.

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