Zur Biografie Gulbranssons

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Gulbranssons Schererhof Foto: Plettenberg

 Schon daheim hatte Gulbransson als Karikaturist bei Zeitungen Erfolg – frappierend seine Treffgenauigkeit, ob bei Königin Victoria oder Henrik Ibsen.

Natürlich hatte auch er ihn auf dem 1740 erbauten Schererhof besucht. Der Norweger war da schon längst ein Bayer. 1906 hatte er die Staatsbürgerschaft angenommen. Geboren wurde er am 26. Mai 1873 in Christiania, heute Oslo. Von der Schule war er nicht begeistert, wie er in seinen Erinnerungen „Es war einmal“ erzählte. Da war’s an der Kunstakademie schöner. 1897 heiratete er zum ersten Mal.

Der norwegische Nationaldichter Björnstjerne Björnson vermittelte den Künstler 1902 an Albert Langen und dessen Satirezeitschrift „Simplicissimus“. Gulbransson siedelte sich in München an und wurde eine der tragenden Säulen der heiß geliebten Publikation. Er bekam es mit Ludwig Thoma zu tun, mit Frank Wedekind oder Hermann Hesse und mit Kollegen wie Thomas Theodor Heine oder Eduard Thöny.

 1906 dann die zweite Ehe; erst 1923 fand er seine endgültige Liebe, Dagny, Björnsons Enkelin. In München hauste er in seinem „Kefernest“ am Englischen Garten, zeichnete Bayern und Politiker, Herrscher und Pfaffen. Im Ersten Weltkrieg wurde er wie die meisten stramm patriotisch, danach wieder stramm satirisch. Daneben entstanden exzellente Porträts, Bühnenausstattungen und Buchillustrationen.

 Gulbransson wurde Lehrer an der Münchner Kunstgewerbeschule, später Professor an der Kunstakademie. Immer intensiver versuchte er sich auf dem Feld der freien Kunst – mit viel Feinsinnigkeit. Norwegen und Berlin waren Stationen, bevor er 1927 wieder in München landete. 1929 kaufte er den Schererhof in Tegernsee, wo er bis zu seinem Tod 1958 lebte. In der Nazi-Zeit kam Olaf Gulbransson ungeschoren davon, obwohl es vorher deftige Anti-NS-Zeichnungen gab. Wie weit er instrumentalisiert wurde, etwa gegen Thomas Mann, wie weit er es geschehen ließ, ist wohl noch nicht richtig erforscht. Der „Simplicissimus“ hatte sich angepasst. Nach dem Krieg arbeitete Gulbransson weiter: an Karikaturen, Büchern, Werbeplakaten. Die junge Bundesrepublik ehrte ihn vielfach. Simone Dattenberger

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare