Bienen sind noch nicht über den Berg

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Ohne Bienen kein Beeren, keine Äpfel, keine Kirschen. Daher muss der Schutz der Honigbienen Priorität haben. Bayerns Imker sehen Fortschritte beim Kampf gegen die Varoa-Milbe. Doch Pestizide machen den Insekten schwer zu schaffen.

Bayerische Imker in Sorge

Ohne Bienen kein Beeren, keine Äpfel, keine Kirschen. Daher muss der Schutz der Honigbienen Priorität haben. Bayerns Imker sehen Fortschritte beim Kampf gegen die Varoa-Milbe. Doch Pestizide machen den Insekten schwer zu schaffen.

Von Thomas Lochte

Starnberg – Glaubt man der „Bienenpolitischen Sprecherin“ der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Tanja Schorer-Dremel, dann wurden die bundesweit dramatischen Verluste an Bienenvölkern vom Winter 2014/2015 – minus 25 Prozent des Bestands – bis zum Ende des Jahres 2015 „weitgehend ausgeglichen“. Die Politikerin zeichnete beim 8. Bayerischen Imkergespräch in Starnberg ein Bild, wonach sich die vorwiegend durch die Varroa-Milbe bedrohten Bienenvölker bereits nachhaltig erholt hätten.

Imker und Wissenschaftler bewerten die Entwicklung weitaus zurückhaltender: Die „fliegende Landwirtschaft“ ist laut Untersuchungen des Anfang 2015 eingerichteten, zu 100 Prozent staatlich geförderten Tiergesundheitsdienstes Bayern (TGD) zumindest in Bayern noch nicht gerettet. Andreas Schierling, seit 1. Januar 2016 Leiter des TGD, stellte labordiagnostische Auswertungen von 483 eingereichten Proben vor, denen zufolge 60,9 Prozent der Bienen vom chronischen Bienenparalyse-Virus (CBPV) betroffen sind. Hierbei wurden die Köpfe der Bienen auf einen Befall des Nervensystems untersucht. „Es handelt sich um Trends, einen statistisch nicht abgesicherten Zwischeneinblick“, relativierte Schierling die für gesicherte Erkenntnisse nicht genügend große Zahl der Erhebungen. Immerhin: Das „Gerücht“, alle Bienenvölker wären mit Sporen befallen, sei widerlegt.

Die Erkenntnis, wonach in der Stadt weniger Pestizid-Befall zu verzeichnen ist als auf dem Land, ist nicht neu: „Die Landwirtschaft ist aber nicht immer schuld, es sind oft auch die Hobbygärtner“, so Hubert Dietrich, Organisator des Imker-Gesprächs. Dass die Imker in Bayern das kostenlose Angebot von Probenuntersuchungen bis zum Jahresende 2015 in steigendem Maße in Anspruch genommen hatten, bestätigt den Weg zunehmender finanzieller Förderung durch den Freistaat: „Es ist ja immer eine Politik der kleinen Schritte“, sagte Bio-Imker Werner Bader. Er hätte von den Landtagspolitikern gerne gehört, „dass Sie hier die Agrarwende in Bayern verkünden“. Soweit kam es dann doch noch nicht beim Starnberger Imker-Tag.

Wenn es um Ursachenerkenntnis und Bekämpfung des Bienensterbens geht, fühlen sich die Imker angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht mehr so hilflos. So ergaben staatliche Honig-Untersuchungen des Erlanger Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei 28 Proben 15 rückstandsfreie und 14 geringfügig mit Pflanzenschutzmitteln kontaminierte: „Der Honig war durchweg verkehrsfähig“, stellte Hubert Dietrich klar. Auch „private“ Erhebungen der Uni Stuttgart-Hohenheim benennen Raps-Pflanzenschutzmittel als Hauptbelastung: Waren es 2014 noch zwölf von 97 Proben, so sind für 2015 schon 26 von 130, also 20 Prozent. Bei Bienenwachs-Analysen wurde eine Belastung mit Bienenarzneimittel-Rückständen wie Thymol bei etwa der Hälfte festgestellt. Fazit: „Es ist ein effektives Wachsmanagement erforderlich.“

Bader und Dietrich forderten die versammelten Imker dazu auf, weiterhin Proben einzureichen – möglichst eine für die Rückstandsanalyse und eine für die Pollenuntersuchung. Die „bayerische“ Biene, sie ist noch nicht über den Berg.

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