„Bei uns reicht es für alle“

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Die Tafeln sind in vielen Orten Bayerns etablierte Anlaufstellen für Bedürftige – ganz gleich, welcher Herkunft. Nach dem umstrittenen Aufnahmestopp für Ausländer bei der Tafel Essen blicken wir auf die Region: Die Helfer haben Wege gefunden, um ähnliche Konflikte zu vermeiden.

Die Tafeln und die Flüchtlinge

von Josef Ametsbichler

München – „So nicht!“ – Wenn einer ihrer Kunden sich nicht an die Regeln hält, greift Eva-Maria Muche durch. Die Leiterin der Weilheimer Tafel gilt schon mal als „die böse Frau an der Türe“, ob ihres resoluten Auftretens, mit dem sie durchsetzt, dass es bei der Lebensmittelausgabe gerecht zugeht. „Bei uns reicht es für alle“, sagt Muche, bemängelt aber einen „gewissen Futterneid“, unter dem manchmal der Umgangston leide. Die Banane ohne Druckstellen, den Joghurt, der drei Tage länger haltbar ist: „Ich will das Beste“, sei die Devise vieler Kunden. „Nationenübergreifend.“

Ja, manche Flüchtlinge hätten Schwierigkeiten, sich an die Reihenfolge zu halten, gerade wenn sie nicht lesen können oder ein anderes Ziffernsystem benutzen. Ja, es gebe Russlanddeutsche, die manchmal ausfallend gegenüber den Ehrenamtlichen und den Flüchtlingen würden. Doch Verhältnisse wie in Essen, wo die Helfer sich nur noch mit einem Aufnahmestopp für Ausländer zu behelfen wussten – „bei uns nicht!“, sagt Muche. Wer mit ihrem resoluten Auftreten – allzu forsche Kunden müssen auch mal ohne Essen abziehen – und der klaren Reihenfolge bei der Ausgabe nicht zurechtkomme, brauche auch nicht zu kommen. „Wir bieten eine freiwillige Leistung.“ So sei der Frieden gesichert – und auch die Alteingesessenen bekämen genug ab.

Die Ausgabestellen der Tafeln sind ein soziales Spannungsfeld. Hier treffen Menschen aufeinander, die wenig haben. Rentner, Alleinerziehende, Arbeitslose – und meist gut zur Hälfte Migranten und Asylsuchende. Wenig haben sie alle: Ein jährlicher Einkommensnachweis ist quasi überall Pflicht. Wenn dann die Tomaten oder Äpfel knapp werden, besteht die Gefahr, dass sich die Bedürftigen gegeneinander ausgespielt fühlen. Doch die Reibereien halten sich im Freistaat in Grenzen, berichtet Reiner Haupka vom Dachverband „Tafel Bayern“. Auch dank organisatorischer Kniffe.

Wie bei der Tafel Fürstenfeldbruck. Dort sei gerade Gemüse Mangelware, erzählt die Leiterin, Hedwig Früchtle. „Aber bei uns drängelt niemand, höchstens, wenn die Leute herein ins Warme wollen.“ 150 Abholer kommen jede Woche zur Lebensmittelausgabe. Jeder hat einen farbigen Punkt auf seinem Ausweis, mal darf die rote Gruppe zuerst, mal die blaue, mal die grüne. Laut Früchtle klappt das.

Eine andere Lösung: Verschiedene Ausgabetage für Einheimische und Flüchtlinge. Darauf setzt zum Beispiel die Tafel in Freising. „Bei uns hat es nie Konflikte gegeben“, betont der Leiter, Peter Bach. Weil die langen Wartezeiten aber für die Abholer „unzumutbar“ geworden seien – im Winter habe man Wolldecken an die Wartenden ausgeben müssen–, habe man sich aus praktischen Gründen für die Aufteilung entschieden. „Moslems wollen ohnehin ein etwas anderes Sortiment“, sagt Beck.

In Bad Aibling, Kreis Rosenheim, hat man sich für die gleiche Lösung wie in Freising entschieden – aus anderem Grund. Von einem „versteckten Gefühl, dass sich die Alt-Kunden benachteiligt fühlten“, berichtet Winfried Summerer von der Aiblinger Bürgerstiftung, die bei der Tafel als Träger agiert. Dank der Zwei-Tage-Regelung und einer engen Kooperation mit örtlichen Supermärkten und anderen Tafeln sei genug für alle da. „Wir haben wenige unzufriedene Kunden“, sagt Summerer.

Die Helfer eint die Kritik an der Hilfe aus der Politik. „Die sagen sich: Das Ehrenamt macht das schon“, sagt die Fürstenfeldbruckerin Hedwig Früchtle. Bitten um finanzielle Hilfe würden aus dem Sozial- oder Finanzministerium mit langen Dankesschreiben beantwortet – und endeten mit einer Absage, erzählt Reiner Haupka von „Tafel Bayern“. Der Freisinger Peter Bach äußert daher Verständnis für die Ehrenamtlichen der Tafel Essen: „Die standen unter Zwang, eine Lösung zu finden.“ Die Notmaßnahme sei aber „schlecht verkauft worden“.

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