Der Bayer und die Bayerin: So san’s

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Vom Exportüberschuss bis zum Durchschnittsgewicht – im Statistischen Jahrbuch sind der Freistaat und seine Bürger in Zahlen erfasst. Innenminister Herrmann hat gestern die jüngste Ausgabe vorgestellt. Er freut sich vor allem über viele bayerische Babys.

Statistisches Jahrbuch

von DOminik Göttler

München – Wer einmal alle überörtlichen Straßen in Bayern abfährt, legt eine Strecke zurück, die länger ist als der Äquator. 42 000 Kilometer lang ist das bayerische Straßennetz. Einmal kreuz und quer durch den Freistaat heißt also quasi, einmal um die Welt zu kurven – und das ganz ohne Visum.

Zahlenfetischisten dürften die Wangen glühen, denn gestern hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München das neue Statistische Jahrbuch vorgestellt. Auf 667 dicht bedruckten Seiten haben die Statistiker Zahlen, Zahlen und noch mehr Zahlen gesammelt.

Und weil der Freistaat in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiert, nämlich 200 Jahre Bayerische Verfassung und 100 Jahre Freistaat, lohnt der Blick zurück: Im Jahr 1818 regierte noch König Max I. Joseph und in Bayern lebten gerade einmal 3,7 Millionen Menschen. Lange her. Mittlerweile knackt der Freistaat gerade die 13-Millionen-Einwohner-Marke. „Ob es schon passiert ist, wissen wir noch nicht. Aber spätestens in diesem Jahr wird es so weit sein“, sagt Herrmann.

Dazu trägt auch bei, dass die Bayern wieder mehr Kinder bekommen. 125 689 Babys kamen 2016 zur Welt. Es ist die höchste Geburtenzahl seit 1998 – allerdings reicht das immer noch nicht, um die Zahl der Sterbenden auszugleichen. Die Differenz lag 2016 bei 3863 Personen. Dass Bayerns Bevölkerung dennoch stetig wächst, liegt am Zuzug. Doch auch hier vollzieht sich ein Wandel. Während in der Vergangenheit vor allem Menschen aus den anderen Bundesländern nach Bayern kamen, wurde 2016 erstmals ein „innerdeutsches Negativsaldo“ verzeichnet, wie Thomas Gößl, Leiter des Landesamtes für Statistik erklärt. In den Jahren 2015 und 2016 habe sich die Zuwanderung jeweils zur Hälfte aus Arbeitsmigration und Flucht zusammengesetzt.

Der Durchschnitts-Bayer ist 43,6 Jahre alt. Wobei es rund 130 000 mehr Frauen als Männer im Freistaat gibt. Während die Frau 1,65 Meter groß und rund 67 Kilo leicht ist, misst das Mannsbild 1,78 Meter bei rund 84 Kilogramm. Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst eines Vollzeitbeschäftigten liegt bei 3880 Euro – wobei Frauen rund 18 Prozent weniger verdienen als Männer. 314,50 Euro pro Monat gibt ein Haushalt für Nahrungsmittel, Getränke und Tabak aus. Frauen heiraten mit 31,2 Jahren jünger als Männer (33,8) – wenn sie überhaupt heiraten, denn die Zahl der Single-Haushalte steigt stetig. Sie lag 2016 bei 2,622 Millionen und hat sich damit seit 1970 verdreifacht. Die Zahl der Eheschließungen liegt relativ konstant bei rund 66 000. Sogar, wie viele Menschen am sonntäglichen Gottesdienst teilnehmen, lässt sich im Jahrbuch nachschlagen: Es waren im Schnitt 821 000 der rund 6,8 Millionen Katholiken.

Aber nicht nur über den Durchschnittsbayern gibt der dicke Wälzer Auskunft, sondern auch über das Land. Und natürlich lassen sich auch die aktuellen Probleme aus den Tabellen ablesen. Etwa, dass sich viele im Münchner Speckgürtel keine Grundstücke mehr leisten können: So kostete der Quadratmeter Bauland in Oberbayern 444 Euro im Schnitt – in Unterfranken nur 69 Euro. Herrmann plädierte deswegen an die Kommunen, nicht nur Bauland zur Verfügung zu stellen, sondern auch höher zu bauen als bisher. „Warum kann man bei einem Discounter nicht noch ein oder zwei Wohngeschosse mit drauf bauen?“, fragte er.

Groß ist das Angebot dagegen bereits für alle Freunde des bayerischen Bieres. 624 Braustätten gibt es im Freistaat – das ist fast die Hälfte aller Braustätten in ganz Deutschland. Wirtschaftlich läuft es nicht nur beim Gerstensaft: In den vergangenen sechs Jahren entstanden 628 000 neue Arbeitsplätze. Und Bayern exportiert weiterhin fleißig ins Ausland. Auf 182,8 Milliarden Euro beliefen sich die Exporte. Und das wird Präsident Trump nicht gerne hören: Hauptabnehmer sind die USA, vor China und dem Vereinigten Königreich. „Dementsprechend wichtig sind für uns offene Märkte“, sagte Herrmann mit Blick auf Trumps Strafzölle und die Brexit-Verhandlungen.

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