Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Kritik von außen – Staatsregierung verteidigt Beschluss

Bayern öffnet seine Baumärkte – bei langsam wieder ansteigenden Corona-Fallzahlen

Ein Kunde schiebt in Darmstadt seinen Einkaufswagen durch einen Baumarkt. Wie so viele Branchen haben auch die Baumärkte einen mächtigen Konkurrenten: das Internet. Foto: Uwe Anspach
+
Ab 1. März sollen sich die Baumärkte in Bayern wieder mit Kunden füllen. Die Freude darüber hält sich bei den Nachbarn in Baden-Württemberg in Grenzen.

Die Corona-Zahlen stagnieren in Bayern bestenfalls. Mancherorts steigen sie. Dennoch gibt die Staatsregierung dem öffentlichen Druck nach und öffnet am 1. März unter anderem die Baumärkte. Das mit besseren Werten stillhaltende Baden-Württemberg befürchtet nun Einkaufstourismus.

München (dpa/lby) – Ungeachtet der Entwicklung bei den Corona-Infektionen lockert Bayern die Schutzmaßnahmen. Vom kommenden Montag (1. März) an können Kunden ganz regulär wieder in Baumärkten und Gartencentern einkaufen, sich beim Friseur die Haare und im Nagelstudio die Fingernägel schneiden lassen. Das beschlossen Ministerpräsident Markus Söder und seine Minister bei ihrer jüngsten Besprechung.

Mancherorts in Bayern die Schulen nach einem Tag wieder geschlossen

Von den Nachbarn aus Baden-Württemberg kam umgehend Kritik. Man sei irritiert angesichts der Kehrtwende in Bayern, sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet der dpa in Stuttgart. «Bisher war er immer der harte Hund, jetzt fängt er an, eine Sache nach der anderen Sache zu öffnen», sagte Hoogvliet. «Ich weiß nicht, was das soll.» Die Baumärkte waren wie die Geschäfte vieler anderer Branchen im Lockdown geschlossen worden.

Lesen Sie auch:

Diese Rosenheimerin darf ihr Brautmodegeschäft nicht öffnen, aber Kollegen in Regensburg dürfen

Söder selbst hatte vor einer schnellen Öffnung von Geschäften gewarnt, vor allem wegen der zunehmend grassierenden, ansteckenderen Virus-Mutationen. In Nürnberg hatten etwa die Schulen nur einen Tag nach der Öffnung am Montag wieder schließen müssen, weil die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner auf über 100 gesprungen war und eine Linderung in den nächsten Tagen nicht in Sicht ist. Der Ministerpräsident hatte aber auch erklärt, es müsse dort deutliche Erleichterungen geben, wo die Inzidenz stabil unter 35 bleibt.

Wirtschaftsminister Aiwanger fordert sogar weitreichendere Öffnungen

Bayerns Wirtschaftsminister und Freie-Wähler-Parteichef Hubert Aiwanger verlangte sogar, Ostern müsse die Öffnung von Hotels möglich sein, sofern die Gäste einen negativen Corona-Test vorlegen könnten. «Hier muss Richtung Ostern eine Perspektive kommen», sagte Aiwanger. Trotz aller Schwierigkeiten in der Pandemie sehe er positive Signale.

Lesen Sie auch:

Zur Beerdigung in Quarantäne: Über die Schwierigkeit von Trauerarbeit in Corona-Zeiten

Bayerns Staatskanzlei-Chef und Corona-Koordinator Florian Herrmann (CSU) verteidigte die Öffnung der Baumärkte, die an Hygienekonzepte gebunden sei und nur eine bestimmte Zahl von Kunden pro Quadratmeter Verkaufsfläche vorsehe als «lebensnahe Entscheidung». Wenn die Gartenabteilungen geöffnet werden dürften, der Rest der Baumärkte aber nicht, werfe das Fragen auf.

Unklare Tendenz bei Corona-Zahlen in Bayern

Neben Bau- und Gartenmärkten, Gärtnereien, Baumschulen sowie Angeboten körpernaher Dienstleistungen wie Friseur, Kosmetik und Maniküre wird in Bayern auch der Einzelunterricht an Musikschulen wieder möglich. Dies gelte allerdings nur dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche unter 100 liege. Der Freistaat übernimmt auch im März die Kindergartengebühren für Eltern, die ihre Kinder nicht in die Kita schicken wollen, beschloss das Kabinett zudem.

Lesen Sie auch:

Impfzentrum Rosenheim: Impfwillige müssen Schlangestehen bei Frost und Frühlingssonnne

Am Dienstag lag der landesweite Schnitt bei der Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut bayernweit bei 57,8 und damit leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Allerdings schwankt die Zahl der Neuinfektionen im Freistaat so stark wie nirgends anders in Deutschland. Mit Tirschenreuth (355,3) stellt Bayern den Landkreis mit dem höchsten Infektionsgeschehen in ganz Deutschland, mit der Stadt Schweinfurt (11,2) auch die Kommune mit der günstigsten Entwicklung in Deutschland.

Der Kern ist, dass der Impfstoff planbar und auch zuverlässig kommt

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holtschek über die schleppenden Impfstoff-Lieferungen

Am 23. März will der Freistaat mit einem Trauerakt der 12.000 Corona-Toten im Freistaat gedenken. «Wir wollen gemeinsam innehalten, den Menschen, die hinter den täglich veröffentlichten Zahlen stehen, ein Gesicht geben und unserem Mitgefühl Ausdruck verleihen», sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU).

Lesen Sie auch:

Waldkraiburger Vereine schlagen Alarm – Corona setzt auch dem „Freiraum 36“ zu

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) kündigte an, Bayern wolle seine Impfkapazität gegen das Coronavirus bis April mehr als verdoppeln. In den 100 Impfzentren könnten derzeit bis zu 46.000 Menschen pro Tag gegen das Virus geimpft werden. Die Kapazität solle auf 111.000 pro Tag erhöht werden, sagte Holetschek. Hinzu kämen Impfmöglichkeiten in Arztpraxen und Krankenhäusern. «Der Kern ist, dass der Impfstoff planbar und auch zuverlässig kommt», sagte der Minister.

Neu-Infektionen in Pflegeheimen gehen nach Impfungen zurück

Bis Dienstag waren nach den Worten von Holetschek in Bayern 899.836 Menschen mit einer Impfung versorgt. «Das ist glaube ich eine gute Zahl, die zeigt, wie leistungsfähig unsere Impfzentren sind», sagte er. 81 Prozent aller Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen hätten eine Erstimpfung erhalten, betonte er. «Da haben sich die Neuinfektionen wirklich drastisch verringert.» Auch beim Klinikpersonal der höchsten Priorisierungsstufe sei man mit 77 Prozent schon gut dabei.

Lesen Sie auch:

Wegen Markus Söders hartem Corona-Kurs: Ilse Aigner und Daniela Ludwig positionieren sich

Eine Impfkommission soll künftig auch Einzelfall-Entscheidungen bei den Impfungen ermöglichen. Sie werde sich am 25. Februar konstituieren und vom ehemaligen ärztlichen Direktor des Münchner Universitätsklinikums, Professor Karl-Walter Jauch, geleitet werden.

Bayern setzt verstärkt auf Corona-Schnelltests

Bayern habe sich zudem 5,3 Millionen Schnelltests für die Eigenanwendung gesichert, sagte Holetschek. Für diese seien jedoch die Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

Ministerpräsident Söder hatte bereits am Montag angekündigt, es würden Gärtnereien und Gartenmärkte geöffnet, um zu vermeiden, dass Kunden die Waren dicht gedrängt bei Lebensmittel-Discountern kaufen. Es handele sich um verderbliche Ware.

Mehr zum Thema

Kommentare