Aufpasser, aber keine Sheriffs

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Am Montag startet der neue kommunale Außendienst der Stadt. Einsatzgebiet ist das Bahnhofsviertel. Die Streifenkräfte tragen marineblaue Uniformen und sind unbewaffnet. Sie fungieren als Bindeglied zur Polizei.

Neuer Dienst der Stadt

Von Klaus Vick

Georgios Z. war acht Jahre bei der griechischen Polizei in Athen. Nun ist der gebürtige Münchner in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Der Arbeit wegen, und weil er ein bisschen Heimweh hatte. Von Montag an wird er für den neuen kommunalen Außendienst (KAD) der Stadt auf Streife gehen. Der 28-Jährige sagt: „Eine tolle Aufgabe. Es ist schön, dass wir für die Bürger da sein und das Erscheinungsbild der Stadt verbessern können.“ Die Ausbildung, erklärt Georgios Z., sei herausfordernd gewesen. „Rollenspiele und Deeskalationstraining.“ Da habe er auch als Polizist noch viel dazulernen können. Rima S. (36) bestätigt das. Die gebürtige Libanesin war bisher Einzelhandelsverkäuferin und freut sich auf ihren neuen Job. Man könne für die Stadt etwas Positives bewirken. „Und es ist eine Aufgabe, die auf menschlicher Ebene funktioniert.“

25 Streifenkräfte hat die Stadt zum jetzigen Stand – plus sechs Mitarbeiter im Innendienst. Rima S. ist die einzige Frau. Bald gesellen sich zwei weitere hinzu. Noch in diesem Jahr sollen es 68 Mitarbeiter werden, insgesamt 92 Stellen hat der Stadtrat genehmigt. Mehr als 300 Menschen hatten sich beworben – fast nur Männer. Die Einstellungskriterien waren streng, viele Bewerber fielen durchs Raster. Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) machte bei der Vorstellung am Freitag deutlich: „München bekommt keine neuen Schwarzen Sheriffs.“ Man habe sich bei den Personalgesprächen genau angeschaut, „wie die Leute auf Menschen zugehen“. Die Streifenkräfte sollten freundlich, hilfsbereit, offen und deeskalierend sein. „Der KAD will die Balance zwischen Aufrechterhalten von Ordnung und großstädtischer Liberalität wahren“, so Böhle.

Dienstzeit ist zunächst in zwei sich überlappenden Schichten von 10 bis 18.30 Uhr und 13 bis 21.30 Uhr. Eine Nachtschicht bis 6.30 Uhr soll laut KAD-Chef Günter Huber noch heuer eingeführt werden. Die Mitarbeiter sind tagsüber in Zweier-Streifen und nachts – „aus Eigenschutz“, wie es Huber formulierte – in Vierer-Streifen unterwegs. Die bisherigen Mitarbeiter sind zwischen 20 und 50 Jahre alt und verdienen zwischen 3000 und 4000 Euro brutto.

Die Streifen werden zunächst rund um den Hauptbahnhof, vom Alten Botanischen Garten bis zur Landwehrstraße, tätig werden. Das Einsatzgebiet umfasst ferner die Paul-Heyse-Unterführung, den Bahnhofplatz, den Karlsplatz und das südliche Bahnhofsviertel. Schrittweise ist eine Ausweitung bis zum Nußbaumpark und Sendlinger-Tor-Platz vorgesehen.

Der Stadtrat hatte genau vor einem Jahr beschlossen, diesen Außendienst einzuführen, nachdem sich die Beschwerden von Geschäftsleuten, Gastronomen und Hoteliers über die Zustände rund um den Hauptbahnhof häuften. Drogen, Gewalt, Prostitution und aufdringliche Bettler machen den Anliegern zu schaffen. Nun hofft man auf einen besseren Schutz vor Beeinträchtigungen und Belästigungen. Hotelier Fritz Wickenhäuser, Vorsitzender der Initiative Südliches Bahnhofsviertel, sagt: „Ein wichtiger Schritt wird jetzt vollzogen.“ Er erhoffe sich ein positives Signal für die Sicherheit des Viertels.

Die Streifenkräfte sollen deutlich erkennbare Ansprechpartner für die Bürger sein. Sie können bei Ordnungswidrigkeiten einschreiten, Bußgelder verhängen und Platzverweise aussprechen. Zur Schutzausrüstung gehören hieb- und stichfeste Westen, Handschuhe mit Stich- und Schnittschutz und ein CS-Gas-Spray. Über Mobilfunk können die KAD-Streifen jederzeit Kontakt mit der Polizei aufnehmen und Unterstützung anfordern. Denn, so Böhle: „Verbrechensbekämpfung ist Sache der Polizei. Uns geht es um Prävention.“ Daher sei er auch klar dagegen gewesen, den KAD mit Waffen auszustatten. „Das wäre viel zu gefährlich gewesen.“ Die Polizei sehe dies genauso. Die CSU im Stadtrat hatte Schusswaffen für den KAD gefordert, was die anderen Parteien – mit Ausnahme der Bayernpartei – rigoros ablehnten.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare