IM EINZELFALL WEG ZU GEMEINSAMER KOMMUNION VON GEMISCHT-KONFESSIONELLEN EHEPAAREN

Bewegung beim gemeinsamen Abendmahl

Ingolstadt – Die katholischen Bischöfe wollen konfessionsverschiedenen Ehepartnern die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie ermöglichen.

Dies erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gestern zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Ingolstadt.

Hintergrund ist der hohe Anteil konfessionsverschiedener Ehen und Familien in Deutschland. Sie stellten die Seelsorger vor eine „dringende pastorale Aufgabe“, erklärte Marx. Grundlage für die Neuerung soll ein Dokument sein, das die Ökumene-Kommission und die Glaubenskommission der Bischofskonferenz erarbeitet haben. Es sei in Ingolstadt „nach intensiven Debatten von einer sehr großen Mehrheit der Bischöfe“ angenommen worden. Das Papier versteht sich nach Darstellung von Marx als „Hilfestellung, um im seelsorglichen Gespräch die konkrete Situation anzuschauen und zu einer verantwortbaren Entscheidung über die Möglichkeit des Kommunionempfangs des nichtkatholischen Partners zu kommen“.

Es handele sich nicht um ein dogmatisches Dokument, sondern um eine Orientierungshilfe für die Seelsorge, so der Kardinal. Unabdingbar sei es, dass die Seelsorger vor der Zulassung der nichtkatholischen Ehepartner zur Kommunion mit den Betroffenen über deren Glauben sprächen und sicherstellten, dass beide die katholische Eucharistielehre teilten.

Die Orientierungshilfe geht davon aus, „dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen“. Das gelte insbesondere für die Ehepaare, die ihre Ehe sehr bewusst aus dem gemeinsamen christlichen Glauben leben möchten und deren Ehe schon jetzt die Konfessionen verbindet. Hier könne ein „schwerwiegendes geistliches Bedürfnis“ entstehen, das es nach dem Kirchenrecht möglich mache, dass der evangelische Ehepartner zum Tisch des Herrn hinzutrete, wenn er den katholischen Eucharistieglauben bejahe.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm begrüßte die Ankündigung der katholischen Bischöfe als Richtungsentscheidung. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte er, die Möglichkeit zur gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistiefeier sei ein „wichtiger Schritt auf dem Weg der Ökumene und eine echte Erleichterung“ – bei allen noch zu klärenden Punkten. Der EKD-Ratsvorsitzende sieht in der Erklärung „zuallererst eine Ermutigung für viele Millionen Christen, die in ihren Lebensbezügen ökumenisch eng miteinander verbunden sind“. Er hoffe aber, dass die katholische Kirche nun die Teilnahme konfessionsverbindender Ehepartner auch am evangelischen Abendmahl möglich mache.

Papst Franziskus habe ausdrücklich dazu aufgefordert, auf dem Weg zur sichtbaren Einheit voranzuschreiten. „Diese Hoffnung teile ich auch, wenn es darum geht, bleibende theologische Fragen im Hinblick auf die gemeinsame Eucharistiefeier zu lösen“, sagte Bedford-Strohm.  kna

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