Bezirketag will Pflege-Beratung verbessern

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Mehr Unterstützung für Pflegebedürftige und deren Angehörige: Der Bezirketag will dazu in allen bayerischen Landkreisen Pflegestützpunkte einrichten. Bisher gibt es bayernweit erst neun. Foto: Reinhardt/dpa

In allen bayerischen Landkreisen sollen Pflegestützpunkte entstehen. Der Bezirketag will damit die Beratung für Betroffene und deren Angehörige verbessern. Für sie hätten die neuen Anlaufstellen nur Vorteile. Doch wieviel die Umsetzung kosten wird, ist völlig unklar.

Anlaufstellen für alle Landkreise

Von Katrin woitsch

München – Der Ordner, mit dem Bezirketags-Präsident Josef Mederer morgen zum Kloster Seeon fahren wird, ist dick. 21 Punkte stehen bei der Sitzung des Hauptausschusses der Bezirke auf der Tagesordnung. Aber ein Punkt liegt ihm besonders am Herzen: die Pflege-Stützpunkte. Die Idee ist nicht neu – aber sie wird in Bayern noch lange nicht so umgesetzt, wie Mederer sich es wünscht. Im ganzen Freistaat gibt es insgesamt neun Pflegestützpunkte. In Oberbayern nur einen einzigen, in Neuburg an der Donau. Und der befinde sich in einer Art Dornröschenschlaf, sagt Mederer. Er wünscht sich langfristig für jeden der 71 bayerischen Landkreise einen Stützpunkt. Dafür will er in Seeon werben und die Bezirke ermutigen, auf ihre Landkreise zuzugehen. Er selbst sei bereits mit den oberbayerischen Landräten in Kontakt.

Der Zeitpunkt für die Initiative könnte nicht besser sein. Denn ab dem 1. März sind die Bezirke nicht mehr nur wie bisher für die stationäre Hilfe zuständig, sondern auch für die ambulante. Die war bisher Sache der Landkreise und kreisfreien Städte, das Anfang des Jahres beschlossene Teilhabegesetz hat die Zuständigkeiten neu geregelt. „Betroffene haben damit nur noch einen Ansprechpartner“, erklärt Mederer. Das sei für sie besonders dann ein Vorteil, wenn sie irgendwann von der ambulanten zur stationären Pflege wechseln. Für die Bezirke bedeutet die neue Zuständigkeit eine gewaltige Herausforderung, betont Mederer. 60 bis 70 neue Stellen müssen geschaffen werden.

Auch bei den Pflegestützpunkten sollen alle Zuständigkeiten zusammenlaufen, kündigt Mederer an. Bezirke, Landkreise, Pflege- und Krankenkassen, Betroffenenverbände, Dienstleister – alle werden miteinander vernetzt. „Betroffene und Angehörige werden eine wohnortnahe, unabhängige Beratungsstelle bekommen“, sagt Mederer. Und die Beratung würde über das Thema Pflege hinausgehen, betont er. Deshalb gefällt ihm der Begriff „Pflegestützpunkt“ noch nicht. „Wir möchten in allen sozialen Bereichen eine Kooperation – zum Beispiel auch bei der Altenpflege, die Aufgabe der Landkreise ist.“ Wichtig ist ihm vor allem, alle Angebote und Ressourcen zu bündeln. „Wenn man zum Beispiel einen Platz für Kurzzeitpflege sucht, weiß der Pflegestützpunkt, wo gerade etwas frei ist.“ Mederer fürchtet, dass pflegende Angehörige bisher nicht die besten Informationen und die größte Unterstützung erhalten, weil die Beratungsstellen auf ihre jeweiligen Zuständigkeiten beschränkt sind. So würden ältere Menschen und deren Familien in der Regel nicht wissen, ob und welche Leistungen der Sozialhilfe benötigt werden.

Noch kann Mederer nicht einmal abschätzen, wie teuer es werden könnte, in allen Landkreisen Pflegestützpunkte zu etablieren. „Der Bedarf muss erst einmal definiert werden“, sagt er. „Erst dann können wir beim Sozialministerium vorstellig werden.“ Unterstützung habe es aber bereits signalisiert. Nun geht es in Seeon erst einmal darum, die Landkreise von den Stützpunkten zu überzeugen. Das wird Josef Mederer mit der ganzen Leidenschaft versuchen, die er in sich trägt, wenn es um die Zukunft der Pflege geht. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause gepflegt werden können“, sagt er. „Um das zu schaffen, müssen wir Geld in die Hand nehmen – und die Angehörigen so gut wie möglich unterstützen.“

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