Arbeitslos mit 1,0-Abschluss

  • schließen
  • Weitere
    schließen

„Mit Bestnoten zum Arbeitsamt“ – der Bayerische Philologenverband stellt arbeitslose Junglehrer vor. Klar wird: Auf die Bedarfsprognosen des Freistaats ist kein Verlass.

junglehrer

„Mit Bestnoten zum Arbeitsamt“ – der Bayerische Philologenverband stellt arbeitslose Junglehrer vor. Klar wird: Auf die Bedarfsprognosen des Freistaats ist kein Verlass.

von dirk walter

München – Sie heißen Daniela Müller, Anna Jeannotte oder Bettina Strunz. Sie sind so um die 25, sie haben Englisch und Italienisch studiert. Lehramt. Sie haben Bestnoten, zum Teil 1,0. Und sie alle haben zum Schulhalbjahr, einem traditionellen Einstellungstermin, keine Stelle erhalten. Ein Grund dafür: Im Kultusressort wurden Lehrerstellen gestrichen. Zum 1. August fallen 830 Stellen weg, davon 336 am Gymnasium. Nur 20 Prozent der Junglehrer, die ihr Studium beenden, erhalten eine Anstellung. Damit ist die Lage noch schlechter als im Vorjahr, als die Quote immerhin bei 30 Prozent lag.

„Schockierend“ nennt Lisa Fuchs, Sprecherin der Referendar- und Junglehrervertretung im Philologenverband, die jüngsten Zahlen. „Mit 1,0 im Examen ohne Stelle – das kann eigentlich nicht sein.“

Kann doch sein: Zum Beispiel Anna Jeannotte aus München. Englisch, Ethik, Schulpsychologie. 1,0-Abschluss. Bis jetzt sogar ohne Aushilfsvertrag. Oder Daniela Müller aus Rosenheim: Englisch und Italienisch ist ihre Fächerkombination. Eigentlich ist sie Gymnasiallehrerin, doch zuletzt war sie eine mobile Reserve an einer Mittelschule. Derzeit müht sie sich mit einem Ethik-Studium – die Universität riet zu einem dritten Fach, um die Anstellungschancen zu erhöhen. Ach, winkt da Johanna Beier aus München ab, das bringe ja auch nicht. Die Lehrerin, die derzeit an einer FOS/BOS in Erding aushilfsweise unterrichtet, hat sich auch in Ethik nachqualifiziert. „Aber so wie das aussieht, ist das kein Garant für eine Festanstellung.“

Der Vorsitzende des Philologenverbands, Max Schmidt, hat für seine jungen Kolleginnen kein Patentrezept parat. Handeln müsse die Staatsregierung, zum Beispiel indem sie die Unterrichtsverpflichtung für Referendare senke und damit für fertige Junglehrer Stellen schaffe. Oder an den Unis Jobs besorge.

Besonders kritisch wird bei den Junglehrern die alljährliche Bedarfsprognose des Kultusministeriums betrachtet. 2007 hieß es noch, wer zwei Fremdsprachen studiere, habe beste Chancen. Wer darauf vertraute und 2007 ein Studium begann, ist jetzt fertig und – arbeitslos. Auf die Prognosen solle man sich lieber nicht mehr verlassen, meint Max Schmidt. Sie seien das Papier nicht wert.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare