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In der Rente zum Doktortitel

Bayerns ältester Doktorand: Hannes Steinthaler erwirbt Titel mit 77 Jahren

Herausforderung abgeschlossen: Hannes Steinthaler hat mit 77 promoviert.
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Herausforderung abgeschlossen: Hannes Steinthaler hat mit 77 promoviert.

Er hätte auch den ganzen Tag „garteln“ oder sich einfach zurücklehnen können. Aber Hannes Steinthaler hat als Rentner lieber eine Doktorarbeit angefangen – und die Sache durchgezogen.

Rödental/München – Mit 77 Jahren promovierte er und wurde damit zu einem der ältesten Doktoranden Bayerns. „Ich wollte früher wissenschaftlich arbeiten und hab’s nicht verstanden“, sagt er. „Jetzt kann ich über mein Leben sagen: Es ist abgeschlossen.“ 

Steinthaler nahm sich ein zu seiner Lebensphase passendes Thema vor: Wie geht erfolgreiches Altern? Eine seiner Erkenntnisse: Wer in fortgeschrittenen Jahren zufrieden ist, hat die Grundlage dafür lange vorher gelegt. „Altern ist ein Produkt des vorhergehenden Lebens.“ Sofort nach dem Renteneintritt 2010 legte er nicht los. Vielmehr zog Steinthaler mit seiner Frau Ute von Niederbayern nach Rödental in Oberfranken. „Ich hab mich erst regenerieren müssen, weil ich einen harten Job hatte.“

„Mir hat das gefallen und imponiert“

Was ihn aber beschäftigte: Bei vielen sei im Rentenalter von der Kompetenz, in einem positivem Sinne alt zu werden, wenig zu spüren. Das wollte er wissenschaftlich angehen. Über seine Frau, die selber im Erwachsenenalter noch ein Bachelorstudium in Integrativer Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg absolvierte, landete Steinthaler beim Professor für Gesundheitswissenschaften Niko Kohls.

„Mir hat das gefallen und imponiert“, sagt Kohls. Hochschulen hätten die Verantwortung, die gesamte Spannbreite der Gesellschaft abzubilden. Gerade bei der Forschung und Interviews mit Älteren komme sicher noch eine andere Ebene zum Tragen, wenn der Wissenschaftler beim Alter „im gleichen Boot“ sitze.

Sein Klingelschild hat Steinthaler um den „Dr.“ ergänzt.

Laut dem Wissenschaftsministerium machen im Schnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte in Bayern pro Jahr weniger als fünf Menschen über 70 ihren Doktor. Die älteste von ihnen war 83. 2020 wurden im Freistaat 4654 Promotionen abgeschlossen. Die Doktoranden waren im Schnitt 31,8 Jahre alt. 

Interesse steigert das Durchhaltevermögen

Steinthaler führte für seine Dissertation qualitative Interviews mit alten Menschen und betrieb ausführlich Literaturrecherche. Heraus kam eine Arbeit von mehr als 200 Seiten. Fünf Jahre arbeitete Steinthaler daran, dann schloss er an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab. Sein persönliches Interesse sei wichtig gewesen, berichtet der spät berufene Forscher. „Das steigert das Durchhaltevermögen, ich will ja die Antwort bekommen.“ Sein Alter sei für ihn in mancher Hinsicht ein Vorteil gewesen: „Ich war unabhängig“, sagt er. „Luxus pur.“ 

Geboren wurde Steinthaler in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. „Ich bin betteln und stehlen gegangen“, erzählt er. 1965 machte er Abitur, studierte erst Lehramt, später Psychologie, machte in der freien Wirtschaft Karriere. Mit seiner Frau bekam er drei Söhne. Auch für sie habe er die Arbeit durchgezogen. „Ich wollte ihnen immer zeigen: Nie den Kopf in den Sand stecken!“ Dass er es in dem Alter geschafft habe, mache ihn stolz. Er werde seinen Titel jedoch auch nicht vor sich hertragen. Gerade schreibt er an einem Ratgeber. Außerdem plant er ein „Senioren-Kolloquium“, in dem er Erwachsenen die Erkenntnisse seiner Arbeit näherbringen will. „Ich hoffe, dass ich eine Initialzündung geben kann.“ 

Iby