Bischöfe streiten über Kommunion für Konfessionsverschiedene

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München/Köln – Innerhalb der katholischen Bischofskonferenz ist es zu einem heftigen Streit gekommen über die Frage der bisher nicht zulässigen Kommunion für evangelische Christen.

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet von einem Brief, den der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki mit Unterstützung von sechs weiteren Bischöfen an den Vatikan geschrieben habe. Die sieben Oberhirten – neben Woelki sind es der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sowie die Bischöfe Konrad Zdarsa (Augsburg), Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Wolfgang Ipolt (Görlitz), Rudolf Voderholzer (Regenburg) und Stefan Oster (Passau) – halten einen Beschluss der Bischofskonferenz für unrechtmäßig. Dabeiwar mit Zwei-Drittel-Mehrheit abgestimmt worden, konfessionsverschiedene Ehepaare in Einzelfällen zur Kommunion zuzulassen. Dies verstoße gegen die Glaubenslehre und die Einheit der Kirche. Damit habe die Bischofskonferenz ihre Kompetenz überschritten.

Mit diesem Brief stellen sich die sieben Bischöfe gegen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, den Münchner Kardinal Reinhard Marx. Bemerkenswert ist auch, dass unter den Unterzeichnern fünf Mitglieder der Freisinger Bischofskonferenz sind. Zu diesem Gremium gehören weiter der Erzbischof von München und Freising – Kardinal Marx – und der Bischof von Würzburg. Dieses Amt ist derzeit vakant. Somit positionieren sich alle derzeit im Amt befindlichen bayerischen Ortsbischöfe gegen ihren Vorsitzenden.

In dem Brief bitten die Kritiker den Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen und die Glaubenskongregation um Hilfe. Einen solchen Brief direkt an den Vatikan zu schicken, ohne den Vorsitzenden davon in Kenntnis zu setzen, ist unüblich. Entsprechend enttäuscht klingt auch der Antwortbrief, den Kardinal Marx gestern als Reaktion auf die Berichterstattung über den Streit veröffentlicht hat. Darin widerspricht er deutlich den Bedenken. Er erklärt, dass es nach Kirchenrecht einer Bischofskonferenz möglich sei, Kriterien zu formulieren, die die Kommunionspendung an „nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche befindlichen Christen erlauben“. Der Beschluss sei mit „weit überwiegender Mehrheit“ und nach ausführlicher Aussprache gefasst worden. Zudem verweist Marx auf die Ermutigung von Papst Franziskus zu weiteren Schritten in der Ökumene – „auch in der Seelsorge“. Die geplante Handreichung setze diesen Wunsch „behutsam“ um. Nach der Frühjahrsversammlung der Bischofskonferenz im Februar hatte Kardinal Marx eine Handreichung angekündigt, die in Einzelfällen eine gemeinsame Teilnahme von konfessionsverschiedenen Eheleuten möglich macht.

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, kritisiert den Brief der sieben Bischöfe. „Mich wundert dieses Verhalten, das mir ziemlich unsolidarisch erscheint“, schreibt er auf Twitter. „Kennen wir nicht alle evangelische Ehepartner, die das bejahen, was wir katholisch in der Eucharistiefeier bekennen?“ Das Problem sei pastoral vor Ort doch längst gelöst. Mit der Kritik an Kardinal Marx stellen sich die sieben Bischöfe gleichsam gegen die Reformpläne von Papst Franziskus. Schließlich gehört der Münchner Erzbischof zu dessen wichtigsten Beratern. Claudia Möllers

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