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Ausbau von Solarenergie

Bayern will die Sonne ernten – und riskiert Ärger

Solarpark Sonne PV
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In vielen Kommunen quer durch Bayern wachsen auf landwirtschaftlichen Flächen gerade statt Mais und Weizen die schwarzen PV-Module empor. (Symbolbild)
  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
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In vielen Kommunen quer durch Bayern wachsen auf landwirtschaftlichen Flächen statt Mais und Weizen schwarze PV-Module empor. Dabei wird auch die vom Bund eingeräumte Möglichkeit genutzt, Solarparks auch in sogenannten landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten zu ermöglichen. Doch beim Ausbau der Solarenergie gibt es immer wieder Widerstand.

München/Gilching – Thomas Tronsberg kommt, natürlich, mit dem Tesla zum Ortstermin am neuen Solarpark in Gilching. Alles andere als ein E-Auto wäre auch irgendwie unpassend für einen, der Photovoltaik-Anlagen plant und für die Energiewende trommelt. So wie hier in Gilching im Kreis Starnberg, wo Tronsberg mit seinem Geschäftsführerkollegen Robert Sing für die Sonnenenergie Gilching GmbH & Co. KG entlang der Lindauer Autobahn auf einer Fläche von 14 Hektar 35 883 PV-Module montieren ließ. Am Freitag, 29. Juli, geht die Anlage ans Netz.

Mit dem Jahresertrag von rund 17,8 Millionen Kilowattstunden Strom könnte Tronsberg mit seinem Tesla ungefähr 2400 Mal um die Welt fahren. Oder – etwas realistischer – 4400 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Das letzte Wort bei der Planung haben die Kommunen

In vielen Kommunen quer durch Bayern wachsen auf landwirtschaftlichen Flächen gerade statt Mais und Weizen die schwarzen PV-Module empor. Entlang von Autobahnen und Bahngleisen erlaubt das Erneuerbare-Energien-Gesetz den Bau solcher Freiflächenanlagen. Dazu hat Bayern die vom Bund eingeräumte Möglichkeit genutzt, Solarparks auch in sogenannten landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten zu ermöglichen – also auf Flächen, die beispielsweise einen unterdurchschnittlichen Ertrag liefern oder schwer zu bewirtschaften sind.

Ende 2020 waren in Bayern nach Angaben des Wirtschaftsministeriums rund 2200 PV-Freiflächenanlagen installiert, mit einer Gesamtleistung von rund 4 Gigawatt. Damit wurden etwa 5,2 Prozent der bayerischen Stromerzeugung gedeckt. Nimmt man die Solaranlagen auf Dächern dazu, sind es gut 17 Prozent. Geht es nach Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (FW), soll die PV-Leistung auf Dächern und Freiflächen bis 2030 verdreifacht werden, um bei der Energiewende voranzukommen (siehe Interview unten). Doch das letzte Wort bei der Planung haben die Kommunen. Und vor Ort regt sich regelmäßig Widerstand.

So platzte im Frühjahr der Plan zweier Landwirte aus Dietramszell (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) für eine zehn Hektar große Photovoltaik-Freiflächenanlage im Ortsteil Manhartshofen. Anwohner hatten die Planungen massiv kritisiert und den Brüdern die Zerstörung der Landschaft vorgeworfen. Nach anhaltenden Protesten zogen die beiden ihren Antrag zurück. Die Familie wolle sich dieser psychischen Belastung nicht aussetzen, hieß es. Im Frankenwald gab es bei einem Bürgerentscheid erst dann eine knappe Mehrheit für den Bau eines großen Solarparks, als Gemeinde und Planer bei der Fläche kräftig abspeckten. Der Protest der Nachbargemeinden blieb. Hoher Flächenverbrauch, Verschandelung der Heimat, schneller Profit in fremde Taschen – das sind die Vorwürfe, die immer wieder aufkommen, wenn neue Projekte vorgestellt werden.

Auch der Bauernverband hat mitunter Bauchschmerzen

Nicht nur mancher Anwohner, auch der Bauernverband hat mitunter Bauchschmerzen beim Bau von Solarparks auf dem Acker. In einem Positionspapier heißt es: Ja, Photovoltaik und dezentrale Energieversorgung müssten ausgebaut werden. Aber vorrangig auf nichtlandwirtschaftlichen Nutzflächen –weil da ohnehin pro Jahr mehrere tausend Hektar verloren gehen. Tatsächlich sind sich die Bauern da weitgehend mit dem Bund Naturschutz einig: „Wir sollten erst auf die bereits versiegelten Flächen gehen“, sagt BN-Energiereferent Michael Remy. „Aber“, fügt er hinzu, „um bei der Energiewende voranzukommen, wird es nicht ohne die Freiflächen gehen – weil wir dort schnell und kostengünstig ausbauen können.“ 

Warum das Gilchinger Projekt Erfolg hatte

Beim Gilchinger Solarpark habe sich der Widerstand in Grenzen gehalten, sagt Thomas Tronsberg, während er zwischen den Metallgerüsten für die Module entlangspaziert. Er glaubt, dass das auch am Geschäftsmodell liegt. „Wir sind nicht der klassische Entwickler, der baut und dann wieder weg ist.“ Die Planer sind zudem nur zu einem kleinen Teil an der Betreiberfirma beteiligt. Der größte Teil geht an die zehn Landwirte, denen die Flächen entlang der Autobahn gehören. Und 30 Prozent gehen an die Gemeindewerke Gilching. „So hat jeder in der Gemeinde was von dem neuen Projekt“, sagt Tronsberg. Andere Kommunen wählten zum Beispiel das Modell einer Bürgergenossenschaft. „Aber dann profitieren nur diejenigen, die auch investieren“, sagt Tronsberg. „Deswegen halte ich den Gilchinger Weg für die loyalste Methode.“

Gilchings Bürgermeister Manfred Walter lobte das Projekt als „Meilenstein“ für die Gemeinde. Doch nicht immer reagieren die Bürgermeister so euphorisch, wenn Solarparkplaner bei ihnen anklopfen, wie Tobias Mader berichtet. Er ist Geschäftsführer der Volllast GmbH in Schwabsoien, die Freiflächenanlagen plant. Er sagt: „Wir könnten viel schneller sein bei der Energiewende.“ Doch wenn er und seine Mitarbeiter mit Vorschlägen für geeignete Flächen an die Kommunen herantreten, werde oft abgewiegelt. „Da kommen dann Totschlagargumente wie: Die Anlage darf nur so gebaut werden, dass sie von Wohngebäuden aus nicht zu sehen ist.“ Solche kaum zu erfüllenden Kriterien ärgern ihn genauso wie die vielen bürokratischen Hürden – und der pauschale Vorwurf, die Projektentwickler seien nur profitgierige Heuschrecken. „Am liebsten wäre manchen wohl, wir bauen Solarparks auf der Rückseite vom Mond.“ Argumentiert werde mit dem sozialen Frieden in der Gemeinde. „Aber mit dem sozialen Frieden wird es schnell vorbei sein, wenn im Frühjahr die Nebenkostenabrechnung kommt – und wir bei der Energiewende nicht vorankommen“, sagt Mader. 

Natürlich sind die Solarparks bei dem aktuell überhitzten Strommarkt ein gutes Geschäft. „Ja, wir profitieren von den hohen Strompreisen“, sagt Thomas Tronsberg. Trotzdem hofft er, dass die Preise sich so bald wie möglich wieder erholen. „Es wäre Gift für Deutschland, wenn die Energiekosten dauerhaft so hoch bleiben.“ Der Ukraine-Krieg habe vielen die Augen geöffnet. „Man muss die vielen neuen Solarparks nicht schön finden“, sagt Tronsberg. Aber sie seien eben ein Puzzlestück, um sich energiepolitisch unabhängiger zu machen. „Jeder hat eine Steckdose daheim. Und da soll auch was rauskommen.“ Egal ob für den Tesla – oder den Teekocher.

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