Ein Bayer ist der beste Brutzler

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Im Siegestaumel: Deutschlands beste Grilltruppe um den frisch gekürten Grillkönig Dirk Poerschke (Mitte, mit Zepter) aus Unterfranken. Foto: Swen Pfoertner/dpa

Grill-Asse aus der ganzen Republik haben ihren neuen König ermittelt. Er kommt aus Bayern: Bei den Deutschen Grillmeisterschaften siegte der Unterfranke Dirk Poerschke mit seinem Team „BBQ Team Los Grillos“ – und einem Sechs-Gänge-Menü vom Rost.

Deutsche Grillmeisterschaften

von jörn Perske

Fulda – Es zischt und brutzelt an jeder Ecke. Der Duft von frisch gegrillten Leckereien liegt in der Luft. Und auf den Tellern werden außergewöhnliche Kreationen angerichtet, die die Zuschauer und Jury bei den Deutschen Grill-Meisterschaften am Sonntag im hessischen Fulda gleichermaßen begeistern. „Es ist der Wahnsinn, mit welcher Kreativität und welchem Können die Teilnehmer-Teams beeindrucken“, sagt der Präsident der German Barbecue Association, Volker Elm. „Was da auf dem Rost gezaubert wird, bewegt sich auf Sterne-Niveau. Das ist Kunst!“

Die Krone des neuen Grillkönigs bekam – wieder einmal – ein Bayer: Dirk Poerschke aus dem unterfränkischen Sennfeld. Er siegte mit seinem Team „BBQ Team Los Grillos“ und setzte sich im Feld der Profimannschaften durch. „Ich bin vollkommen überwältigt“, bekennt der Sieger. „Mit dem Sieg haben wir nicht gerechnet. Wir sind begeisterte Hobby-Griller, aber niemand verdient sein Geld damit.“

Sein Team bereitete sechs Gänge zu: Fisch (Rhönforelle), vegetarisch, Schweinerücken, eine frei wählbare Spezialität nach Art des Teams, Rinderbrust (Brisket) und ein Dessert. Grillmeister Poerschke servierte unter anderem drei Variationen aus der Rinderbrust, glasiert mit Himbeer-Pflaumen-Sauce. Dazu reichte er Gemüse. Sein bester Gang aber war vegetarisch: Paprika-Zucchini-Röllchen auf einem Ricotta-Polenta-Keks mit lauwarmem Lauch-Fenchel-Salat und Grünkern-Croutons. 2017 hatten die „Los Grillos“ mit dem Veggie-Gang sogar einen Weltmeistertitel geholt.

Der Sieg in Fulda lohnt sich auch finanziell: Insgesamt 12 000 Euro Preisgeld wurden an die besten Teams ausgeschüttet. Nicht nur daran zeigt sich, dass Grillen quasi Breitensport ist. Die Bewertung nahm eine rund 140 Köpfe starke Jury vor, der Wettbewerb lockte rund 10 000 Zuschauer an.

Der bayerische Vorjahressieger Martin Schulz aus Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz musste dabei Zepter und Pokal an seinen bayerischen Landsmann abtreten. „Der Schweinerücken ist nichts geworden. Der war nicht gut gegart“, ärgert sich der 39-Jährige, der 2017 erstmals gesiegt hatte. Für ihn ist Grillen große Leidenschaft. Zur Vorbereitung auf den Wettbewerb wurde mehrmals trainiert. „Wir haben einige schöne Gänge kreiert.“ Die Konkurrenz ist schließlich groß. „Das Niveau ist brutal gestiegen. Es herrscht große Verbissenheit. Jeder will gewinnen. Da werden fantastische Teller abgeliefert.“

Lebensmittel möglichst originell zu kombinieren – das ist die Philosophie der Grillmeister, die weltweit zu Turnieren antreten. Beim Otto-Normal-Griller stehen dagegen klassische Fleischstücke in der Beliebtheitsskala oben. „Das Schweinenackensteak ist und bleibt die Nummer eins“, sagt Gero Jentzsch vom Deutschen Fleischer-Verband. In der wachsenden und breit gefächerten Grill-Community in Deutschland werde aber auch zunehmend zu ausgefalleneren Grillspezialitäten und Fleischstücken gegriffen. „Die Grill-Experten wollen besondere Steaks von besonderen Rinderrassen“, sagt Jentzsch. In den Metzgereien werde dann nach Tomahawk, Flat Iron, Flank oder Brisket gefragt.

Aber nicht nur ins Fleisch, auch in die Grills investieren Enthusiasten enorme Summen. Nach Angaben der Barbecue Industry Association Grill geben deutsche Verbraucher jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Geräte, Brennstoffe und Zubehör aus. Der Trend gehe zu hochwertigeren Grills und ganzen Outdoor-Küchen. Damit muss man aber auch umgehen können. Einen Tipp für die Grillgemeinde hat der Meister von 2017, Martin Schulz, auch parat: „50 Prozent der Deutschen grillen viel zu heiß und mit zu viel Kohle. Lieber etwas weniger nehmen. Wenn es fünf Minuten länger dauert, ist es kein Beinbruch. Aber wenn’s verbrannt ist, ist es kaputt.“

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