Auszug aus dem Brief der Flüchtlingshelferin an Kardinal Marx

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Claudia Kuss, Asylhelferin aus Obergünzburg, hat den Brief verfasst

„Anfangs waren alle jungen Flüchtlinge motiviert, unsere Sprache und Kultur zu lernen, jetzt herrschen Angst und Entsetzen.

Zu Beginn wurden wir Ehrenamtlichen gebraucht, um Integration zu fördern. Nun aber müssen wir, oft bis an die Belastungsgrenze, seelsorgerische, pädagogische und psychologische Arbeit leisten, um das aufzufangen, was die Politik verursacht und um zu helfen, Schlimmeres zu vermeiden. (...)

Mittlerweile hat die fünfte Sammelabschiebung stattgefunden und ich vermisse den Aufschrei der Kirche. Ich weiß, dass ein Vergleich mit der Zeit des Nationalsozialismus nicht gerne gehört wird und auch nicht zutreffend ist. Es steht mir auch nicht zu, die Kirche in dieser Hinsicht zu kritisieren. Aber einige Parallelen drängen sich doch auf. Wo war die Kirche (abgesehen von ein paar mutigen Priestern) damals, als es darum ging, Menschenrechte zu wahren? Wo ist die Kirche heute, wo die Politik es längst geschafft hat, Flüchtlinge für viele Mängel und Probleme im Staat verantwortlich zu machen? (...) Die Angst vor den Schutzsuchenden wird bewusst geschürt. Das Schwarz-Weiß-Denken funktioniert. Damit wird gekonnt Politik gemacht. Ich frage Sie nun, wo ist die Kirche, um diese Dinge wieder ins rechte Licht zu rücken? Warum setzen Sie sich nicht stärker für die Wahrung der Menschenrechte ein? Wie kann es sein, dass in Europa Mauern gegen Flüchtlinge gebaut werden und Asylsuchende in Lagern vor den Toren Europas dahinvegetieren? Wieso toleriert man Abschiebelager in Bayern? Europa mit 500 Millionen Einwohnern ist einer der reichsten Kontinente der Welt und soll ein paar Millionen Flüchtlinge nicht integrieren können? Wo bleibt der Protest der Kirchen? (...) Wenn Sie als Vertreter der Kirche sich nicht für diese Menschen einsetzen, wer soll es dann tun? Ich bitte Sie: Unterstützen Sie uns und die Menschen, die unseren Schutz brauchen.“

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