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Anfang und Ende einer Karriere: Vom Polizeichef zum Ministerpräsidenten

Endlich ist eine umfassende Biografie über Franz Josef Strauß erschienen. Wir bringen Auszüge aus diesem monumentalen Werk. Im dritten Teil geht es um die wenig bekannten Anfangsjahre in Schongau sowie um Strauß als Ministerpräsident.  dw

VORABDRUCK „FRAnz josef strauss. Herrscher und rebell“ (teil 3)

Endlich ist eine umfassende Biografie über Franz Josef Strauß erschienen. Wir bringen Auszüge aus diesem monumentalen Werk. Im dritten Teil geht es um die wenig bekannten Anfangsjahre in Schongau sowie um Strauß als Ministerpräsident.  dw

von horst Möller

Die Spruchkammer Schongau stufte Strauß am 15. 10. 1946 als „Entlastet (Gruppe 5)“ ein und gelangte zu dem Schluss: „Belastend ist seine 2-jährige Zugehörigkeit zum NSKK. Es handelt sich jedoch um eine zwangsbedingte nominelle Mitgliedschaft, die weder propagandistisch noch aktiv ausgeübt wurde. Entlastend ist: Strauss hat sich zum Nationalsozialismus nicht nur passiv verhalten, sondern darüber hinaus in hohem Maße aktiv gegen die nationalsozialistischen Maßnahmen und Ideologien Widerstand geleistet. (...)“

Alle vorliegenden Zeugnisse bestätigen, dass Franz Josef Strauß die nationalsozialistische Ideologie und Diktatur ebenso entschieden ablehnte wie die Kriegsführung des Regimes. Belegt sind regimewidrige Äußerungen und Akte, doch gehörte er keiner Widerstandsgruppe an, sodass man ihn in den gängigen Interpretationskategorien derjenigen, die den Nationalsozialismus ablehnten – Widerstand, Opposition, Resistenz –, nicht passgenau einordnen kann: Am ehesten würde man ihn als Mann aktiver Resistenz bzw. als oppositionell ansehen können, wobei er zweifelsfrei Mut bewies, da er sich vor Selbstgefährdung nicht scheute. Seit dem 18. Januar 1946 wurden der stellvertretende Landrat Strauß sowie der Rechtsanwalt Theodor Ferstl als Vorsitzende eines Berufungsausschusses eingesetzt, der Einsprüche gegen Spruchkammerentscheidungen prüfen sollte, bis am 15. Juni 1946 die Spruchkammer Schongau ihre Arbeit aufnahm. In den lückenlos protokollierten 27 Verhandlungen wurden 296 Fälle behandelt. Strauß selbst führte bei 164 Fällen den Vorsitz, 118 Fälle wurden für die Antragsteller positiv bzw. eingeschränkt positiv entscheiden, 44 negativ. Dieses Ergebnis zeigt, dass Strauß offenbar differenziert urteilte, Belastete aber keineswegs ungeschoren davonkommen ließ. (...)

Anm. d. Red.: Strauß ist aber nicht nur in der Schongauer Kommunalpolitik aktiv, sondern, was wenig bekannt ist, bewirbt sich auch als Schuldirektor.

Tatsächlich hatte Franz Josef Strauß dem Münchner Oberbürgermeister geschrieben: „Da ich meiner Ausbildung und meiner eigenen Neigung nach besser zu einer Tätigkeit auf kulturellem Gebiete geeignet bin, bewerbe ich mich … um die Stelle des Stadtschuldirektors“, worauf ihm das Personalreferat am 30. 1. 1946 mitteilte, dass eine „Einstellung genehmigt wurde“. Zwar hat sich Strauß dann doch nicht für diese Stelle entschieden, aufschlussreich sind seine Bewerbung und ihre Begründung dennoch. Offenbar waren seine kulturellen Interessen so stark, dass er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht definitiv für eine politische Laufbahn entschieden hatte. Zusammen mit seinem ursprünglichen Wunsch der Habilitation zeigt dies: Seine Jahrzehnte später gefallene Bemerkung, er habe eigentlich Professor der Geschichte an der Universität München werden wollen, enthielt einen wahren Kern.

Im Landratsamt Schongau musste Franz Josef Strauß von Beginn an mit den drängendsten, zwar banalen, aber existenziellen Problemen umgehen – eine Lehrzeit blieb ihm nicht. „Zunächst war die Sorge um das tägliche Brot das beherrschende Problem, vor allem für die Leute in der unteren Verwaltung. Ich habe damals, zum Wohle der Bürger meines Landkreises, so viel gestohlen und geschoben, daß ich aus dem Gefängnis nicht mehr herausgekommen wäre, wenn es nach Recht und Gesetz gegangen wäre. Die Kunst des ,Organisierens’, die man bei der Wehrmacht gelernt hatte, bewährte sich … Zur Bewältigung der allgemeinen Not war vieles im wahrsten Sinne des Wortes notwendig.“ (...)

Zu den Tätigkeitsbereichen von Strauß gehörten die innere Sicherheit und die Polizei- bzw. Gefängnisverwaltung, was nach den im Landkreis am 17. November 1946 offenbar durch eine Bande ehemaliger DPs (Displaced Persons) begangenen drei Morden schnell Priorität gewann, sowie durch eine für die Nachkriegsjahre spezifische Kriminalität Aktualität behielt. Strauß organisierte u. a. eine von ihm persönlich geführte Stadtpolizei in Schongau, zu der sieben Mann gehörten. (...) Schon 1946 wurde er zum Landrat von Schongau gewählt, nachdem er bereits bei Kandidaturen zum Kreistag Erfahrungen bei der Aufstellung von Listen der CSU gemacht hatte – nicht nur positive Erfahrungen, da seine Wahl zum Landrat nur durch einen Zufall erfolgreich war: Tatsächlich hatte sein Gegenkandidat Josef Hamberger die Wahl gewonnen, jedoch nicht angenommen, da er Landrat von Augsburg wurde. Der Kreistag wählte den zum Stellvertreter gekürten Strauß daraufhin am 31. August 1946 mit 25 von 26 gültigen Stimmen zum Landrat des Kreises Schongau. Eine heute nicht mehr vorstellbare Besonderheit und zugleich eine Doppelbelastung ergab sich daraus, dass die Ämter als stellvertretender bzw. Landrat nebenamtlich waren und er zur Besoldung in Stellen als Regierungsrat bzw. später Oberregierungsrat eingewiesen wurde, zuerst innerhalb des Landratsamtes, dann im Bayerischen Kultusministerium, wo er zugleich Leiter des Jugendreferats wurde und zusätzlich andere Aufgaben übernahm: So wurde er etwa seit dem 12. Juli 1947 als Stellvertreter eines Regierungsdirektors in den Verwaltungsrat des Landesamtes für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung entsandt. Auch diese Kumulation unterschiedlicher Aufgaben und Rechtsstellungen ist nur aus den zeittypischen Umständen der Nachkriegsjahre erklärbar. Sie trugen neben seinem improvisierenden Temperament dazu bei, späteren administrativen Eigensinn zu verstehen, war Strauß doch nicht als systematisch agierender Verwaltungsjurist in die Politik gelangt.

Als bayerischer Ministerpräsident

Schon seit Beginn der 1960er-Jahre erwog Franz Josef Strauß gelegentlich, zu seinen bayerischen Ursprüngen zurückzukehren und dort das „schönste Amt der Welt“ zu übernehmen – das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten. Doch schließlich war er im Bundestag bzw. der Bundesregierung geblieben: Hier konnte er stärker die ihn faszinierende große Politik beeinflussen. Andererseits war Strauß stets eine gouvernementale Natur, fürwahr eine Herrschernatur. So klar der politische Denker die Unentbehrlichkeit der Opposition in der parlamentarischen Demokratie reflektierte, so leidenschaftlich er sich als Oppositionspolitiker engagierte, so sehr frustrierten ihn deren begrenzte exekutive Möglichkeiten. Innerhalb der CDU/CSU-Fraktion hatte er nach 1976 nur die Wahl, als Stellvertreter Helmut Kohls – also als zweiter Mann – zu agieren oder diese Rolle seinem Intimus Friedrich Zimmermann zu überlassen. Diese Alternative zog er vor, gehörte doch Zimmermann zu den starken CSU-Politikern, die trotz eigener Statur Strauß die Führungsrolle weder streitig machen wollten noch konnten. Strauß nahm an den Sitzungen der CSU-Landesgruppe 1976/1977 immer seltener teil, zwar fehlte er auch schon früher wegen anderer Verpflichtungen, doch nun häuften sich diese Abwesenheiten. Ein weiterer Grund für seine Entscheidung lautete: Ein Bayerischer Ministerpräsident, der zugleich Vorsitzender einer im Bundestag vertretenen Partei ist, besitzt großes bundespolitisches Gewicht, zumal wenn es sich um einen Politiker vom Format und den Interessen eines Franz Josef Strauß handelt. (...) In einem Interview mit dem Spiegel fragte ihn Rudolf Augstein Anfang 1978, ob der bevorstehende Weg nach München „Alters-Resignation“ sei, worauf Strauß antwortete: „Es gibt Leute, die hören aus Richard-Wagner- Musik Schlager heraus. Wenn Sie’s unbedingt hören wollen, kann ich Sie nicht hindern.“ (...) So plausibel also Strauß’ Weg von Bonn nach München erscheinen mochte, unumstritten war er dennoch nicht. So hatte der verdienstvolle und allgemein hoch geachtete Ministerpräsident Goppel keineswegs die Absicht, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten. Die Selbstverständlichkeit, mit der Alfons Goppel noch 1974 seinen Anspruch erklärt hatte, veranlasste Strauß bereits damals zu einer unwirschen Reaktion. Dieses Mal aber war Strauß nicht bereit, nach 16-jähriger Amtszeit des inzwischen 73-jährigen Goppel eigene Ambitionen hintanzustellen. Schließlich blieben manche wichtige Vorhaben wie das Landesentwicklungsprogramm, die Novellierung des Hochschulgesetzes oder des Denkmalschutzgesetzes 1977 liegen, sodass dem Regierungschef von seinen Kritikern nachlassende Energie attestiert wurde.

Doch war dies nur die halbe Wahrheit, die aufgrund des Hochschulrahmengesetzes notwendige Novellierung des bayerischen Hochschulgesetzes von 1973 wurde noch in der Amtszeit von Alfons Goppel vorgenommen: Der Landtag beschloss den von Kultusminister Hans Maier vorgelegten Gesetzentwurf noch vor den Parlamentsferien am 28. Juni 1978. Wie immer man die beiden letzten Jahre des Ministerpräsidenten Goppel beurteilen mochte, nicht einmal Strauß konnte ihn zwingen, vor Ablauf seiner Amtszeit 1978 zurückzutreten, selbst wenn der CSU-Vorsitzende dies wirklich gewollt hätte. (...) Strauß war 63 Jahre alt, als er Bayerischer Ministerpräsident wurde. Der von ihm gewählte Zeitpunkt war verständlich, vier Jahre später hätte eine solche Entscheidung wie der Rückzug auf ein Austragshäusel gewirkt – das aber wäre weder Strauß noch dem Amt angemessen gewesen. Jetzt oder nie, mag der CSU-Vorsitzende gedacht haben. Nicht allein der amtierende Ministerpräsident Goppel, auch andere führende CSU-Politiker sahen Strauß’ Entscheidung mit gemischten Gefühlen: So sehr er faszinierte, so gefürchtet war seine Kraftnatur bei vielen „Parteifreunden“. Ihn aus der bayerischen Distanz zu bewundern war in jedem Fall leichter, als seiner dominierenden und nachhaltigen Präsenz ausgesetzt zu sein. (...)

Zu Auseinandersetzungen kam es zwischen Franz Josef Strauß und dem ausscheidenden Bayerischen Innenminister Bruno Merk. Das Verhältnis zwischen beiden war seit Längerem gespannt. (...) Merk teilte dem „sehr geehrten Herrn Landesvorsitzenden“ am 14. Januar 1977 in einem förmlichen Brief mit, er erwäge das Angebot anzunehmen, Präsident des Bayerischen Sparkassen- und Giroverbands zu werden. Er nannte die üblichen persönlichen Gründe: gesundheitliche Probleme, Arbeitsüberlastung, aber auch politische. So erklärte Merk, die von ihm in Angriff genommenen Aufgaben seien zu einem gewissen Abschluss gelangt. Doch fügte er hinzu: Die ohnehin anstehende Kabinettsumbildung sei ein geeigneter Zeitpunkt. (...) Doch kamen Merk tatsächliche oder vermeintliche despektierliche Äußerungen zu Ohren, denen zufolge es ihm bei der Übernahme der Präsidentschaft um finanzielle Absicherung gegangen sei. Der knorrige Schwabe Bruno Merk reagierte, anders als viele innerparteiliche Strauß-Gegner, ohne Umschweife. So schrieb er an Franz Josef Strauß am 26. Juni 1977: „Zu Deiner Information darf ich meine Äußerungen zu diesem Punkt im Wortlaut wiederholen: ,Wenn Strauß nach einem Bericht der AZ von vorgestern meint, ich hätte nur meine finanzielle Absicherung gesucht, dann irrt er. Eine finanzielle Absicherung habe ich nicht mehr nötig, richtig ist aber, daß ich mich den Belastungen eines Ministeramtes unter einem evtl. Ministerpräsidenten Strauß nicht mehr gewachsen fühle.’ (...)“

Anm. d. Red.: Auch Kultusminister Hans Maier hat mit Strauß seine Probleme.

So berichtete Hans Maier, seit 1970 als Nachfolger von Huber Kultusminister in den beiden letzten Kabinetten von Alfons Goppel, beim Übergang sollte die Kontinuität betont und ein Teil der Kabinettsmitglieder übernommen werden. „Aber Strauß wollte sichergehen. Bei einem Fraktionstreffen auf der Seiser Alm in Südtirol nahm er sich am 8. Oktober 1976 die potentiellen künftigen Kollegen und Mitarbeiter einzeln vor. Die Sache zog sich hin, bis in den Abend, in die Nacht hinein. Endlich, es war schon 2 Uhr nachts, war ich an der Reihe. Leider war Strauß zu dieser Zeit seiner Sinne nicht mehr mächtig. Er tobte und schrie. Abwechselnd attackierte er mich als ,arroganten Professor’ – und Marianne, seine Frau, attackierte meine Frau, die sich tapfer wehrte. Ich war schockiert.“ (...)

Mitunter ist ihm München zu eng

Der Bayerische Landtag wählte ihn am 6. November 1978 mit 125 von 200 Stimmen zum Ministerpräsidenten, 71 Abgeordnete stimmten gegen ihn, vier Stimmzettel wurden leer abgegeben. Sie stammten vermutlich von CSU-Abgeordneten, da zur Fraktion 129 Mitglieder gehörten; allerdings stimmte auch die Opposition nicht völlig geschlossen bzw. war nicht vollzählig, da die SPD 65, die FDP 10 Mandate hatte. Am 14. November 1978 gab Franz Josef Strauß seine erste Regierungserklärung im Bayerischen Landtag ab. Am Beginn seiner sehr langen, auf alle zentralen Politikfelder Bayerns eingehenden Rede stellte Franz Josef Strauß die von ihm verfolgten Ziele in die Tradition seines Vorgängers Alfons Goppel. Er beabsichtige, „die erfolgreiche Politik der Staatsregierung fortzusetzen und weiterzuentwickeln – so wie ich sie von Alfons Goppel übernommen habe. 16 Jahre, so lange wie kein anderer Bayerischer Ministerpräsident, stand er an der Spitze der Staatsregierung. In vier Legislaturperioden hat er mit seiner Persönlichkeit die bayerische Politik wesentlich geprägt: Maßvoll und menschlich, verbindlich und vernünftig, weltoffen und dabei in Geschichte und Brauch dieses Landes verwurzelt – so verkörperte Alfons Goppel in seiner Persönlichkeit und seiner Leistung beste bayerische Tradition.“ Diese Worte hatten Stil und waren nobel. Allerdings verstand es sich von selbst, dass Strauß sein neues Amt ungleich politischer anging als seine Vorgänger, Hanns Seidel vielleicht ausgenommen. Der Unterschied bezog sich zunächst auf das Verhältnis von Landes- und Bundespolitik, aber auch auf die internationale Vertretung Bayerns. Aus diesem Grund richtete Strauß eine zusätzliche Grundsatzabteilung (Grundsatzfragen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit) ein, die den Kompetenzen des Ministerpräsidenten zur Außenvertretung Bayerns korrespondierte. (...)Tatsächlich konnten bayerische Interessen nicht bloß im Land selbst vertreten werden. Strauß hatte das schließlich schon vor 1978 vielfach bewiesen – als Bayer in Bonn, als Bayer in Europa und in der Welt. Insofern war es nicht bloß Überheblichkeit, wenn sich der neue Ministerpräsident durch den Oppositionsführer genervt fühlte und ihn einmal als „tönendes Nichts“ titulierte. Das war grob und ließ zugleich erkennen, dass Franz Josef Strauß im Landtag noch fremdelte und ihm alles etwas klein vorkam. (...)

Komplementär zu diesen Prinzipien war Strauß’ stete Befürchtung, in der Verwaltung könnten berechtigte Sorgen oder Ansprüche der Bürger nicht ernst genommen und angemessen beantwortet werden. Hier spielte neben dem rechtsstaatlichen Grundprinzip, das dem Staatsbürger ein verwaltungsgerichtlich nachprüfbares Einspruchsrecht gegen staatliche Instanzen garantiert, Strauß’ politische Erfahrung eine Rolle. So war ihm als Parlamentarier nicht allein das Petitionsrecht gegenüber dem Parlament vertraut, sondern auch die zahlreichen Petenten, die sich an ihn als Verteidigungsminister gewandt hatten, manchmal über 5000 im Jahr. Nun gründete er in der Staatskanzlei eine Stelle für Bürgereingaben, deren Zahl schnell auf über 16 000 jährlich anstieg. (...)

Für die persönliche Hilfsbereitschaft und seine Mitmenschlichkeit finden sich in zahlreichen Dankbriefen Belege genug, für seine „Amtshilfe“ als Ministerpräsident erwähnt Edmund Stoiber aussagekräftige Beispiele: Als einer alten Dame eine für sie unbezahlbare Rückforderung zugestellt wurde, die sich auf eine 25 Jahre zurückliegende zu hohe Rentenberechnung bezog, schrieb Strauß an den Rand des Zeitungsartikels, der darüber berichtete: „Ein Rechenfehler vor fünfundzwanzig Jahren mag verzeihlich sein, diese Herzlosigkeit eines Bürokratenhirns nicht ! Bitte für Abhilfe sorgen!“ Der alten Dame wurde geholfen, ließ sich der Ministerpräsident doch solche Vorgänge wieder vorlegen. Und dauerten ihm die monierten Verwaltungsverfahren zu lange, malte er eine Schnecke auf den Briefkopf – sicherheitshalber lieferte er die Interpretation gleich mit: „In das Wappen dieser Behörde gehört eindeutig eine Schnecke.“

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