Er war auch als Brandstifter unterwegs

Verrückter Serientäter: Poolschlitzer verurteilt - Er hatte 50 Planschbecken zerstochen

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Die Opfer hatten keine Chance: Ein Unbekannter schlitzte über Jahre mehr als 50 Pools in privaten Gärten auf.
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Ein Mann ist über Jahre immer wieder in Gärten eingedrungen und hat dort Planschbecken zerstochen. Dafür wurde er nun vom Amtsgericht Bad Kissingen verurteilt.

Urteil gefallen: Poolschlitzer bekommt Bewährungsstrafe

Update vom 27. November, 15.30 Uhr: Der als Poolschlitzer bekannte 29 Jahre alte Mann ist vom Amtsgericht in Bad Kissingen zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Auf diese Strafe hatten sich zuvor Staatsanwaltschaft und Verteidigung geeinigt, wie ein Sprecher des Gerichts am Dienstag sagte. Der Mann musste sich wegen Sachbeschädigung in 17 Fällen und Diebstahl in neun Fällen verantworten. Viele andere Fälle waren bereits verjährt.

Der 29-Jährige war jahrelang im Sommer nachts durch Vorgärten in Unterfranken geschlichen und hat zahlreiche Plastik-Schwimmbecken mit einem Messer aufgeschlitzt. Gleichzeitig klaute er Luftmatratzen, Schwimmflügel, Schwimmreifen und ähnliches Wasserspielzeug.

Der Angeklagte war der Polizei zufolge seit etwa 2009 in Nordbayern unterwegs und hatte in mindestens 50 Fällen immer wieder mit langen Schnitten die Badebecken zerstört. Die Polizei tappte auf der Suche nach dem Mann, der in den Medien als „Poolschlitzer“ bezeichnet wurde, lange im Dunkeln. Im Oktober 2016 konnte der Mann nach mehreren Zeugenhinweisen dingfest gemacht werden. Den Ermittlern gegenüber gab der Mann damals an, die Pools aus Spaß beschädigt zu haben.

Den betroffenen Familien in den Landkreisen Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Haßberge und Schweinfurt ist ein Schaden von mindestens 12.500 Euro entstanden. Der Schaden ist so hoch, weil in einem Fall etwa 10.000 Liter Wasser in einer Keller liefen und dort einen Schaden von rund 10.000 Euro verursacht hatten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Poolschlitzer handelte aus reiner Zerstörungswut, Verteidiger: „Überschaubarer Intellekt“

Update vom 27. November, 14 Uhr: Wie im Prozess um den Poolschlitzer, der in 50 Fällen Planschbecken zerstochen haben soll, bekannt wurde, handelte der Angeklagter zunächst aus reiner Zerstörungswut. Der BR berichtet, dass sich der 29 jährige gelernte Lagerist durch die mediale Aufmerksamkeit zusätzlich angestachelt gefühlt haben.

Der Verteidiger des Angeklagte sagte dazu: „Man kann herumrätseln, ob es die soziale Vereinsamung war. In ähnlichen Fällen haben die Leute eine geringe Frustrationstoleranz, die sich dann in Sachbeschädigungen entlädt wenn Probleme am Arbeitsplatz, in der Familie oder der Beziehung auftauchen.“

Der Angeklagte selbst gestand zu Prozessauftakt nur einen Fall. Auf Nachfragen der Richterin soll er einen weiteren zugegeben haben. Im Verhör nach seiner Festnahme hatte er noch grob zwei Dutzend Fälle eingeräumt, die Aussage später aber widerrufen. Damals sagte er auch aus, wahllos herum gefahren zu sein und zufällig seine Opfer ausgewählt zu haben.

Aufgabe des Gerichts ist es nun, klar nachzuweisen, welche Straftaten der Angeklagte begangen hat. Gelingt das, könnte schon heute Nachmittag ein Urteil fallen. Laut einem psychiatrischen Gutachten ist der Angeklagte voll schuldfähig. Sein Verteidiger wies aber auf den „überschaubaren Intellekt“ des 29-Jährigen hin.

Verrückter Serientäter: Poolschlitzer zersticht jahrelang Planschbecken

Original-Meldung vom 27. November, 12 Uhr: Bad Kissingen - In Bad Kissingen steht am Dienstag einer der ungewöhnlichsten Serientäter seit Langem vor Gericht. Wie der BR berichtet, soll der sogenannte Poolschlitzer in den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und Haßberge massenhaft Gartenschwimmbäder zerstochen haben. Bis 2016 gingen Anzeigen in über 50 Fällen ein. Noch kurioser: Die ersten Opfer meldeten sich bereits 2009 bei der Polizei. Doch die tappte lange im Dunkeln.

Poolschlitzer ging immer nach dem gleichen Muster vor

Als im Jahr 2009 die ersten Meldungen über zerstochene Planschbecken bei der Polizei eingingen, war der schnell klar, dass sie es mit einem Serientäter zu tun hat. Das Muster war nämlich das gleiche: der Täter stieg nachts über den Zaun in die Gärten seiner Opfer, schlitzte deren Pool mit einem Messer auf und ging wieder. Scheinbar ließ er dabei auch regelmäßig Plansch-Spielzeug mitgehen.

Meist waren die kaputten Pools nur wenig wert. Das auslaufende Wasser konnte allerdings zum Problem werden. In einem Fall flossen 10.000 Liter in den Keller eines Nachbarn und richteten dort erheblichen Schaden an. Insgesamt beziffert die Polizei den Schaden auf rund 12.500 Euro.

Poolschlitzer lange unauffindbar, Fahndungserfolg erst 2016

Die Polizei war lange machtlos. Erst im Jahr 2016 gelang ihr ein Fahndungserfolg: Den Beamten ging ein damals 27-Jähriger ins Netz. Er gestand knapp die Hälfte der angezeigten Fälle. Weil ein großer Teil der Anzeigen bereits verjährt ist, muss er sich vor Amtsgericht Bad Kissingen nun in 17 Fällen verantworten.

Eine Verurteilung scheint wahrscheinlich. Bei der Hausdurchsuchung des Mannes stellten die Beamten mehrere Luftmatratzen, Schwimmflügel und Plansch-Spielzeug sicher. Diese hatte er offenbar aus den Gärten seiner Opfer mitgehen lassen. 

Der Mann war bereits im Jahr 2014 wegen Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er in Stadtlauringen, Rannungen und Elfershausen Strohballen in Brand gesetzt hatte. Jetzt muss das Gericht klären, was er sich bei seinen anderen Serien-Taten gedacht hat.

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