Asphalt-Engpass gefährdet Straßenbau

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Bayerns Straßenbauern geht der Asphalt aus. Wegen Lieferschwierigkeiten beim Bindestoff Bitumen müssen bereits erste Bauvorhaben verschoben werden. Grund für den Engpass: die Explosion bei Bayernoil vor vier Wochen.

Nach Explosion bei Bayernoil

von Dominik Göttler

München – Eigentlich sollten seit Freitag in Paterzell zwischen Weilheim und Schongau die Baumaschinen rollen. Doch der geplante Deckenbau auf der Kreisstraße musste kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Genauso lief es bei den Bauarbeiten auf einer Kreisstraße in Feldkirchen-Westerham im Kreis Rosenheim: Auch dort sollte die Straßensanierung in dieser Woche beginnen. Doch die Arbeiten mussten in das Frühjahr des kommenden Jahres verschoben werden. Beide Verzögerungen haben dieselbe Ursache: die Explosion in einer Raffinerie des Bayernoil-Konzerns vor vier Wochen (wir berichteten).

Die Raffinerie in Vohburg im Kreis Pfaffenhofen an der Ilm steht seit dem Zwischenfall, bei dem mehrere Menschen verletzt und auch zahlreiche umliegende Häuser beschädigt wurden, still. Wann wieder produziert werden kann, ist bislang nicht absehbar. Die Aufarbeitung der Explosion wird aber wohl noch Monate dauern. Das ist ein Problem für die Straßenbau-Firmen. Denn Bayernoil ist die wichtigste Bezugsquelle für Bitumen, ein Mineralölprodukt, das als Bindemittel wichtiger Bestandteil bei der Asphaltproduktion ist. Ohne Bitumen kein Asphalt. Und ohne Asphalt keine neuen Straßen.

In der Vohburger Raffinerie wurde Bitumen hergestellt, mit dem jährlich mehr als acht Millionen Tonnen Asphalt produziert wurden. Nun müssen die Baufirmen auf Hersteller aus Karlsruhe, Wien oder aus Leuna in Sachsen-Anhalt zurückgreifen. „Aber die haben auch Verträge mit ihren Abnehmern, sodass sie den Engpass nicht von heute auf morgen auffangen können“, erklärt Holger Seit vom Landesverband Bayerischer Bauinnungen. Außerdem muss das Material in beheizbaren Tanklastwagen transportiert werden. Während so ein Laster bislang mehrmals am Tag nach Vohburg fahren konnte, ist das bei den längeren Transportwegen nicht mehr möglich. Und zuletzt steigt mit der erhöhten Nachfrage natürlich auch der Preis. „Das wird ein Problem für die Baufirmen“, sagt Seit.

Das bayerische Bauministerium bestätigt den Engpass. Inwieweit es zu Bauzeitverzögerungen komme, sei momentan aber noch nicht abzusehen. Bei der Autobahndirektion Südbayern läuft bislang alles nach Plan, was aber auch daran liegen kann, dass das einer der attraktivsten Auftraggeber für die Unternehmen ist. „Nur eine sehr ehrgeizige Nachtaktion auf der A 99 kurz nach der Explosion haben wir verschoben“, sagt Direktionssprecher Josef Seebacher – weil nicht klar war, ob die Bitumen-Lieferung in dem engen Zeitplan rechtzeitig ankommen würde. Vorsorglich habe die Direktion eine Prioritätenliste erstellt, falls sich der Engpass weiter auswirken sollte. Denn auf den Autobahnen drängt die Zeit: Bis Ende Oktober müssen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, damit die Schneeräumer aktiv werden können.

Klar ist: Die Baufirmen arbeiten bei der derzeitigen Auftragslage ohnehin am Anschlag. Branchenkenner vermuten, dass der Bitumen-Engpass in manchen Fällen auch eine willkommene Ausrede sei, um den übervollen Terminplan etwas zu entzerren.

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