Besuch beim Grauschimmel-Trio

Herbert Schneider
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Herbert Schneider

An dieser Stelle schreibt jeden Samstagunser Turmschreiber

Heimatkolumne

Auch wenn man kerngesund ist, oder das zumindest glaubt, muss man manchmal ein Krankenhaus, eine Klinik, aufsuchen, meist mit einem Sträußerl Blumen, Pralinen oder einem Stück Torte im Gepäck, weil es einen Verwandten, guten Bekannten oder einen Nachbarn „dabröselt“ hat.

Zunächst erfragen wir an einer Art Rezeption das Geschoss und die Zimmernummer unseres Patienten, dann eilen wir auf glanzpolierten und sicherlich keimfreien Böden zum Aufzug, in Begleitung weiterer Besucher, die, wie wir meinen, besorgt dreinblicken, und quirligem Krankenhaus-Personal. Zaghaft klopfen wir an die erkundete Tür, treten ein und sehen, in unserem Fall eine Sie, auch gleich im ersten Bett liegen. Die beiden anderen, ebenfalls weißhaarige ältere Damen, die eine schnarcht leise vor sich hin, die andere blättert in einer Illustrierten. Alle drei hängen am Tropf, aus dem Flüssigkeit in einem dünnen Schläucherl in ihren Körper rieselt.

Unsere Besuchte ist hellwach, meint auf unsere Frage, wie es ihr gehe, „solala“ und zu unserm kleinen Geschenk: „Des hät’s aber wirkle net braucht!“ Wir rücken einen Stuhl zurecht, sagen, dass wir uns Sorgen um sie gemacht hätten, aber nun erfreut seien, sie nach der schweren Operation so relaxt anzutreffen.

„Übertreibs net“, sagt sie und gesteht, dass es sie da und dort immer noch zwicke und sie längst noch nicht über den Berg sei. „Aber du hast ja scho wieder ganz frische rote Backerl“, muntern wir sie auf, worauf sie operettenhaft erwidert: „Aber wias innen aussieht, geht niemand was an.“ Sie hat nämlich eine Unterleibs-Operation hinter sich, doch der Oberarzt, den wir zwischenzeitlich aufsuchen, versichert uns, dass die Patientin schon nach einer weiteren Woche Behandlung und Beobachtung entlassen werden könne.

„Guat und schee“, sagt die Operierte, als ihr ihr Besuch diese gute Nachricht überbringt, „aber dann muaß i ohne Gebärmuadda rumlaaffa“, und fügt dann schmunzelnd an, „was werd denn da mei Mo, der Gebärvadda, dazua sagn?“

„Der werd si scho dro gwöhna!“ wird sie von ihrem Gast beruhigt, der erstaunt den unter der Zimmerdecke installierten Fernseher wahrnimmt. „Wias mir mein Blinddarm zwickt ham, hats sowas in der Klinik no net gebn“, verrät er. „Ohne so an Kastn waars ehrle gsagt no langweiliger in der Bude“, gesteht sie. „Zumindest am Abend san i und meine Zimmergenossinnen mit ‚Dahoam is Dahoam‘ fast scho wia dahoam. Und dann drauf no an Tatort, dann könnma endli guat schlaffa!“

Inzwischen war weiterer Besuch eingetrudelt und wieder mussten leere Vasen zum Einsatz gebracht werden. „Kimmt dei Mo heit aa no?“, fragen wir. „Naa, der is heit scho in aller Früah mit da Tochter da gwen. A Tiramisu hams mitbracht, zum Aufpäppeln hams gsagt. Obwohl de Verpflegung hier erstklassig is. Von am Krankenhaus-Fraß kon da wirkle koa Red sei!“

Als das Abendessen serviert wird, eine wirklich respektable Wurst-und-Käseplatte mit Ei und Salaten, verabschiedet sich der Besucher mit „an recht an Guatn und baldige Genesung allerseits“ von dem der Entlassung zuliegenden Grauschimmel-Trio.

Maßgeschneidert

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