Eine Hommage mit Interview

Der Ehrenindianer wird 70: Wolfgang Fierek schafft es aus bescheidenen Verhältnissen nach oben

30.06.2018 Bayern, München: Der Schauspieler Wolfgang Fierek kommt mit seiner Harley zum Sommerfest der Agenturen im Promi-Restaurant H‘ugo‘s. Traditionell hatten die Schauspieler Agenturen zu einstimmenden „Warm-up“ des Filmfestes eingeladen.
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30.06.2018 Bayern, München: Der Schauspieler Wolfgang Fierek kommt mit seiner Harley zum Sommerfest der Agenturen im Promi-Restaurant H‘ugo‘s. Traditionell hatten die Schauspieler Agenturen zu einstimmenden „Warm-up“ des Filmfestes eingeladen.

Er wird sich eine Dose Kaviar gönnen und sich mit ein paar Freunden, die wegen Corona nacheinander kommen, ein Gläschen Schampus oder Wodka genehmigen – an seinem 70. Geburtstag am 9. Dezember 2020. Vielleicht auch ein Tränchen der Rührung verdrücken – Schauspieler Wolfgang Fierek lässt sich gern berühren.

VON ULRIKE SCHMIDT

Der Weg aus bescheidenen Verhältnissen einer heimatvertriebenen Familie aus Oberschlesien, die sich in Ottobrunn niederließ, hinaus in die Welt war steinig. Weich war Fierek nie gebettet, dafür wurden ihm Hartnäckigkeit, Wahrhaftigkeit und der Glaube ans Leben in die Wiege gelegt; all das, was durch schlimme Zeiten hilft – wie nach dem Motorradunfall, den er 2003 nur knapp überlebte.

Lässig bayerisch im Hawaiihemd

So lässig und unbekümmert, wie Wolfgang Fierek in bunten Hawaii-Hemden daherkommt, mit guter Laune, und einem flotten Spruch auf Bairisch, so beständig war sein Weg in die Freiheit. Vom Feinmechaniker zum Schauspieler und Sänger („Resi, i hol di mit meim Traktor ab“), zum zeitweiligen Inhaber eines Harley-Shops und Veranstalter von Bike-Touren durch die USA – Fierek scheute keinen Job, wenn es die Lage erforderte, egal, ob am Bau oder als Kellner.

Dabei blieb er sich immer treu. „Der Wolfi ist der Wolfi!“, sagt Star-Regisseur Franz Xaver Bogner, „man besetzt ihn, nicht eine Rolle, und das ist eine bestimmte Individualität, die selten geworden ist“. 1986 holte ihn Bogner für „Irgendwie und Sowieso“ vor die Kamera. 

Mit Cleo Kretschmer wird Wolfgang Fiereck zum „Idol“

Entdeckt aber hat den Fierek 1975 Klaus Lemke, der Fierek für seinen Kultfilm „Idole“ an die Seite von Cleo Kretschmer stellte. Auf Anhieb wurde Fierek zum Star, und er hat nie vergessen, wer ihm dazu verholfen hat: „Klaus Lemke ist ein wunderbarer Mensch. Ihm habe ich wirklich alles zu verdanken.“

Dann kam Helmut Dietl mit dem „Monaco Franze“, bevor Fierek „Ein Bayer auf Rügen“ wurde oder Draufgänger in „Der Schwammerlkönig“. Aktuell spielt er in der Serie „Marie fängt Feuer“. Zahllos sind seine Rollen, seit sage und schreibe 45 Jahren ist Fierek im Fernsehen präsent. 

Amerika - der große Traum, die große Freiheit

Das erlaubte ihm auch die Erfüllung seines Jugendtraums: Amerika. Die Freiheit. Die Weite. Ein Haus in Arizona, wo er normalerweise die Hälfte des Jahres mit seiner Frau Djamila verbringt. Die akademische Kunstmalerin und der Tausendsassa haben 1994 auch dort geheiratet. Nicht in einer Kirche, sondern streng nach Indianer-Ritual beim Stamm der Oglala-Sioux. „Ich bin Christ, und mir bedeutet der Glaube etwas.“ Djamila ist Muslima, und auch ihr ist die Religion wichtig. Also haben sie sich für eine andere Form der Eheschließung entschieden – inspiriert durch den Film „Der mit dem Wolf tanzt“. Seit damals ist Fierek auch „Ehrenindianer“.

Interview mit Wolfgang Fierek: „Manchmal bin ich ein totaler Kindskopf“

Wie fühlst Du Dich – so kurz vor Deinem 70.?

Mei, i spür des Alter eigentlich gar net. I denk da drüber gar net nach – bei all meinen Aktivitäten. Ich fühl mich saugut, ich mach Sport, vermeide Völlerei und umgeb’ mich mit jungen Leuten.

Ich weiß, Du lässt auch keine negativen Energien an Dich heran...

Das Leben ist wunderschön, und es liegt an jedem selber, wie man sich das gestaltet. Klar kostet alles Kraft, aber mei, des is’ halt so.

Wenn man auf Dein Leben schaut, wird’s einem direkt schwindlig. Was Du alles gemacht hast...

Ich bin halt an allem interessiert, ich will mich auch gar nicht festlegen. Ich find’ die Schauspielerei toll, ich find’ meine Gesangskarriere toll, auch die Motorradreisen, die ich in Amerika angeboten habe – ich gehe die Dinge einfach an, und wenn’s mich langweilt, mach’ ich was anderes.

Und wer genau ist jetzt der Fierek?

Tja. Manchmal bin ich ein totaler Kindskopf. Ich bin halt ein ewig positiv denkender Mensch, ich lass’ nichts Negatives zu, egal, was es ist. Ob das mein Unfall damals war, ob das berufliche Rückschläge waren oder Trump in Amerika – es geht alles irgendwie weiter im Leben, manchmal muss man halt kämpfen und ein bisserl was einstecken.

Du wirkst immer cool, aber ich weiß auch, dass Du sensibel bist...

Sagen wir so: Es gibt gewisse Dinge, die mir sehr wehtun. Betrug ist was ganz Schlimmes oder Lügen – Geld ist für mich sekundär; mir kann niemand imponieren mit Geld, nur mit einer Tat oder Charakter. Darin liegen die Dinge, bei denen dann meine Sensibilität herauskommt, und es ist ja auch ein Fundament für meinen Beruf. Ich bin gern sensibel: Ich weine bei einem guten Film, und ich lass’ mich gern berühren von Dingen, die mir nahegehen.

Was hast Du Dir als Kind vorgestellt, wer Du einmal werden würdest?

Also – ich wollt’ immer Schauspieler werden. Als ich das erste Mal mit meinem Vater im Kino war, war das ein Urerlebnis. Ich hab’ Feinmechaniker gelernt und hätte nie zu denken gewagt, dass ich einmal einer der berühmtesten Schauspieler in Deutschland werde.

Du bist eine Marke, ein Charakter – wenn man Deinen Namen hört, verbindet man damit sofort einen Typ...

Das ist natürlich aus allem heraus gewachsen. In frühester Kindheit hab’ ich immer schon das abgelehnt, was andere machen. Ich wollt’ nie so sein wie andere, nie anziehen, was gerade modern war, ich wollte nie das, was alle haben.

War es auch Dein Traum, als Sänger berühmt zu werden?

Mir hätte es als Jugendlicher gefallen, ein Instrument zu lernen und in einer Band zu spielen. Aber wir hatten daheim wenig Geld, und ich musste in die Lehre gehen. Generell habe ich gern gesungen und auf einmal hat es sich so ergeben. Meine ersten Auftritte waren vor sechs oder zehn Leuten, aber das war mir egal. Ich war der Star da oben auf der Bühne und hab’ so gesungen, als ob 10 000 da unten wären.

Und dann hat Dich Klaus Lemke entdeckt...

Ja, über einen Freund haben wir uns kennengelernt; er war von meinem Naturell begeistert, kurz darauf hatte ich die Hauptrolle in „Idole“.

Und plötzlich warst Du ein Star! Wie kam das bei Deiner Familie an?

Am Anfang hat man dem Ganzen nicht recht getraut, meine Mutter war Hausfrau, mein Vater Koch, die hatten natürlich wenig Sinn für das fahrende Volk. Ich hatte die zweitbeste Gesellenprüfung in Bayern abgelegt, da war mein Vater natürlich schon ein bissl sauer, dass ich in dem Beruf nicht weitergemacht habe. Aber bin ein alter Kämpfer, und das hab’ ich von meinem Vater. Und wenn einmal die Rollen nicht so reinkamen, hab’ ich einfach was anderes gemacht, entweder am Bau oder als Kellner gearbeitet, Autos gewaschen – mir war nichts zuwider.

Und so hast Du Dir auch Deinen Traum von Amerika erfüllt. Sehnsucht nach Deiner zweiten Heimat?

Ja, sowieso, ich war seit Januar nicht mehr dort. Aber wir haben hier ein echtes Problem, und erst wenn wieder alles normal ist, hau’ ich wieder ab. Und feiern – mei, im nächsten Jahr werd’ ich 71, dann feiere ich halt zwei Geburtstage zusammen.

Dein großes Glück hast Du ja eh schon – mit Djamila an Deiner Seite...

Als Junggeselle habe ich von einem Tag zum anderen gelebt und mich in der ganzen Welt herumgetrieben. Das ist eine Freiheit, die hat nicht jeder, und ich hab das auch genossen. Aber jetzt mit Djamila habe ich eine wunderbare Partnerin. Wir sind nicht nur durch dick, sondern auch durch viel dünn gegangen. Allein der Unfall und seine Folgen haben mich zehn Jahre gekostet. Da war Djamila immer an meiner Seite – ich hab’ ein tolles Leben und danke Gott jeden Tag dafür.

Was wünschst Du Dir?

Ich hab’ wirklich alles, was ein Mensch sich wünschen kann!

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