Unglück am Watzmann

Angeblicher Gaffer beschwert sich: Habe Bergung der Leiche nicht aus Neugier behindert

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Behinderten Gaffer einen Einsatz am Watzmann. So sah es zunächst aus, nun aber scheinen sich die Vorwürfe zu relativieren. 

Bei einem Bergunglück am Watzmann verlor ein 33-Jähriger sein Leben. Er fiel 100 Meter in die Tiefe und starb. Danach gab es Berichte über Gaffer beim Rettungseinsatz.

Update vom 28. August: Angeblicher Gaffer meldet sich beim BRK

Schönau am Königsee - Haben Gaffer tatsächlich die Bergung der Leiche eines 33-Jährigen am Watzmann behindert? Entsprechende Pressemitteilungen der Polizei und des Bayerischen Roten Kreuzes gingen darauf ein. Nun aber meldete sich einer der angeblich zu neugierigen Bergsteiger mit einem Gästebuch-Eintrag auf der BRK-Seite zu Wort. 

In einem ausführlichen Statement berichtet Peter U., wie er den Einsatz erlebte. Er habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass es einen tödlichen Absturz gab. Nicht aus Voyeurismus sei er mit seiner Lebensgefährtin in der Nähe des Unglücksortes geblieben, sondern weil Durchsagen unverständlich gewesen seien und er andere und sich selbst schützen wollte. 

In der Pressemitteilung ging das BRK damals auf die Beobachtung der Polizisten ein. Wörtlich hieß es: „Laut Polizei waren die Leute neugierig und zu nah an der Rinne, was den Einsatz unnötig schwierig und gefährlich gestaltete.“ Sie hätten sich zu dicht am Einsatzort aufgehalten, „so dass der Bergretter, der am Tau im Anflug war, in Gefahr geriet, durch Pendelbewegungen Unbeteiligte vom Grat zu stoßen. Die Lautsprecherdurchsagen hielten die Leute nicht davon ab, bis an den Rand der Rinne oberhalb der Einsatzstelle zu gehen.“

Peter U. entgegnet in seinem Gästebuch-Eintrag: "Während der Bergungsaktion haben wir uns mit unserem Klettersteigset gesichert und in geduckter Haltung verharrt, bis der Hubschrauber weggeflogen ist. Ein Hubschrauber der Polizei hat zirka 100 Meter vom roten Rettungshubschrauber entfernt eine Durchsage mit Lautsprecher durchgeführt, die aber für uns durch den Lärm von zwei Hubschraubern nur in Fragmenten zu verstehen war.“ Die beiden Bergsteiger hätten nur das Wort „Steinschlag“ verstanden und die Durchsage so interpretiert, „dass wir uns ruhig zu verhalten haben, da ansonsten durch möglicherweise von uns losgetretene Steine der Hubschrauber in Gefahr geraten könnte".

Erst später am Abend haben sie bei der Heimfahrt im Radio vom Unglück und den angeblich so rücksichtslosen Bergsteigern gehört. „Wir waren wie vor dem Kopf gestoßen“, schreibt Peter U. „Wir sind nicht als Gaffer am Unfallort geblieben, sondern hatten auf Basis der uns vorliegenden Informationen gar keine andere Wahl.“ Eine Umkehr wäre auch keine geeignete Option gewesen, weil beide dann ungesichert den Winden der Rotorblätter ausgesetzt gewesen wären und sich damit in Gefahr gebracht hätten.

Peter U. empfiehlt, dass statt Durchsagen durch Polizeihubschrauber in solchen Fällen besser Hinweise in „visualisierter Form“ gegeben werden sollten. Auf Anfrage der PNP erklärte die Polizei jedoch, Berggeher weiterhin mit Lautsprecherdurchsagen warnen zu wollen.

Das Bayerische Rote Kreuz erklärte gegenüber BGLand24.de*, dass es bereits Kontakt mit dem Bergsteiger aufgenommen und ihm gegenüber richtiggestellt habe, dass die Gaffer-Vorwürfe von der Polizei stammen, nicht vom Roten Kreuz. 

Den ganzen Gästebuch-Eintrag können Sie hier lesen.

Erstmeldung am 23. August: Leichen-Bergung am Watzmann - neugierige Bergsteiger stehen im Weg

Schönau am Königsee - Beim Klettern am Watzmann ist ein 33 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Berchtesgadener Land bis zu 100 Meter tief in eine Rinne gestürzt. Nach Angaben der Polizei war der Mann am Mittwoch wohl alleine unterwegs, er stürzte ohne Fremdeinwirkung ab. Er hatte offenbar kurz zuvor die Watzmann-Mittelspitze (2713 Höhenmeter) erreicht. Zwei Zeugen riefen den Notruf. 

Der Watzmann zählt mit 2713 Metern Höhe zu den höchsten Bergen der bayerischen Alpen.

Die Einsatzkräfte am Unfallort hatten nach Angaben des BRK wie bereits bei ähnlichen Einsätzen zuvor wieder das Problem, dass durch die vielen Bergsteiger auf der beliebten und stark frequentierten Überschreitung oberhalb des Patienten laufend Steinschlag drohte. „Edelweiß 4“ wies die Bergsteiger per Außenlautsprecher an, den Bereich zu verlassen und setzte einen Polizeibergführer ab, der den Bereich am Grat oberhalb der Rinne absperrte und überwachte. Laut Polizei waren die Leute neugierig und zu nah an der Rinne, was den Einsatz unnötig schwierig und gefährlich gestaltete. Sie hielten sich zu dicht am Einsatzort auf, so dass der Bergretter, der am Tau im Anflug war, in Gefahr geriet, durch Pendelbewegungen Unbeteiligte vom Grat zu stoßen. Die Lautsprecherdurchsagen hielten die Leute nicht davon ab, bis an den Rand der Rinne oberhalb der Einsatzstelle zu gehen.

Vor wenigen Wochen ereignete sich ebenfalls ein Unfall am Watzmann: „Mann stürzt an Watzmann-Ostwand ab: Spektakulärer Rettungseinsatz“

dpa/lby/sah

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