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Tierische Entschleunigung

Unterwegs mit der Bergfexn, der Influencerin Tamara Schweidler: Wandern mit Esel

Tamara Schweidler
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Tamara Schweidler
  • Raphaela Kreitmeir
    VonRaphaela Kreitmeir
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Was machen Esel auf dem Berg, warum tut das Wandern mit ihnen so gut und wie passen die Lebenswirklichkeiten als Erlebnispädagogin, Influencerin und Nebenerwerbslandwirtin zusammen? Eine Begegnung mit Tamara Schweidler.

von Raphaela Kreitmeir

Wenn man sie kennenlernt, fällt eines sofort auf: ihre Energie. Die braucht sie auch, denn Tamara Schweidlers Tage sind randvoll. Sie arbeitet im medienpädagogischen Bereich, betreut verschiedene Jugendradio-Redaktionen, bewirtschaftet mit ihrem Freund und seinem Bruder einen landwirtschaftlichen Betrieb sowie eine Pension, ist leidenschaftliche Bergsportlerin und erfolgreiche Influencerin. Ihre Power läuft also nonstop auf Hochtouren. Abschalten – das war lange Zeit für sie ein Fremdwort. Bis sie einmal mit Eseln gewandert ist. Das hat sie so positiv entschleunigt, dass jetzt vier Esel im heimischen Stall stehen, mit denen sie auch Wanderungen anbietet. Wir haben uns mit der 27-Jährigen über die Balance zwischen Powern und Entschleunigen, über ihr Verhältnis zu Tieren und die Kraft, die sie in der Natur spürt, unterhalten.

Was verbindest Du mit Heimat?

Heimat ist da, wo die Familie lebt, wo man aufgewachsen ist, wo man sich wohl und sicher fühlt. Für mich gehören Seen und Berge dazu. Das Chiemgau ist definitiv meine Heimat.

Welche Rolle spielt dabei die Natur?

Eine enorm große. Von klein auf war ich mit meinen Eltern in den Bergen, habe gelernt, wie man sich in der Natur verhält und was Wald, Wiesen, Berge, Seen und Flüsse alles zu bieten haben. Die Natur ist für mich gleichbedeutend mit Lebensqualität, ich könnte nie in der Stadt leben.

Inzwischen lebst Du auf dem Bauernhof. Wie wurdest Du zur Bäuerin?

Ich helfe nur mit, zur richtigen Bäuerin fehlt mir noch ein Haufen Wissen, Erfahrung und Können. Aber ich lerne dazu, im Alltag auf dem Hof und bei Kursen im Bildungsprogramm Landwirt, das für Nebenerwerbslandwirte angeboten wird. Obwohl ich schon als Kind gesagt habe, dass ich immer einen Bauernhof haben möchte, war die Landwirtschaft für mich eine komplette Überraschung. Denn auch wenn ich schon seit zwölf Jahren mit meinem Freund zusammen bin, habe ich erst relativ spät erfahren, dass seine Familie einen Hof hat, den er jetzt gemeinsam mit seinem Bruder führt. Dorthin bin ich dann nach dem Studium gezogen und ehrlich gesagt, haben erst einmal alle den Kopf geschüttelt, als ich in den Stall bin, um die Tiere zu streicheln. Streicheln ist ja ganz nett, aber davon wird kein Tier satt, kein Stall sauber und keine Arbeit erledigt. Wie ich dann innerhalb weniger Tage zumindest das Melken gelernt habe, war ein gewisses Aufatmen in der Familie meines Freundes zu spüren.

Landleben- Tamara zeigt auf Instagram alle Aspekte des Lebens und Arbeitens auf dem Hof.

Sind Tiere für Dich wichtig?

Sie waren und sind mir sehr wichtig. Als Kind habe ich zum Beispiel immer, wenn es mir mal schlecht gegangen ist, die Hasen und Hennen gestreichelt, die wir beim Haus hielten. Aber jetzt ist es, wie gesagt, mit dem Streicheln allein nicht mehr getan. Wir haben Nutzvieh, dem wir ein gutes, tiergerechtes Leben ermöglichen, deren Milch und Fleisch aber auch unser Auskommen sicherstellt. Derzeit bauen wir eine Herde mit Hochlandrindern auf, die ihr Leben auf der Weide verbringen und dort dann auch geschlachtet werden. Tierliebe und Nutztierhaltung sind für mich kein Widerspruch, sondern ergänzen sich. Ich finde, Landwirte sollten stolz darauf sein, was sie leisten, sie gehören zur Kultur in Bayern.

Du zeigst auf Instagram auch immer wieder Bilder aus dem Leben auf dem Hof. Wie sind die Reaktionen?

Artgerecht- Die Hochlandrinder leben auf der Weide.

Ursprünglich habe ich auf meinem Kanal „Bergfexn“ nur Berg-Content geteilt, aber da ich meine Follower an meinem Leben teilhaben lasse und mich als Markenbotschafterin der Region verstehe, poste ich auch immer wieder Bilder rund um landwirtschaftliche Erzeugnisse und von unseren Tieren. Ich finde es, wie gesagt, wichtig zu zeigen, welche Facetten das Leben auf dem Hof hat. Das fängt mit der Apfelblüte im Frühjahr an und reicht hin bis zum Saft im März. Und da gehören für mich selbstverständlich auch die Tiere dazu – unsere Kühe und die Hochlandrinder genauso wie die Esel.

Wie kamst Du auf Esel?

Meine kleine Schwester hatte von Eselwanderungen gehört und wollte das unbedingt machen. Ich dachte mir erstmal, was für ein Schmarrn, ich gehe eh jeden Tag in den Berg, warum sollte ich Geld für eine Bergtour mit Esel ausgeben, aber sie hat nicht locker gelassen und dann sogar ihren und meinen Freund dazu motiviert. Am Ende der Tour waren wir uns alle vier einig, dass das Erlebnis jeden Cent wert war.

Was ist das Besondere am Wandern mit Eseln?

Ich bin jemand, der immer was zu tun braucht, der immer in Bewegung ist. Selbst wenn ich im Berg bin, gehe ich rauf und runter und mach dann schon das nächste. Als wir dann mit den Eseln unterwegs waren, bin ich das erste Mal seit mindestens fünf oder sechs Jahren zur Ruhe gekommen. Die Esel geben dir ihr Tempo vor, sie sind nicht stur, wie immer gesagt wird, sondern bedacht. Als extremes Herdentier schauen sie immer auf alle anderen, reagieren sensibel auf jede Veränderung. Und wenn ein Esel reagiert, bleibt er erstmal stehen. Pferde sind Fluchttiere, die laufen, wenn etwas passiert, womit sie nicht rechnen. Esel bleiben stehen, verarbeiten die Eindrücke und wenn sich alle Esel einig sind, dass keine Gefahr besteht, gehen sie weiter. Dieses Verhalten ist genau das Gegenteil von dem, was wir sonst um uns herum erleben. Denn da die Welt immer schnelllebiger wird, tut es einfach nur gut, das Tempo rauszunehmen. Die Esel helfen, das Hamsterrad im Alltag und das Gedankenkarussell im Kopf anzuhalten.

Verbundenheit- Zu Eseln hat Tamara einen ganz besonderen Draht.

Wie kamst Du dazu, Touren mit Eseln anzubieten?

Bei der ersten Tour mit meiner Schwester kam ich mit der Veranstalterin Elke Hofmann ins Gespräch. Dass ich Soziale Arbeit und Erlebnispädagogik studiert habe, fand sie sehr spannend. Wie ich mit Tieren umgehe und mich auf sie einlasse, gefiel ihr gut. Und so hat sie mich gefragt, ob ich bei Touren aushelfen könnte. Das hat so gut geklappt, dass ich heute nicht mehr Aushilfe, sondern Geschäftspartnerin bei „Wanderwelten Chiemgau“ bin, gemeinsam bieten wir dort die Eselwanderungen an.

Wem gehören die Esel?

Inzwischen arbeiten wir mit eigenen Eseln, die bei uns auf dem Hof leben. Toni stammt von einem Bergbauernhof aus Maria Alm in Österreich, Apollo 13 aus Achthal bei Teisendorf. Elsa kauften wir von einem Tierhändler, weil Eselstuten bei uns in Bayern kaum zu bekommen sind. Und glücklicherweise war Elsa trächtig und hat Uschi bekommen. Im Hinblick auf die Namen lässt sich erahnen, dass wir große Fans von „Der Schuh des Manitu“ sind.

Bergliebe- Als „Bergfexn“ nimmt Tamara ihre Follower mit in die Berge.

Wer meldet sich zu Eselwanderungen an?

Erst einmal waren es vor allem Kinder, aber jetzt wandern alle Generationen mit. Denn das Erlebnis mit den Eseln am Berg macht einfach nur glücklich, entschleunigt und kennt keine Altersgrenze.

Mehr Infos und Bilder unter www.wanderwelten-chiemgau.de und auf Instagram: bergfexn

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