Ayurveda-Arzt bestreitet Missbrauch

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Sieht sich zu Unrecht auf der Anklagebank: Der Heiler Velayudhan P. bestreitet Übergriffe auf Patientinnen. jantz
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Sieht sich zu Unrecht auf der Anklagebank: Der Heiler Velayudhan P. bestreitet Übergriffe auf Patientinnen. jantz

indischer heiler vor Gericht . von nina gut.

München/Krailling – Velayudhan P. lässt seine olivfarbene Jacke gleich an, als er auf der Anklagebank Platz nimmt, vor sich eine Plastiktüte mit Unterlagen. Als der Staatsanwalt die Anklage verliest, schüttelt der ayurvedische Heiler aus Krailling (Kreis Starnberg) den Kopf. Damit will er zeigen, für was er die Vorwürfe hält: Unsinn. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, zwei Frauen mit den Fingern vergewaltigt und die Hände zweier anderer Frauen gegen sein Geschlechtsteil gedrückt zu haben. Die Vorfälle sollen im Februar 2017 in der Praxis von P. stattgefunden haben, seit 14. März sitzt er in Untersuchungshaft in München-Stadelheim.

Der 55-jährige Inder erklärte, dass er in seinem Heimatland zum Ayurveda-Arzt ausgebildet wurde. In Indien habe er ein insgesamt 13-jähriges Studium absolviert. Im Jahr 1998 sei er nach Deutschland gekommen und habe hier 16 Jahre erfolgreich mit traditioneller ayurvedischer Medizin praktiziert. „Sämtliche Handlungen dienten der Behandlung und Linderung von Beschwerden. Sie waren nie sexuell motiviert“, ließ er über seine Verteidigerin ausrichten.

An den ersten Fall vom 1. Februar 2017, der in der Anklage geschildert wird, erinnert sich der Heiler nach eigenen Angaben genau. Die Patientin habe damals eine Blasenschwäche und gynäkologische Probleme gehabt – sowie einen beginnenden Krebs im Unterleib. Er habe bei ihr die Marma-Massage angewandt, bei der Vitalpunkte am Körper gedrückt werden. Dabei habe er auch Druckpunkte im Inneren des weiblichen Genitals berühren müssen. Das habe er der Frau auch auf Englisch erklärt. Sie habe eingewilligt und sei insgesamt sieben bis acht Mal zur Behandlung gekommen. Darüber hinaus habe er ihr ayurvedische Medizin gegeben. So habe er sie von ihrem Krebs geheilt.

Bei der zweiten Patientin habe er auch die Marma-Massage angewandt, seiner Erinnerung nach allerdings ohne Massage im Körperinneren. An die anderen Patientinnen erinnere er sich nicht. Er habe aber „nie aus sexueller Motivation heraus“ gehandelt. Und er habe auch nie die Hand einer Patientin gegen sein Geschlechtsteil gedrückt. „Ich weiß nicht, was ich gemacht haben soll“, sagte er wütend.

Die Staatsanwaltschaft wirft Velayudhan P. darüber hinaus Titelmissbrauch vor. Im Internet, in Zeitungsartikeln, auf Werbeprospekten und auf seinem Praxisschild bezeichnete er sich als „Dr.“. Dabei besitzt er nicht den akademischen Grad eines deutschen Doktors. „Ich wollte nie einen deutschen Doktortitel vortäuschen“, sagte der Angeklagte. Allerdings schien ihm nicht so ganz klar zu sein, dass er dies offenbar gemäß deutschem Recht getan hatte. „In Indien bin ich ein Doktor“, betonte er. „Ja, aber wir sind hier nicht in Indien“, entgegnete eine der Richterinnen. Mehrmals ging das so hin und her.

Der Ayurveda-Arzt war bereits 2014 zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt worden. Zum einen wegen Titelmissbrauchs, zum anderen wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz. Als angeblicher Heilpraktiker hatte er ungeeignete, aber teure Medikamente und Anwendungen verschrieben.

Der Prozess dauert an.

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