Benachteiligung? Flixbus droht damit, Haltestellen Rosenheim und Mühldorf zu streichen

Das Unternehmen Flixbus droht damit, die Haltestelle Rosenheim, die sich in Raubling befindet, aus dem Streckennetz zu streichen. dpa
+
Das Unternehmen Flixbus droht damit, die Haltestelle Rosenheim, die sich in Raubling befindet, aus dem Streckennetz zu streichen. dpa
  • vonJohannes Welte
    schließen

Weil die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent zwar für Fernverkehrstickets der Bahn, nicht aber für das Flixbus-Angebot gelten soll, fühlt sich das Münchner Unternehmen benachteiligt. Und überlegt nun, Haltestellen zu streichen. Unter anderem Rosenheim und Mühldorf.

Rosenheim/Mühldorf – Das Münchner Unternehmen Flixbus ärgert sich. Für die Fernverkehrstickets der Bahn wird die Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Für Flixbus nicht. Der Ferbusbetreiber fühlt sich benachteiligt.

Flixbus-Halte nicht nur in Rosenheim und Mühldorf bedroht

Dadurch würden sich die Rahmenbedingungen im Fernverkehr massiv verschieben. „Als Konsequenz müsste Flixbus das Streckennetz um vorraussichtlich 30 Prozent einschränken“, kündigt die Sprecherin Franziska Köhler an. Allein in Bayern sollen 23 Halte wegfallen.

Lesen Sie auch: ADAC fordert Steuervorteile auch für Fernbusse

Vor allem in Schwaben, Nord- und Ostbayern wären Flixbus-Stationen betroffen. In Oberbayern sind die Haltepunkte in Rosenheim, Mühldorf und Landsberg am Lech bedroht. Von Rosenheim aus werden etwa Fahrten nach Wien, Budapest, Zürich und Graz angeboten. Auch im Voralpenraum werde es eine starke Ausdünnung des Angebots geben, kündigt Köhler weiter an. Details will sie noch nicht nennen, deutete aber bereits an, dass vor allem ländliche Regionen von den Streichungen betroffen sein könnten.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

In Oberbayern gibt es weitere beliebte Haltestellen in Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald oder Schongau. Am Wochenende fährt Flixbus auch von München über Ettal, Linderhof, Oberammergau, Steingaden, Halblech und Schwangau nach Füssen und zurück.

Raubling ist eine wichtige Flixbus-Drehscheibe

Raubling bei Rosenheim ist eine Drehscheibe für Fahrten zwischen dem Balkan und München sowie Augsburg und Stuttgart. Siegsdorf, Ruhpolding, Inzell, Bad Reichenhall und Bischofswiesen werden in Richtung München angefahren.

Lesen Sie auch: Bahn günstiger, Fliegen teurer - Koalition drückt aufs Tempo

Auch die Fahrten, die in München starten, wären von der Streichung betroffen. „Wir können womöglich weniger Verbindungen zu Zielen innerhalb Deutschlands anbieten und müssten uns auf Verbindungen in Richtung Ost- und Südeuropa konzentrieren“, sagt Köhler.

Die Politik habe die Fernbusse einst ermöglicht, betont die Flixbus-Sprecherin. „Nach nur wenigen Jahren zurückzurudern und diese Entwicklung in der Fläche massiv einzuschränken, wäre schwer zu verstehen und ginge gegen eine nachhaltige Mobilitätswende.“ Laut Bundesumweltamt hätten Fernbusse sogar eine bessere Klimabilanz als Züge, argumentiert Köhler.

Flixbus mahnt steuerliche Neutralität an

Außerdem verweist sie auf ein neues Gutachten, das belege, dass eine Ungleichbehandlung von Fernbahn und Fernbus gegen den Grundsatz der steuerlichen Neutralität verstößt. „Wir werden die Mehrwertsteuerreduzierung für den Fernbus einklagen“, sagt Köhler.

Lesen Sie auch: Fernbus oder Bahn – so schneiden sie im Vergleich ab

Sogar eine Verfassungsbeschwerde sowie ein Beschwerde bei der EU-Kommission kann sich das Unternehmen vorstellen. Sollte auch die Fernbusse von einer Reduzierung der Mehrwertsteuer profitieren, würde Flixbus die Tickets günstiger anbieten und in alternative Antriebe investieren, sagt Köhler. Johannes Welte

Kommentare