Bayern rüstet sich für die Seuche

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Wildschweine können die Schweinepest verbreiten. Die Furcht davor ist groß. Foto: dpa

Die Afrikanische Schweinepest ist in Westeuropa angekommen. Nach neun Fällen in Belgien sollen dort nun tausende Tiere getötet werden. Bayerns Bauern sind alarmiert – in den Landkreisen laufen die Vorbereitungen für den Ernstfall.

Afrikanische Schweinepest

von DOminik Göttler

München – Es ist ein Szenario, das in Bayern um jeden Preis verhindert werden soll: Nach mittlerweile neun bestätigten Fällen der Afrikanischen Schweinepest in der südbelgischen Region Wallonien wurde ein 63 000 Hektar großes Sperrgebiet eingerichtet. Auch wenn die Tierseuche dort bislang ausschließlich bei Wildschweinen nachgewiesen wurde, sind die Schweinehalter gleichermaßen betroffen. Rund 4000 Tiere in 58 landwirtschaftlichen Betrieben sollen vorsorglich getötet werden. An einem entsprechenden Erlass arbeite das Landwirtschaftsministerium, berichteten belgische Medien.

Entscheidungen wie diese lassen auch Bayerns Schweinehalter bangen. „Die Verunsicherung ist groß“, sagt Johann Ertl, Referent für Tierhaltung im Bayerischen Bauernverband. Die Landwirte wissen: Wenn die Afrikanische Schweinepest in ihrer Region auftaucht, drohen auch hier Notschlachtungen. Und vor allem ein massiver Einbruch im Schweinefleischmarkt. Denn der Fall Belgien zeigt: Ist die Seuche einmal ausgebrochen, reagieren viele Staaten mit einem unmittelbaren Importstopp. Darunter China, Südkorea und die Philippinen, die in Summe rund die Hälfte der Schweinefleisch-Exporte der EU in Drittstaaten abnehmen. In Europa eher schwer verkäufliche Schweinestücke wie Ohr, Kopf und Pfote gelten dort als Delikatesse. Der Importstopp gilt für das ganze Land. Heißt: Selbst wenn in Schleswig-Holstein ein verseuchtes Wildschwein gefunden wird, nimmt China kein bayerisches Schweinefleisch mehr ab.

Noch gravierender wird es für die Schweinezüchter, deren Betrieb in der Sperrzone liegt, die nach einem ASP-Fall errichtet werden muss. Zwar sind Notschlachtungen durch die Tierseuchenkasse abgesichert. Aber in ein Sperrgebiet dürfen weder Tiere raus noch rein. „Das ist für Ferkelzüchter, die ihre Schweine nicht selbst mästen, ein massives Problem“, sagt Ertl. Der Nachwuchs kommt schließlich trotzdem – und irgendwann ist der Stall voll. Um für den Seuchenfall gerüstet zu sein, hat das bayerische Umweltministerium einen 75-seitigen Rahmenplan an die Landratsämter verschickt. „Im Ernstfall muss jeder seine Rolle kennen“, sagt Umweltminister Marcel Huber (CSU). Noch diese Woche sollen die Behörden ein angepasstes Merkblatt für verschiedene Zielgruppen in 15 Fragen zur Verfügung gestellt bekommen. Aber es geht nicht nur darum, dass jeder weiß, was zu tun ist, wenn ein – für den Menschen übrigens ungefährlicher – ASP-Fall auftritt. Huber sagt: „Für uns gilt als Erstes: Intensive Präventionsmaßnahmen sollen verhindern, dass die Tierseuche in Bayern überhaupt ausbricht.“ Die Veterinärämter sind bereits tätig. So wurde im Landkreis Fürstenfeldbruck kürzlich diskutiert, wo zusätzliche Verwahrstellen für verendete Wildschweine eingerichtet werden sollen. Warnschilder für den Ernstfall werden ebenfalls bereits gedruckt. Der Kreis Mühldorf am Inn nimmt an Tierseuchenübungen teil, um zu simulieren, wie die Errichtung einer Pufferzone abläuft. Und selbst ein Landkreis wie Miesbach, in dem es so gut wie keine Schweinemastbetriebe und auch kaum Wildschwein-Populationen gibt, sorgt vor. Quer durch den Landkreis führt die viel befahrene A8. „Die Gefahr, dass der Erreger entlang der Reiserouten verschleppt wird, ist groß“, sagt eine Sprecherin des Landratsamtes. „Entlang der Autobahn wurden deshalb spezielle Abfallbehälter angebracht, in der Wurst- und Fleischreste sicher entsorgt werden können.“

Denn das ist die Hauptsorge der Veterinäre: Dass der Erreger vom Menschen eingeführt wird, zum Beispiel in Rohwurst, die dann über Umwege im Magen einer Wildsau landet. Auch der Bayerische Jagdverband hat seine Mitglieder sensibilisiert. „Unsere Jäger haben so viel Schwarzwild erlegt wie noch nie“, sagt Verbandssprecherin Gertrud Helm. „Außerdem raten wir von Jagdreisen nach Osteuropa im Moment ab.“ Die Gefahr sei groß, dass der Erreger sonst eingeschleppt wird. Wie die Schweinepest nach Belgien gelangte, ist ungeklärt.

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