Bart ab!

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Bärte können brandgefährlich sein. Deshalb hat unlängst eine hessische Brandinspektorin eine besonders haarige Feuerwehrtruppe zur Rasur aufgefordert. Auch für Bayerns Feuerwehren gilt gemäß Dienstvorschrift 7: Vollbart geht gar nicht.

Sicherheit bei der Feuerwehr 

von Marcus Mäckler

München – Was seinen Bart betrifft, ist Christian Abt, 41, ein sehr wandelbarer Typ. Mal trägt er ihn voll, mal nur am Kinn, gelegentlich auch bloß über der Oberlippe. Er hatte schon mal einen Bart wie Dschingis Khan und ein anderes Mal flocht er sich zwei lange Zöpfe unterm Kinn. „Das war im Urlaub“, sagt Abt. Und Urlaub ist Bartzeit.

Der Mann mit dem frommen Namen und dem Faible für Gesichtsfrisuren ist Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau). Er fährt 200 Einsätze im Jahr, ein Viertel davon sind Brände. Als Kommandant ist er für die Koordination zuständig, Atemschutzmasken muss er nicht tragen. Ein Glück, denn anderenfalls müsste er sich zwischen Bartschmuck und Feuerwehr entscheiden.

Der Hintergrund ist einigermaßen ernst, immerhin gibt es eine Dienstvorschrift dazu. Vorschrift 7 besagt: „Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten im Bereich der Dichtlinie von Atemanschlüssen sind für das Tragen für die bei den Feuerwehren anerkannten Atemschutzgeräte nicht geeignet.“ Die Regelung soll die Einsatzkräfte schützen. Denn je voller der Bart, desto unsicherer sitzen die Atem-Masken. Durch undichte Stellen kann Sauerstoff entweichen – oder, noch schlimmer: In die Maske geraten giftige Dämpfe.

Deswegen hat Tanja Dittmar, Kreisbrandinspektorin aus Hessen, einer Truppe besonders haariger Feuerwehrler aus Bad Hersfeld kürzlich den Kopf gewaschen. „Es hat schon Todesfälle wegen undichter Masken bei Bartträgern gegeben“, sagte sie dem Nachrichtenportal „hessenschau.de“. Deshalb rief sie die Feuerwehrler dazu auf, sich ihre Hipsterbärte abzurasieren. „Wir nehmen das Thema sehr ernst.“

Das tut auch Christian Abt. In seinen sieben Jahren als Kommandant hat er zwei Mal Kameraden ermahnt, die allzu haarig daherkamen. Einer ließ sich zu Fasching einen Vollbart stehen. „Dem hab’ ich gesagt, dass es mit der Atemmaske gerade schlecht ausschaut.“ Musste sein, er hat die Verantwortung für seine Leute.

Das Online-Portal „atemschutzunfaelle.de“ führt ein Unfallregister zum Thema und empfiehlt sogar ein 40-seitiges Handbuch, das über die Gefahren Auskunft gibt. Die sind in Oberbayern bislang eher theoretischer Natur. Gerhard Bullinger war 41 Jahre lang bei der Feuerwehr aktiv und unter anderem 25 Jahre lang Kreisbrandrat in Ebersberg. Ernsthafte Verletzungen wegen zu üppiger Behaarung sind ihm in dieser Zeit nicht untergekommen. Ein Zeichen dafür, dass die Feuerwehren hier ziemlich gewissenhaft sind. „Wer Atemmasken trägt, muss vor dem Einsatz sogar einen Selbsttest machen“, sagt er. Sicher ist sicher.

Manche Wehren kennen das Problem gar nicht. Markus Brandstetter, Kommandant der Feuerwehr in Unterschleißheim (Kreis München), hat zum Beispiel „nicht einen einzigen Vollbartträger“ in der Truppe. Nicht weil man in Unterschleißheim nicht modisch wäre – Bärte sind ja im Moment sehr angesagt. „Die Männer rasieren sich einfach, weil’s im Ernstfall sonst nicht funktionieren würde.“

Die Erkenntnis ist auch im hessischen Bad Hersfeld inzwischen gereift. Seit dem Aufruf der Kreisbrandinspektorin sind jedenfalls jede Menge Haare gefallen. Dittmar ist ohnehin der Meinung, dass Bärte auch in diesen Zeiten nicht unbedingt sein müssen: „Seine Männlichkeit kann man auch anders darstellen.“

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