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Stellungnahme des Umweltreferenten

Toni Dingl: „Ist es moralisch und kaufmännisch vertretbar, hier ein 26 Grad warmes Schwimmbadwasser anzubieten?“

Ist, falls notwendig, auch mal unbequem: Altöttings Umweltreferent Toni Dingl.
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Ist, falls notwendig, auch mal unbequem: Altöttings Umweltreferent Toni Dingl.
  • Roland Kroiss
    VonRoland Kroiss
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Altöttings Umweltreferent Toni Dingl (Freie Wähler) erfüllt diese Funktion im Stadtrat seit 34 Jahren. Er war maßgeblich beteiligt am Aufbau eines Biomasse-Heizkraftwerks und einer Fernwärme-Versorgung von beinahe 50 Prozent aller Altöttinger Haushalte. Dingl ist Mitglied des Aufsichtsrates der Energie Genossenschaft Inn Salzach eG (eGIS).

Stellungnahme von Anton Dingl (Umweltreferent der Stadt Altötting) im Wortlaut:

Warum ich gegen die Beschlussvorlage gestimmt habe?

Ich bin dafür, dass wir evtl. in wenigen Jahren das Schwimmbad nicht schließen müssen, weil wir die sparsame Absorber-Technik nicht erhalten hatten und wir uns die heute erwünschte Attraktivität nicht mehr leisten können. Die Absorbermatten abzubauen, heißt, ein sicheres fast kostenloses Wärmepotenzial zu vernichten.

Ich war und bin dagegen, weil die Darstellung, die Betrachtung und damit die Konsequenzen nur oberflächlich behandelt wurden und ich keine Möglichkeit bekommen hatte, meine tiefer gehenden Fragen hinreichend diskutiert und beantwortet zu bekommen, sowie eigene Intentionen nicht einbringen durfte, um so möglicherweise auch zu ganz anderen Ergebnissen zu kommen.

„Wir sollen zu Hause die Heizung um 2 Grad runter drehen“

Ich hätte auch gerne ausdiskutiert, dass die Tatsache ausgeblendet wird, wir entschieden in einer Zeit, die als Zeitenwende beschrieben wird. In der werden wir von der großen Politik angehalten, die Temperaturen zu Hause um 2 Grad runter zu drehen. In der jede Form von Energie knapp ist und teuer ist und immer teurer werden wird. Die im Zeichen eines zwingenden Klima- und Menschheitsschutzes und einem zwingenden Umbau der Wärmeversorgung der Haushalte vor weit wichtigeren Aufgaben steht.

All das benötigt einen gewaltigen Mitteleinsatz. Das sollten wir unseren Bürgern klarmachen, statt ihnen eine schöne heile Welt vorzugaukeln, in der sie im Freibad mit durchgehend 26 Grad verwöhnt werden können. Wann ist es moralisch und kaufmännisch vertretbar, statt 24 Grad ein 26-Grad-warmes Schwimmbadwasser alternativlos anzubieten?

Was ist wirklich wichtig? Wo beginnt ein Luxus, den wir uns nicht leisten können?

Was darf man dem Besucher zumuten? Wo beginnt die Verschwendung von hochwertiger und wo anders gebrauchter Energie? Die zwei Grad Unterschied zwischen der kostenlosen Absorberwärme kosten uns fast eine Dreiviertel Million Euro Investition und sie kosten uns ein weiteres jährliches 100.000 Euro Defizit. Das diesjährige im Haushalt ausgelobte Defizit für das Schwimmbad beträgt eh schon 277.700 Euro.

Als ein Beispiel für einen „erfragungswürdigen” Mitteleinsatz und meine Irritationen muss - wie schon angeführt - die Absicht herhalten, die schwarzen Absorbermatten zu verschrotten, die das Schwimmbadwasser über 30 Jahre ganz passabel erwärmt hatten. Meine Erkundigungen waren und sind, dass der vorhandene Absorber - wie jedes Jahr - durch Reparaturen ertüchtigt werden könnte.

Dass im Frühjahr „eine schwarze Brühe rauskommt“, ist keine Diagnose, aus der folgt, dass der Absorber kaputt ist, sondern eine jahrelange Erfahrung. Der Absorber muss nur vor Saisonbeginn gespült werden. Sollte also der Absorber noch ertüchtigt werden können, müsste in Konsequenz das Konzept anders aussehen. Hier - weil es ungeklärt ist - steht Aussage gegen Aussage. Wenn benötigte 5 Millionen Kilowattstunden Wärme nicht mehr großteils durch den kostenlosen Absorberbetrieb hergestellt werden dürfen, muss die Stadt dafür ziemlich tief in den Geldbeutel greifen.

„Es wird ein Ist-Zustand beschrieben, der nicht das Risiko betrachtet, das darin steckt.......“

......wenn ab 2026 die Kosten für Fernwärme „zum Selbstkostenpreis” betrachtet werden: die Selbstkosten schlagen sich - anders als beim Häuslebauer - hier direkt auf den Arbeitspreis nieder, in Form von Kosten für Brennstoff als Basis, darauf gerechnet werden die Erzeugungs-Verluste, dann noch die Abschreibung. Wer kennt heute die Brennstoffkosten nach 2026? Ein finanzielles Risiko, das nicht einmal angedeutet wird.

Weiter: Ein Energiekonzept, das anstelle von Energiedaten in Form von Kilowattstunden nur Eurowerte ausweist, ist eine ziemlich abenteuerlich statische Darstellung. Es fehlte, die der eigentlich in den Varianten zu Grunde liegenden Energie-Verbrauchsdaten offen zu präsentieren. Eurobeträge sind die falsche Währung. Nur wenn Verbrauchsdaten in Form von KWh präsentiert werden, können Zukunftsprognosen im Verhältnis zu in der Zukunft geschätzten volatilen Kosten abgeschätzt werden.

Meine Einschätzung, leider von Außen:

- Die Absorber würde ich ertüchtigen und solange wie es nur möglich ist, auch betreiben. Damit kann eine sichere, kostengünstige Wärmeversorgung auf Jahre hinaus garantiert werden.

- Ja eine Abdeckung macht Sinn, wenn sie auch vom Personal gehandelt werden kann.

- auch eine PV Anlage macht selbstverständlich Sinn. Die Dimensionierung sollte jedoch darauf zielen, möglichst viel teuren Bezugsstrom ersetzen zu können. Also würde ich max. 99 kW (wie das Pospischil-Konzept es vorgeschlagen hatte) aufstellen.

- Die PV Module sollten nicht in einer Flächenkonkurrenz mit den Absorberschläuchen stehen, wenn man die Carportlösung wählt. Dann stimmen auch die 1.600 € je kW.

- Diskutabel ist das Anlagenpachtmodell zusammen mit der eGIS ( siehe Freibad Töging)

- 200 KW sind an dieser Stelle reichlich überdimensioniert, weil zu viel Strom billig ins Netz abgegeben werden muss, außer man macht hier die Türe zu einer zukünftige Wärmepumpe auf.

- Die weiteren 100 kW an dieser Stelle bringen uns also nicht viel weiter, die Amortisationszeit der zusätzlichen 100 kWpeak schätze ich auf 20 Jahre.

- diese weiteren 100 kW PV-Module würde ich lieber zum Wasserwerk und zur PFOA Filteranlage versetzen. Dort haben wir Pumpen, die auch bei Sonnenschein laufen. Die wir bei Sonnenschein per Sonnenenergie mit Sonnenstrom betreiben können.

Stellungnahme von Toni Dingl

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