Arztpraxen um Zahngold betrogen

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Betrüger haben in mindestens 147 oberbayerischen Zahnarztpraxen versucht, Zahngold zu ergaunern. Sie gaben sich dafür als Kuriere eines Spendenprojekts aus. Nur weil die Beschäftigten in einer Penzberger Praxis misstrauisch wurden, flog die Bande auf.

Gaunerpaar festgenommen

Betrüger haben in mindestens 147 oberbayerischen Zahnarztpraxen versucht, Zahngold zu ergaunern. Sie gaben sich dafür als Kuriere eines Spendenprojekts aus. Nur weil die Beschäftigten in einer Penzberger Praxis misstrauisch wurden, flog die Bande auf.

von Katrin Woitsch

Penzberg – Christoph Benz, der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, hat erst gestern von der Betrugsmasche erfahren, mit der die Gauner wochenlang in mindestens 147 oberbayerischen Praxen versucht haben, Zahngold zu erbeuten. Erst in einer Praxis in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) wurden die Beschäftigten misstrauisch und alarmierten die Polizei. Ein 23-jähriger Münchner hatte sich als Kurier für ein Spendenprojekt namens „Pro Familia – Kinder zeigen Zähne“ ausgegeben. Er bat um Zahngoldspenden. Die Zahnarzthelfer alarmierten die Polizei, der Mann wurde wegen Betruges festgenommen.

Der Münchner war schon in der Vergangenheit wiederholt polizeilich in Erscheinung getreten. Es ergaben sich Hinweise darauf, dass er bei seiner Betrugsmasche Helfer hatte. In Penzberg wurde eine 26-jährige Frau festgenommen. Sie hatte in einem Auto auf den Mann gewartet. Das Fahrzeug war nicht zugelassen, außerdem befanden sich darin mehrere Mobiltelefone, mit denen die beiden zuvor in den Praxen nach Zahngoldspenden gefragt hatten. Die Staatsanwaltschaft München hat 147 Praxen ermittelt, bei denen angerufen wurde und prüft nun, in wie vielen Fällen die Gauner erfolgreich waren.

Die Landeszahnärztekammer will nun eine Warnung herausgeben. „Es gab immer wieder einmal Betrugsversuche wegen Zahngold“, erzählt Benz. Vor allem vor einem knappen Jahr, als der Goldwert sehr hoch war. „Aber von so einer fiesen Masche habe ich bisher noch nie gehört“, sagt Benz. Denn Zahnarztpraxen können selbst entscheiden, wie sie altes Zahngold, das Patienten nicht behalten wollen, weiter verwerten. Sie können es reinigen lassen – oder spenden. „Die meisten spenden“, sagt Benz. Dass Betrüger das nun ausgenutzt haben, sei eine „echte Sauerei“, findet er.

Das Polizeipräsidium Oberbayern weist darauf hin, dass die Betrüger nichts mit Pro Familia, einem seriösen deutschlandweiten Verbund von Beratungsstellen, zu tun haben. „Sie haben den guten Ruf des Verbandes für ihre Masche ausgenutzt“, sagt Polizeisprecher Stefan Sonntag.

Gelohnt hat sich der Zahngold-Betrug für die Bande. „Zahngold ist nur geringfügig weniger wert als Gold“, betont Christoph Benz. Die genaue Schadenshöhe in allen Fällen steht bislang noch nicht fest. Die Polizeiinspektion Penzberg geht allerdings von einem Gesamtschaden im vierstelligen Bereich aus. Momentan wird noch ermittelt, wie viele Zahnarztpraxen in Bayern auf die Betrugsmasche hereingefallen sind.

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