Arabellapark-Schläger abgeschoben

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Nach rund sechs Jahren im Gefängnis ist einer der U-Bahn-Schläger vom Arabellapark gestern abgeschoben worden. Spyridon L., der 2007 einen Rentner schwer verletzte, wurde direkt aus der Haft nach Griechenland gebracht. Sein Mittäter sitzt weiter im Gefängnis.

aus der Haft nach griechenland  

Nach rund sechs Jahren im Gefängnis ist einer der U-Bahn-Schläger vom Arabellapark gestern abgeschoben worden. Spyridon L., der 2007 einen Rentner schwer verletzte, wurde direkt aus der Haft nach Griechenland gebracht. Sein Mittäter sitzt weiter im Gefängnis.

von ann-kathrin gerke

Diese Tat erschütterte ganz Deutschland: Am 21. Dezember 2007 wurde der pensionierte Schulleiter Bruno N., damals 76 Jahre alt, im U-Bahnhof Arabellapark brutal zusammengeschlagen. Bilder der Überwachungskamera zeigen, wie zwei Täter ihm mehrfach mit voller Wucht gegen den Kopf treten. Nach drei Tagen intensiver Fahndung fasste die Polizei die Schläger: Serkan A. und Spyridon L. Ihr Motiv: Rache. Bruno N. hatte sie ermahnt, in der U-Bahn nicht zu rauchen. Ein halbes Jahr später verurteilte das Landgericht den damals 21-Jährigen A. wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Haft, den 18-jährigen Mittäter L. zu achteinhalb Jahren. Letzterer hat nun gut zwei Drittel der Strafe abgesessen – und wurde gestern in sein Heimatland Griechenland abgeschoben. Das gab Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Nachmittag bekannt.

„Solche Personen, die eine Gefahr für friedliche Bürger sind, haben bei uns nichts zu suchen“, ließ Herrmann mitteilen. „Sollte er nach Deutschland zurückkehren, so droht ihm die sofortige Verhaftung und der Vollzug der Restfreiheitsstrafe“, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums weiter. Ein Sprecher des Hauses erklärte darüber hinaus, es sei im Interesse des Staates, dass Straftäter mit ausländischem Pass nicht ihre ganze Strafe absitzen: „Nur so gibt es eine Abschreckungswirkung für die Wiedereinreise.“

Spyridon L. saß zuletzt in Landsberg am Lech im Gefängnis. Er hatte sich, anders als sein Mittäter, nicht gegen die Abschiebung gewehrt. Bereits im April 2011 war klar, dass er keine Rechtsmittel gegen seine geplante Ausreise einlegen würde.

Der zur Tatzeit erst 17 Jahre alte Grieche ist in seinem Heimatland aufgewachsen, kam 2003 nach Deutschland – und manövrierte sich hier schnell, so wurde es damals vor Gericht deutlich, in eine Spirale aus Alkohol, Drogen und Gewalt. Er wolle die Haftstrafe als Chance nutzen, sagte er im Rahmen des Prozesses. In Griechenland ist er nun ein freier Mann, Sanktionen drohen ihm nur bei einer Einreise nach Deutschland.

Bei seinem Mittäter Serkan A., der einen türkischen Pass hat, ist die Sachlage eine etwas andere. Auch er muss laut Innenminister Herrmann mit seiner Abschiebung rechnen – allerdings wird er die üblichen zwei Drittel seiner Strafe erst im Jahr 2016 verbüßt haben. Vor drei Jahren hatte er vor dem Verwaltungsgericht versucht, seine Abschiebung aus dem Gefängnis heraus zu verhindern. Nach Angaben seines Anwalts Florian Wurtinger verlor er die Klage gegen die Ausländerbehörde aber vor dem Verwaltungsgerichtshof und hat die Aussicht auf Abschiebung nun akzeptiert: „Er strebt an, schnellstmöglich in die Türkei zu kommen, weil er da auf freiem Fuß wäre.“ Damit sei aber frühestens Ende 2015 zu rechnen. Bis dahin bleibt Serkan A. in Stadelheim.

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