Das Bergunglück erschüttert Burgkirchen

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Hannes Kogler, Wirt der Zittauer Hütte.

Die Fahnen am Rathaus hängen auf halbmast. Viele Menschen in der südost-oberbayerischen Gemeinde Burgkirchen an der Alz sind zutiefst erschüttert: Alle Verunglückten des Bergdramas im Salzburger Land kommen aus der Region.

FÜNF BAYERN STERBEN IN GLETSCHERSPALTE

von andrea stinglwagner und johannes Heininger

Burgkirchen – Ihre Namen sind vielen Menschen in der kleinen Stadt wohlvertraut: Ludwig B. (34), Wolfgang H. (70) und Erich T. (56) stammen aus Burgkirchen, Reinhard W. (56) und Leonhard H. (65) aus den Nachbargemeinden Emmerting und Garching. Der Überlebende ist der Älteste: Johann S. (75) aus Kastl. Sie alle waren höchst erfahrene Kameraden vom Deutschen Alpenverein. Ludwig B., der Jüngste, war ein aufstrebender Ingenieurwissenschaftler. Eine Kollegin von der Technischen Hochschule Deggendorf rang gestern mit den Worten: „Wir können es alle nicht glauben, dass er tot sein soll. Er war so ein liebenswerter, wertvoller Mensch.“ In seiner Freizeit war B. leidenschaftlicher Bergkletterer.

Der 70-jährige Wolfgang H. hatte die Gruppe geführt, als das Unglück Sonntagfrüh seinen Lauf nahm. Er war Übungsleiter bei der Alpenvereins-Sektion Burgkirchen, der fünf der sechs Verunglückten angehörten. Die Sektion hatte die Tour als offizielle Veranstaltung im Sektionsheft ausgeschrieben.

Am Sonntagmorgen war die Gruppe von der Zittauer Hütte bei Krimml im Salzburger Land aufgebrochen und wollte den Gabler besteigen. Im Hüttenbuch hinterließ die Gruppe auch ihre Unterschriften – was obligatorisch ist. Das ist ihre letzte Spur. Auf dem Gletscher Wildgerloskees in rund 3000 Metern Höhe wollte die Seilschaft offenbar umdrehen. Es soll Ludwig B. gewesen sein, der plötzlich stürzte – und die Kameraden mit sich riss – ein sogenannter Mitreiß-Unfall (siehe auch Text unten). „Zwei versuchten noch den Sturz mit Pickeln zu halten, vergeblich“, sagte der Einsatzleiter der Bergrettung. 200 Meter tief stürzten die Männer den vereisten Hang hinab in eine Spalte.

Noch am Abend hatten sich Angehörige, Alpenvereins-Mitglieder und der Bürgermeister im Burgkirchner Rathaus getroffen. Rathauschef Johann Krichenbauer sagte: „Es schmerzt. Noch vor Kurzem hatten wir beim 50. Jubiläum der Alpenvereins-Sektion Burgkirchen gefeiert, dass die Jahre ohne große Unfälle vorüber gingen. Und jetzt das!“

Auch beim Alpenverein herrscht Bestürzung. Sprecherin Andrea Händel sagt: „Es handelt sich um einen tragischen Unfall, der uns alle sehr betroffen macht. Derzeit kümmert sich unser eigenes Kriseninterventionsteam um die Angehörigen der Todesopfer.“ Fünf der extra ausgebildeten Team-Mitglieder fuhren dazu in die Region. „Ob es eine gemeinsame Trauerfeier gibt, ist noch unklar und hängt von der Entscheidung der Familienmitglieder ab“, betont der Alpenverein.

Einige Angehörige reisten gestern an den Unglücksort in Österreich, um sich von den Toten zu verabschieden. Der einzige Überlebende Johann S. konnte bisher noch nicht befragt werden, teilte die Polizei mit. Der 75-Jährige sei nicht mehr in Lebensgefahr, aber in kritischem Zustand im Salzburger Landeskrankenhaus. Es sei fraglich, ob er sich angesichts der schweren Kopfverletzungen überhaupt an den Unfall erinnern können wird.

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