Gut behütetes Schloss

  • schließen
  • Weitere
    schließen

In Neuburg dreht sich an diesem Wochenende alles um Hüte. Jedes Jahr findet dort eine große Hut-Schau statt. Als Ute Patel-Mißfeldt die Veranstaltung 1999 erstmals organisierte, wollte sie verhindern, dass Hüte aussterben. Doch diese Befürchtung hat sie längst nicht mehr.

115 Aussteller in Neuburg

Von Andrea Hammerl

Neuburg – Ute Patel-Mißfeldt leistet jeden Tag einen persönlichen Beitrag dafür, dass Hüte nicht aussterben: Sie geht nur selten ohne Hut aus dem Haus. Aber sie trägt nicht nur gerne Hüte, sie beschäftigt sich auch gerne mit ihnen. Vor zwei Jahrzehnten hat sie im Schloss in Neuburg an der Donau erstmals eine große Hutschau organisiert. Angefangen hat alles mit sechs Modisten (Modisten fertigen Kopfbedeckungen aller Art, es ist ein anerkannter Ausbildungsberuf). „Ich wollte damals einem alten Handwerk wieder auf die Füße helfen“, sagt sie. Und sie hatte den Wunsch, dass Frauen wieder öfter Hüte tragen. Seit 1999 findet die Hut-Schau jedes Jahr statt – und ist eine riesengroße Veranstaltung geworden.

115 Aussteller kommen an diesem Wochenende nach Neuburg – aus ganz Deutschland, Holland, Belgien, Bulgarien, Spanien, Israel und sogar Ecuador. Sie präsentieren mehr als 15 000 Hüte in allen Variationen und dazu außergewöhnliche Accessoires. Das teuerste Stück ist ein handgefertigter Panama-Hut für 30 000 Euro. Ein echter Panama-Hut bietet einen 80-prozentigen UV-Schutz, erklärt Ute Patel-Mißfeldt.

Der Schutz vor Witterungen, besonders vor Sonne, ist die Hauptfunktion eines Hutes, erklärt sie. Besonders zur Biedermeier-Zeit, als weiße Haut als Schönheitsideal galt, waren Hüte deshalb sehr beliebt. „Aber schon im Mittelalter war der Hut Statussymbol und Erkennungsmerkmal“, berichtet die 77-Jährige. Und in Ländern mit Königshäusern kamen sie sowieso nicht aus der Mode.

Ginge es nach Ute Patel-Mißfeldt, sollten alle Menschen Hüte tragen. „Es gibt kein falsches Gesicht für einen Hut“, sagt sie. „Es gibt nur falsche Hüte.“ Der passende Hut ändere nicht nur die Haltung, sondern erhöhe auch das Selbstbewusstsein. Und er hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt, erklärt Patel-Mißfeldt mit einem Augenzwingern. „Er lenkt von den Falten am Hals ab.“ Sie bekomme immer noch Komplimente für ihr Aussehen, berichtet sie. „Obwohl ich bald 80 werde.“

Sie ist nicht die Einzige, die eine Leidenschaft für Hüte hat. Seit einigen Jahren befindet sich das alte Handwerk in Deutschland wieder im Aufwind, sagt sie. Immer mehr Modisten erzählten Ute Patel-Mißfeldt, dass sie vom Hutmachen wieder leben können, berichtet sie. In den 1970er-Jahren sah es anders aus in Deutschland, damals war der Hut etwas in Vergessenheit geraten. Patel-Mißfeldt führt das auf Bequemlichkeit zurück. „Frauen hatten vielleicht auch Sorge, zu sehr aufzufallen.“ Bei Männern hingegen seien Hüte nie ganz aus der Mode gekommen, sagt sie. Das beweist ihr auch ihre Hut-Schau jedes Jahr aufs Neue: „40 Prozent der Besucher sind Männer.“

„Mut zum Hut“

Die Hutschau ist heute von 17 bis 22 Uhr im Schloss Neuburg zu sehen, Samstag von 10 bis 20 Uhr und Sonntag von 10 bis 19 Uhr. Weitere Infos unter www.mutzumhut.de.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare