Amoklauf von Augsburg bis ins Allgäu

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Zwei Verletzte, zwei gestohlene Autos und verängstigte Anwohner in Augsburg und im Allgäu: Ein 31-Jähriger aus dem Landkreis München ist vermutlich schuld an dieser Schreckensbilanz eines einzigen Vormittags.

Verdächtiger aus dem Landkreis München

Augsburg – Es ist Sonntag, kurz vor Mittag, als den Anwohnern von Großkitzighofen der Schreck in die Glieder fährt: Durch den 450-Einwohner-Ort im schwäbischen Landkreis Ostallgäu zieht am helllichten Tag ein junger Mann – bewaffnet mit einem Beil. Die alarmierte Polizei nimmt den 31-Jährigen aus dem Landkreis München fest. Und setzt somit offenbar einem Amoklauf ein Ende, der einen ganzen Vormittag andauerte und wohl nur durch Glück sowie eine Notoperation nicht mit einem Todesopfer endete.

Denn bevor der Mann mit dem Beil am Sonntagmittag in Großkitzighofen aufschlug, dürfte er nach ersten Erkenntnissen der Polizei in Augsburg unterwegs gewesen sein. Dort fanden Streifenbeamte und Rettungskräfte nach einem Notruf die 25-jährige Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes stark blutend auf einem Gehweg unweit des Stadtzentrums. Die Frau, die wegen eines Schnittes stark am Hals blutete, kam lebensgefährlich verletzt ins Augsburger Klinikum. Dort rettete eine Notoperation ihr Leben.

Vom Täter: zunächst keine Spur – trotz sofortiger Großfahndung. Denn dieser flüchtete mit dem Dienstfahrzeug der Pflegedienst-Mitarbeiterin in eine unbekannte Richtung. Zuvor rauschte er jedoch quer über eine Straße direkt am Hauptbahnhof und touchierte dabei einen unbeteiligten Passanten. Der 53-Jährige wurde dabei leicht verletzt.

Offenbar behielt der mutmaßliche Amokläufer auf seiner Flucht noch so viel Überblick, dass er sich um ein neues Fluchtfahrzeug kümmerte: Gegen 10.50 Uhr beobachtete eine Frau in Langerringen, etwa 30 Kilometer von Augsburg entfernt, wie ein Unbekannter ihren VW Touran aus der Garage stahl und damit davonraste. Weil sich die Beschreibung des Autodiebs mit der des Augsburger Angreifers deckte, vermuteten die Ermittler, dass es sich um denselben Täter handeln könnte. Sie verlegten nach eigener Auskunft die Großfahndung in die Fluchtrichtung des zu der Zeit noch Unbekannten. Verhaften konnten sie den 31-Jährigen aus dem Landkreis München schließlich dank der Zeugenhinweise nur knapp drei Kilometer vom Ort des Autodiebstahls entfernt.

Mit dem Ende des Amoklaufs hat nun die Ermittlungsarbeit erst begonnen, denn noch sind viele Fragen offen. Was den Amokläufer so in Rage versetzte, ob er unter psychischen Problemen litt und wie sich die Taten genau zugetragen haben, muss nun die Kriminalpolizei Augsburg klären. Auch machten die Ermittler gestern auf Nachfrage unserer Redaktion keine näheren Angaben zu Identität oder Wohnort des Mannes. Ebenfalls konnte die Polizei noch nicht erklären, weshalb es den 31-Jährigen aus der Region München ausgerechnet nach Augsburg verschlagen haben könnte.

Der mutmaßliche Täter wird sich diesen Fragen stellen müssen, denn er sitzt nun in Untersuchungshaft: Ein Augsburger Ermittlungsrichter erließ gestern gegen den Mann Haftbefehl wegen versuchten Mordes.  mm

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