Sechs Jahre nach dramatischer Aktion

„Kehrwoche“ in der Riesending-Höhle: Die Retter und ihr Berg von Müll

Die Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser 2014 aus der Riesending-Höhle im Berchtesgadener Land war spektakulär. Was damals nicht so bekannt wurde: die Retter hinterließen fast notgedrungen jede Menge Müll in der Unterwelt. Er wurde in einer jahrelangen Aktion geborgen.

Archiv-Bild: Ein Höhlenretter seilt sich am 10.06.2014 in rund 1800 Metern Höhe am Eingang der Riesending-Schachthöhle am Untersberg (Bayern) ab. Deutschlands tiefste Höhle ist zugesperrt. Die Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden ist nach der spektakulären Rettung des Forschers Johann Westhauser mit einem massiven Stahlgitter verschlossen worden. Am 27.06.2014 gingen die Arbeiten zu Ende.

VON MARKUS CHRISTANDL

Berchtesgaden – Es waren elf Tage zwischen Hoffen und Bangen, der Rettungseinsatz in der Riesending-Höhle am Untersberg im Juni 2014. Als am 19. des Monats der verunglückte Forscher Johann Westhauser nach oben ins Licht kam, fielen sich seine Retter in die Arme, Bergwachten und Experten aus ganz Europa hatten eine nie da gewesene Mannschaftsleistung vollbracht, um das Leben eines Menschen zu retten.

Im Depot der Bergwacht wird der Müll aus der Riesending-Höhle sortiert.

Müll von rund 200 Helfern

Zurück blieb eine versperrte Schachthöhle und zentnerweise Müll von den rund 200 Einsatzkräften, die damals sich in elf Tagen mit Westhauser durch die Schachthöhle arbeiteten. Dieser Müll wurde nun eingesammelt und entsorgt. Das waren Verpackungen etwa aus Plastik, verschimmelte Essensreste, selbst zurückgelassene Bohrmaschinen, Akkus, „oder ein kaputtes Schlauchboot“, berichtet Andreas Wolf, der stellvertretende Vorsitzende vom Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher (VdHK) und in der damaligen Einsatzleitung der Bergwacht Bayern.

Geheimaktion „Sauber machen“ in der Höhle

Nun ist die Höhle wieder so sauber wie vor dem Unglück. Im September kam der letzte Müll in einem Schleifsack nach oben.

DIe Müllsammler am Höhleneingang

Während die komplizierte Rettungsaktion 2014 unter den Augen der Welt stattfand, marschierten anschließend immer wieder verschiedene Trupps nach oben zum Höhleneingang, ohne dass jemand etwas mitbekam. „Es waren fast Geheimoperationen“, sagt Wolf. Seit dem Jahr 2015 stiegen immer wieder Helfer in die Höhle ein, die bis in eine Tiefe von 1000 Meter reicht, biwakierten vier bis sechs Tage n der Höhle und sammelten im Licht der Stirnlampen Abfall ein.

2000 ehrenamtliche Stunden geleistet

Zwischen 1500 und 2000 Stunden ehrenamtliche Arbeit wurden so geleistet, von der Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt, Höhlenforscher aus Deutschland, der Schweiz, England und Tschechien. Die Bergwacht Bayern stellte auch eine Seilwinde, die die mühselige Arbeit für die „Aktion saubere Unterwelt“ deutlich erleichterte. „Alles lief ja händisch ab“, erinnert sich Wolf, „das war schon anstrengend.“ 60 bis 70 Säcke Müll, eine Tonne schwer, wurden im Team geborgen, sortiert und entsorgt. Intakte Teile, etwa persönliche Ausrüstungsgegenstände, konnten an ihre Besitzer zurückgegeben werden. 

Das Foto vom 01.07.2014 zeigt den Höhlenforscher Johann Westhauser in der Unfallklinik Murnau (Bayern). Knapp zwei Wochen nach seiner spektakulären Rettung aus der Riesending-Höhle bei Berchtesgaden könnte er die Unfallklinik verlassen.

Warum der Abfall dringend aus der Höhle musste

Das Säubern der Riesending-Schachthöhle war den Helfern ein Herzensanliegen, wissen sie doch um den fragilen Lebensraum Höhle. Abfall verunreinigt nicht nur das Grundwasser, sondern schädigt Mikroorganismen und größere Lebewesen wie Fledermäuse. Doch jetzt ist das Riesending sozusagen besenrein. Dass ein Wanderer sich reinschummelt und seinen Müll versteckt, ist unwahrscheinlich. Der Eingang, sagt Wolf, ist wieder fest verschlossen.

Rubriklistenbild: © Markus Leitner/dpa/BRK BGL

Kommentare