VdK Bayern: In 70 Jahren vom Kriegsopfer- zum Sozialverband

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Gratulanten: Münchens OB Dieter Reiter, VdK-Mitglied und Paralympics-Siegerin Verena Bentele, Landesvorsitzende Ulrike Mascher und Ministerpräsident Horst Seehofer. foto: haag

München – Mehrere Reden hatten schon die Aufmerksamkeit der Besucher im Saal des Nymphenburger Schlosses beansprucht.

Doch beim gestrigen Fest des VdK Bayern zum 70-jährigen Bestehen fesselte dann eine 93-Jährige die Zuhörer. Elise Dentel setzte an, um von ihrer Geschichte zu erzählen. 1947 hat sie im mittelfränkischen Ipsheim einen VdK-Ortsverband gegründet, ein Jahr nach der Gründung des VdK in München. Ihr Mann galt als im Krieg verschollen, wurde nicht für tot erklärt. Elise Dentel erhielt daher vorerst keine Witwenrente. „Wir haben den VdK gebraucht und er uns“, sagt sie. „Es war ein Zusammenarbeiten und Zusammenstehen.“

Als junge Mutter war sie damals ein Kriegsopfer und fand Hilfe beim VdK. Über die Jahrzehnte hat sich der Verband für Kriegsopfer aber inzwischen zu einem Sozialverband entwickelt, der sich vor allem um die Belange von Behinderten, chronisch Kranken, Rentnern und Arbeitnehmern kümmert. Mit 660 000 Mitgliedern in Bayern und bundesweit 1,7 Millionen hat der Sozialverband auf die Politik einigen Einfluss, wie Ministerpräsident Horst Seehofer aus eigener Erfahrung berichtete. Beim Bundesteilhabegesetz, das die Selbstbestimmung für Behinderte stärken soll, „hat der VdK in sehr beeindruckender Form Forderungen vorgebracht“. Aufgrund der sachlichen Argumentation des Sozialverbands habe die Berliner Politik sehr wohlwollend reagiert, sagte Seehofer. Er selbst war 2005 für sieben Monate Vorsitzender des VdK Bayern, ehe er Bundesminister wurde. Unter allen Ämtern, sagte Seehofer, „war die VdK-Zeit die schönste für mich“. Über seine Nachfolgerin im Amt, Ulrike Mascher, sagte er: „Ich hatte wenige so glückliche Momente in meinem Leben als der Moment, in dem sie sich zu meiner Nachfolge bereit erklärt hat.“ Und dabei ist sie eine SPD-Politikerin. Mit einem amüsierten Hinweis auf die derzeitige Nachfolge-Diskussion in der CSU fügte er hinzu: „Es ist ja nicht so einfach, Nachfolger zu finden.“ Seine Nachfolgerin beim VdK, da waren sich alle Redner einig, macht ihre Sache außerordentlich gut.

Doch Ulrike Mascher war nicht gekommen, um sich Lobesreden anzuhören. Sie kritisierte den Zustand in der Pflege. „Angesichts fehlender Pflegestützpunkte in Bayern ist das Recht der Bürger auf unabhängige Information und Beratung nicht verwirklicht.“ Außerdem fehle es an Tages- und Kurzzeitpflegeplätzen. „Hier werden wir nicht lockerlassen“, kündigte Mascher an. Der VdK will seinen Kampfgeist beibehalten – wie früher bei Kriegsopfer-Demonstrationen, aber auch mit Aktionen bei jüngsten Bundestagswahlen. Für die anstehende Bundestagswahl lautet die Aktion des VdK „Soziale Spaltung stoppen“. VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder betonte: „Wir wollen wachsen und bekannter werden.“ Bis 2020 sollen es 700 000 Mitglieder sein.

Sebastian Raviol

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