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Altöttinger Autor Max Brym mit neuem Buch

„Hitler-Grattler“: Wie sich die Arbeiterschaft in unserer Region gegen die Nazis wehrte

Max Brym und sein neues Buch „Skizzen - Arbeiterwiderstand in Südbayern“
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Max Brym und sein neues Buch „Skizzen - Arbeiterwiderstand in Südbayern“. Für eine Autorenlesung ist er am 9. November ab 18 Uhr im Burghauser JuZ.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Anfang 1933 - die Nazis übernehmen die Macht und auch in Südostbayern fügen sich Bevölkerung und Arbeiterschaft? Mitnichten. Der gebürtige Altöttinger Max Brym beleuchtet in seinem neuen Werk die Arbeiter-Hochburgen im Widerstand gegen die Nationalsozialisten in unseren Landkreisen.

Landkreis - Es ist ein bisher weithin unterbeleuchtetes Kapitel unserer Heimatgeschichte, dem sich der gebürtige Altöttinger Max Brym jetzt annimmt: der Widerstand gegen die Nationalsozialisten in Südbayern durch die organisierte Arbeiterbewegung - gerade auch abseits der Metropolen. „Es gab auch hier starke Hochburgen der Kommunisten und Sozialdemokraten, wo der Einbruch der Nazis in die Arbeiterschaft auch weit nach 1933 nicht gelang“, so Brym im Gespräch mit innsalzach24.de. In seinem Buch „Skizzen - Arbeiterwiderstand in Südbayern“ wird vor allem auch den heimischen Landkreisen im Südosten viel Platz eingeräumt.

Max Brym: „In Burghausen taten sich die Nazis am schwersten“

Zentral in der Geschichte unserer Region war vor allem der 9. März 1933. Die Regierung in Berlin war bereits seit Ende Januar von Hitler geführt, doch dann mussten nach und nach auch die Länder gleichgeschaltet werden. In Bayern sollte es am 9. März soweit sein. Über 50 festgenommene Kommunisten und Sozialdemokraten allein in Rosenheim, über 20 in Traunstein, rund 15 in Burghausen. Vor allem Burghausen steht in Bryms Büchlein immer wieder im Fokus: „Dort taten sich die Nazis am schwersten.“

Schon vor 1933 hätte die Kommunistische Partei (KPD) auf der Burghauser Burg ein illegales Waffenlager erstellt. Auch der damalige Bademeister vom Wöhrsee am Fuße der Burg, Heinrich Breu, war Kommunist. Als das Lager aufzufliegen drohte, wurden die Waffen heimlich nach Kolbermoor verbracht - laut Autor Max Brym ein weiteres Widerstandsnest gegen die Nazis. Als am 9. März 1933 versucht wurde, die Hakenkreuzfahne am Burghauser Rathaus zu hissen, sei von den örtlichen Kommunisten unter Führung von Alois Haxpointner und Simon Vorburger stundenlang Widerstand geleistet worden.

Flugblätter in Berchtesgaden und ein „vermöbelter“ NSDAP-Bürgermeister in Neuötting

Was auch für Max Brym freilich klar ist: „Das katholische Land war immer schon stabiler gegen die NSDAP.“ Platzhirsch war vielerorts die Bayerische Volkspartei (BVP), die später in die CSU mündete. Während bei den letzten Wahlen Anfang März 1933, die schon nicht mehr als frei zu bezeichnen waren, die NSDAP im ganzen Reich knapp 44 Prozent erhielt, waren es in den Bezirken Wasserburg, Mühldorf, Altötting oder Laufen keine 30 Prozent. „Aber von der BVP gab es keinen systematischen Widerstand. Sie hat dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt und auch den Judenboykott nicht abgelehnt“, so Brym.

Brym zeigt in seinem Buch, dass auch Jahre nach der NSDAP-Machtübernahme der Widerstand in der Region nicht ganz abflaute: Flugblatt-Aktionen in Berchtesgaden gegen die Nazi-Bonzen am Obersalzberg, illegale Schulungen der KPD in Traunstein rund um Hans Braxenthaler bis 1935, „Hitler-Grattler“-Schriftzüge an Mauern in Wasserburg oder ein „vermöbelter“ stellvertretender NSDAP-Bürgermeister in Neuötting. Und wieder Burghausen: Dort wurde 1938 eine Gruppe Kommunisten im Wacker-Werk ausgehoben, die für den Kriegsfall Produktionssabotage im Chemie-Werk plante.

Brym: „Der Widerstand kam vor allem aus der Arbeiterklasse“

Geforscht hat Brym vor allem in Archiven und bei Kreisheimatpflegern. Erschienen ist das 80-Seiten-Buch bei der „Buchmacherei“ in Berlin. „Die wundern sich immer wieder über Bestellungen aus Kastl oder Unterneukirchen, was denen natürlich überhaupt nichts sagt“, lacht der 65-jährige Autor. Aus seiner eigenen sozialistischen Überzeugung macht Max Brym keinen Hehl. Er ist Mitglied in der Linkspartei und der marxistischen Strömung „Der Funke“: „Aber die Verhaftungslisten oder Zahlen der KZ-Häftlinge haben mir bestätigt, dass der Widerstand vor allem aus der Arbeiterklasse kam.“ An der Universität Prishtina in Kosovo arbeitete Brym längere Zeit als Dozent für Geschichte.

xe

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