Betrog Rentner Ehepaar um Haus?

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Er kann es offenbar nicht lassen: Obwohl er wegen Betrügereien schon in der Sicherungsverwahrung gelandet war, soll ein Ex-Goldhändler erneut zugeschlagen haben. Er ergaunerte ein Haus in Kochel. Vor Gericht bestreitet er alles.

prozess gegen kaufmann

Er kann es offenbar nicht lassen: Obwohl er wegen Betrügereien schon in der Sicherungsverwahrung gelandet war, soll ein Ex-Goldhändler erneut zugeschlagen haben. Er ergaunerte ein Haus in Kochel. Vor Gericht bestreitet er alles.

von nina gut

Kochel am See – Eigentlich hatte er riesiges Glück. Die Richter hatten ihn bereits wegen mehrfachen Betrugs für immer in Sicherungsverwahrung geschickt. Doch durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts kam ein 71 Jahre alter Rentner aus Iffeldorf (Kreis Weilheim-Schongau) Mitte 2011 wieder in Freiheit und zog zurück zu Frau und Sohn. Doch diese letzte Chance nutzte er nicht. Schon ein Jahr später soll er wieder ein krummes Ding gedreht – und ein Ehepaar aus Kochel (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) um sein Haus betrogen haben.

Nun muss sich der ehemalige Kaufmann, der mit Gold handelte, wieder wegen Betrugs vor dem Landgericht München II verantworten. Der Rentner schloss am 14. Mai 2012 einen notariellen Kaufvertrag mit dem Paar und ließ sich ins Grundbuch eintragen. Ende August zog er mit Frau und Sohn in das Zweifamilienhaus. Den Kaufpreis von 610 000 Euro überwies er jedoch nicht. Laut Staatsanwaltschaft hat er die Verkäufer absichtlich getäuscht. Der Angeklagte selbst bestreitet die Vorwürfe. „Einer, der die betrügen hätte wollen, hätte nicht schon Reparaturen von 35 000 Euro vorgenommen“, sagte er zum Auftakt des Betrugsprozesses.

Der zwangsgeräumte Iffel–dorfer suchte die Schuld nicht bei sich, sondern bei seinen Vertragspartnern. Er sprach von „Schweinereien“. Und meinte damit, dass man ihm angeblich ein marodes Haus andrehen wollte.

Ursprünglich habe er ein Finanzierungsangebot einer Liechtensteiner Bank bis zu 700 000 Euro gehabt, beteuerte er. Dort habe er Eigenkapital in Höhe von 310 000 Euro gehabt – dazu eine mündliche Finanzierungszusage über 390 000 Euro. Er sollte den Kaufvertrag einfach an die Bank schicken. Daraufhin sei er in Kochel fündig geworden. Es habe sich um ein „sehr gepflegtes, modernes“ Haus gehandelt. Doch die Bank habe „den Kaufvertrag postwendend zurückgeschickt“ und den Kauf nicht mehr finanziert, weil das Haus „eine Ruine“ gewesen sei. Er habe ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: „Das Haus ist ja Schrott.“

Für den viertägigen Prozess sind strenge Sicherheitskontrollen angeordnet. Gegenüber dem Bewährungshelfer soll der Iffeldorfer gedroht haben: „Ich besorge mir eine Waffe und räume bei Gericht auf.“ Auch zu einer Rechtspflegerin habe er gesagt, dass er sich eine Maschinenpistole besorge. Der Rentner bestritt die Aussagen.

Zuletzt stand der Iffeldorfer 2002 wegen Betrugs vor Gericht. Mit so genannten Wechselverträgen hatte er Kreditnehmer abgezockt. Dafür verurteilte ihn das Landgericht München II zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft. Außerdem wurde die Sicherungsverwahrung angeordnet. Der Psychiater hatte den mehrfach Vorbestraften als „klassischen Hangbetrüger“ bezeichnet, vor dem man die Allgemeinheit schützen müsse.

Diesmal überraschte der Angeklagte das Gericht mit einem ganz neuen angeblichen Lebenslauf, darunter Einsätze als Starfighter-Pilot und im U-Boot. Der Prozess dauert an.

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