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Die bischöfliche Schatzkammer in Altötting

Das Geheimnis der dreieckigen Pupille beim Jesuskind des Millionen-schweren „Altärchens“

Geheimnisvolles Altötting: Peter Becker Senior (rechts) und das Jesuskind vom „Goldenen Rössl“ vor der Gnadenkapelle
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Geheimnisvolles Altötting: Peter Becker Senior (rechts) und das Jesuskind vom „Goldenen Rössl“ vor der Gnadenkapelle.
  • Roland Kroiss
    VonRoland Kroiss
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Die Schatzkammer des Bischöfliches Ordinariats ist das „Wallfahrer-Museum“ in der Marienstadt Altötting. Dort mittelalterliche Monstranzen zu sehen, purpurne Gewänder des Bischofs und Kleinod, dessen kunsthistorischer Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird. Sogar das Louvre in Paris lieh sich das „Goldene Rössl“ einmal aus. Doch die wahren Schätze entdeckte der Altöttinger Kunsthistoriker Peter Becker in den ärmeren Ländern der Erde.

Uralte Rosenkränze, Eier, Votivbilder, Monstranzen, Körperteile aus Holz - und das „Rössl“

Die Schatzkammer in Altötting mit einem besonderen Buch über das Goldene Roessl
Die Schatzkammer in Altötting mit einem besonderen Buch über das Goldene Roessl
Die Schatzkammer in Altötting mit einem besonderen Buch über das Goldene Roessl
Die Schatzkammer in Altötting mit einem besonderen Buch über das Goldene Roessl
Uralte Rosenkränze, Eier, Votivbilder, Monstranzen, Körperteile aus Holz - und das „Rössl“

Altötting - Die Augen von Peter Becker aus Altötting leuchten, wenn er sich die Augen des Jesuskindes des Hausaltars „Goldenes Rössl“ ansieht. Der 77-Jährige hat als Experte am vermutlich besten kunsthistorischen Buch mitgearbeitet, das es über den rätselhaften Hausaltar gibt. Die internationalen Autoren trafen sich zur Entstehungszeit beinahe „konspirativ“, um die einzelnen Fachartikel zu kombinieren. Peter Becker war mitten drin. Eine spannende Zeit.

„Sehen Sie genau hin“, erklärt Becker, „Fachleute für Kunsthandwerk aus Frankreich fragten mich einmal, warum eine Pupille beim Jesuskind rund und die andere eckig ist“. Eine Theorie besagt, dass es sich dabei um eine „Art künstlerische Hommage an die Dreifaltigkeit“ handelt, so Becker.

Magische Tricks aus der Kabbala?

Er vermutet noch andere versteckte „Tricks“ aus der christlich-jüdischen Mystik: „Die Stufen der beiden Treppen sind unterschiedlich. Eine Treppe hat 13, die andere 14 Stufen“, hat er festgestellt. Ein Gimmick der Zahlenmystik der jüdischen Kabbala? „Das weiß ich nicht genau“, so Becker. Etwas Besonderes sind auch die Emaille-Formungen in „runder und voller Figur. So etwas konnten nur die Fachleute in Paris schmelzen, aber nicht in Limoges“, so Becker. Das spricht gegen eine Produktion in Limoges.

Unglaublich jedenfalls, wie Kunsthandwerker und Goldschmiede im 15. Jahrhundert so exakt arbeiten konnten, dass ein Werk für die Ewigkeit entstand. Das „Goldene Rössl“ ist ein Hausaltar - in Form einer Krippe - mit vielen filigranen Figuren aus Gold und Emaille. Das Beste am Highlight der Wallfahrer-Schatzkammer in Altötting: Es ist frei zugänglich für Pilger und Schulklassen.

„Die ärmeren Menschen der Erde sind und haben die wahren Schätze“

Becker ist ein Unikat in Altötting und er dürfte der Mensch sein, dem die Kunstwerke seiner „Gnadenmutter-Stadt“ am meisten am Herzen liegen, in seinem Wohnzimmer steht eine originalgetreue Kopie der schwarzen Madonna der Gnadenkapelle Altöttings. 30 Jahre lang leitete er praktisch allein die Redaktion des ehrwürdigen Liebfrauenboten - wie sein eigener Vater vor ihm. Aus Reisen nach Südostasien und Südamerika weiß er, „dass die wahren Schätze die ärmeren Menschen sind, die unter schweren Bedingungen den Alltag meistern und dabei glücklich sind“.

Gaben der Armen sind die größten Schätze

Mit am eindrucksvollsten im Museum sind denn auch die Gaben armer Pilger, die sich bei der Gnadenmutter Altöttings bedanken wollten - hunderte Rosenkränze aus dem Mittelalter oder Heu, symbolische Eier und Haarzöpfe. Nachbildungen von Körperteilen aus Holz zeugen von der Freude über Wunderheilungen. Ein kleines Kind war einmal scheinbar ertrunken und erwachte 1489 im Schein der Mutter Gottes wieder zum Leben - so fing alles an in Altötting.

Die Gnadenkapelle mit der Altöttinger Madonna ist das Zentrum der Wallfahrt. Zahlreiche Votivbilder zieren den Eingang.

Der Eintritt ist frei - Corona spielt hier keine Rolle

Der Besuch der Schatzkammer ist eintrittsfrei - wenn das Museum geöffnet ist. Denn in diesem Dezember 2021 und Januar 2022 ist die Schatzkammer überwiegend geschlossen, „aber nicht wegen Corona, sondern, weil die Christkindlmärkte abgesagt wurden und daher Besucher und Pilger in der Stadt fehlen“, so Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl. Unter Einhaltung der geltenden Regeln - 2G oder 3G - „bleibt das Wallfahrtsmuseum also prinzipiell offen“, bestätigt auch die offizielle Ordinariats-Verwalterin Stefanie Stühler.

Weltliche und geistige Sicherheit - durch Alarmanlage und Erinnerungen

Natürlich sorgen Panzerglasscheiben und eine Alarmanlage für die Sicherheit einiger unbezahlbarer Kleinode - die einen hohen ideellen und kunsthistorischen Wert haben. „Denn wir bewahren nur, was die Gläubigen der Kirche geschenkt haben“, so Dr. Metzl. Obwohl die Schatzkammer sehr opulent daherkommt - im Palais der Wittelsbacher, in dem auch der Pfarrhof und die Bibliothek untergebracht sind. Sicher kein Understatement.

Der Neubau - ganz in Gold und Schwarz vom Architekturbüro Brückner & Brückner - wurde 2009 eingeweiht. Die Initiative geht auf den 2021 verstorbenen Altbischof Wilhelm Schraml zurück und der Umzug der Schatzkammer wurde durch den Altötting-Besuch des Papstes Benedikt XVI. im Jahr 2006 motiviert.

Handwerkliche Finessen bereiten dem Kunstliebhaber Freude

Peter Beckers kunstbegeistertes Herz hüpft immer noch vor Freude, wenn er die grandiosen Finessen seines „Rössls“ beschreibt: In den Pariser Hofwerkstätten waren Experten aus den Niederlanden beschäftigt, die Emaille so punktgenau schmelzen konnten, dass bestimmte Formen entstanden - und das Gold direkt daneben nicht geschmolzen ist. Die beiden Kinder-Heiligenfiguren sollen übrigens Jean & Catherine darstellen, die echten Kinder des französischen Stifter-Ehepaars Isabeau de Baviére, einer Wittelsbacherin, und König Karl VI

Das Neujahrsgeschenk an ihn wurde 1404 gefertigt und gelangte 1506 nach Altötting. 2004 wurde es vier Monate lang im Pariser Louvre gezeigt.

Ein Onkel von ihm war nach Argentinien ausgewandert und wurde zum größten „Zement-Industriellen Südamerikas“. Doch Peter Becker - der Bayerische Landeskunde und Zeitungswissenschaft in München studiert hatte - widmete sich leidenschaftlich der Bayerischen Kultur und Geschichte: „Das war einfach meine Aufgabe“.

Gemeinsam mit innsalzach24.de wünscht er Frohe Weihnachten und Gottes Segen im neuen Jahr 2022.

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