HEIMATKOLUMNE

Beleidigte Leberwurst

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Herbert Schneider

Sie hieß Mareike, war vor einem Vierteljahr aus Mecklenburg-Vorpommern zugereist und verkaufte nun in einer alteingesessenen Münchner Metzgerei Wurst- und Fleischspezialitäten.

Er hieß Pföderl, Alois Pföderl, war Münchner in der vierten Generation und hatte einen Hang zum hinterkünftigen Frotzeln. Die Mareike, die gefiel dem Alois, obwohl er ihr Großvater hätte sein können. Ob sie schon etwas ins Bayerische vorgedrungen war, wollte Pföderl testen.

„Ja was kriag i denn glei“, fragte er in breitem Bairisch, „nach was steht ma da Gusto?“ Mareike schaute leicht verunsichert. Einen Gusto hatte sie nicht im Angebot. „Wissens was“, fuhr Pföderl fort, „gebns ma fürs Erste hundert Gramm beleidigte Leberwurscht.“ Mareike, fast selber beleidigte Leberwurst: „Tut mir leid, dergleichen führen wir nicht, bloß grobe und feine Leberwurst.“ Pföderl unterdrückte ein Grinsen. „Beleidigte Leberwurscht ghört zu de bayerischen Extrawürscht, hams mi? Dass Sie de net ham? Aber guat, dann gebns ma halt an aufblasna Schweinskopf!“ Jetzt schaute Mareike drein wie ein Schwaiberl, wenns blitzt. „Sie meinen wohl Schweinskopf-Sülze“, rätselte sie. „Naa, naa“, erwiderte Pföderl, „i moan scho aufblasana Schweinskopf.“ „Und was soll das sein?“ Auf die naheliegende Erklärung „ Am besten schauns mi o!“ kam Pföderl natürlich nicht. Vielmehr setzte er seine fleischlichen Irrfahrten munter fort: „Aufblasna Schweinskopf hams oiso aa net. Dann gebns ma halt in Goodsnam oanahoib Pfund von am Muadakaiwe, oder halt, liaba von am Gmoastier, des gibt a vui kräftigere Suppn.“ Mareike starrte ihn mit offenem Mund an, und er konnte ihre prachtvollen weißen Beißerchen bewundern.

Doch Pföderl gab noch immer keine Ruhe: „Alles Fehlanzeige? Und des soll a Metzgerfachgeschäft sei? Dann gebns ma wenigstens a halberte gschupfte Henna.“ Jetzt machte Mareike auf dem Absatz kehrt und stürzte in den Nebenraum, in dem die Frau Zirngibl, die Frau des Metzgermeisters, mit einem handlichen Beil Kalbsknochen zerteilte. „Chefin“, flehte Mareike, „kommen S‘ bitte mit nach vorn, da verlangt einer Sachen, die ich noch nie gehört hab!“ „Ja, des is ja da Herr Pföderl“, sagte die Frau Zirngibl, in den Laden tretend, „und den Herrn vastehst du net? Was derfs denn sei, Herr Pföderl?“ Alois grinste jetzt unverhohlen. „A Viertlpfund beleidigte Leberwurscht hätt i wolln, und, weils de wieda amoi net habts, hab i halt andere Spezialitäten verlangt, aber damit wars dann wieda Essig.“

„Sie san ma aba aa oana“, rügte ihn Frau Zirngibl. „Wia kennans denn des arme Hascherl so daschreckn! Sie wissen doch genau, dass de in am Bruderland im Norden aufgwachsen is.“ „Eher scho in am Schwesterland“, meinte Pföderl mit einem anerkennenden Blick auf den stattlichen Zuwachs. „Also dann, nix für unguat, Frein Mareike, i hab eahna ja bloß a bissI Unterricht im hiesign Deitsch erteilen wolln. Und jetzt gebns ma bittschön, aber, wirkli, hundert Gramm grobe Land-Leberwurst und a Viertlpfund…“

„…Ochsnmaulsalat daad Eahna aa net schlecht zu Gesicht steh“, warf hier die Zirngiblin ein, worauf Pföderl kein bisschen ausrastete, vielmehr geschmeichelt lächelte und Mareike zunickend den Vorschlag bestätigte.

Endlich fühlte er sich voll verstanden.

Maßgeschneidert

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unser Turmschreiber

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