Der alte Kämpfer soll noch mal ran

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Überraschung bei der CSU-Fraktion: Weil Kristina Frank zur Kommunalreferentin aufgestiegen ist, soll bei der Wahl am Montag der einstige Fraktionschef Hans Podiuk (71) den Posten als Stellvertreter übernehmen. Steckt dahinter Strategie – oder ein Mangel an Alternativen?

CSU-Stadtratsfraktion

Von Sascha Karowski

Für zehn Tage nach Gran Canaria, Urlaub machen, Kopf frei kriegen und dann gleich wieder Gedanken machen. CSU-Chef Manuel Pretzl wollte auf den Kanaren erst mal für sich selbst entscheiden, ob er für Josef Schmid auf den Posten des zweiten Bürgermeisters aufrückt, ob er möglicherweise als Kandidat seiner Partei gegen OB Dieter Reiter (SPD) antritt. Und wie es dann mit der Fraktion weitergeht. Pretzl, so viel sei verraten, hat sich noch nicht entschieden. Die Unwägbarkeiten sind noch zu groß, denn schließlich hängt sehr viel an den Ergebnissen der CSU bei der Landtagwahl. Eine Fragestellung gleichwohl scheint nun beantwortet.

Mit dem Wechsel von Kristina Frank auf die Referentenbank war der Posten des Fraktions-Stellvertreters frei geworden. Nach Informationen unserer Zeitung soll am Montag Hans Podiuk die vakante Stelle übernehmen. Der 71-Jährige war einst Fraktionsvorsitzender, gab das Amt aber 2007 zunächst an Josef Schmid ab, nach dessen Wechsel auf die beiden Posten als Bürgermeister und Wirtschaftsreferent übernahm Podiuk erneut den Vorsitz. Im Dezember 2016 schließlich übergab er das Amt an Manuel Pretzl.

Die CSU ist die einzige Fraktion im Münchner Stadtrat, die gleich drei Stellvertreter hat, derzeit Hans Theiss und Evelyne Menges. Es wäre mithin ein Leichtes gewesen, die dritte Position unbesetzt zu lassen. Die Diskussion freilich wäre die gleiche gewesen. Der ewige Vorwurf der Kritiker, der CSU gingen die Alternativen aus, wäre auch mit solch einer Volte nicht ausgeräumt worden.

Tatsächlich hat die Fraktion einen unvergleichlichen Aderlass hinter sich. Lange vor Kristina Frank hatte Max Strasser die Hinterbank der Fraktion gegen den Chefsessel bei der Gewofag getauscht. Alexander Dietrich wurde Personalreferent, Michael Kuffer zog in den Bundestag. Nicht ganz freiwillig schied Georg Schlagbauer wegen einer Drogenaffäre aus dem Amt. Mario Schmidbauer und Eva Caim verließen die Fraktion im Groll und schlossen sich der Bayernpartei an. Und Hans Theiss könnte bei der Landtagswahl am 14. Oktober ins Maximilianeum umziehen.

Dass die kommunalpolitische Koryphäe Hans Podiuk – seit 40 Jahren sitzt er im Stadtrat – abermals politische Verantwortung übernehmen würde, war bereits mehrfach kolportiert worden. Allerdings sahen die Spekulationen Podiuk als Fraktionschef für den Fall vor, dass Pretzl Bürgermeister wird und Theiss in den Landtag wechselt. Vom Tisch ist diese Variante nicht, wenngleich auch zeitlich beschränkt. Podiuk hört auf, 2020 wird er nicht mehr antreten. „Das Amt würde nichts daran ändern, dass es meine letzte Amtsperiode ist“, sagte Podiuk unserer Zeitung.

Dass der 71-Jährige nun Vize werden soll – vorbehaltlich der Zustimmung seiner Fraktion – kann aber auch eine strategische Überlegung sein. Weil Podiuk eben aufhört, kann er getrost die Abteilung Attacke ausfüllen und gegen die politischen Gegner im Rathaus austeilen, ohne dass dies Einfluss auf etwaige Verhandlungen über eine Zusammenarbeit nach 2020 hätte. Zumal Podiuk ein Freund offener Worte ist.

„Es sind stürmische Zeiten für die CSU“, sagt Podiuk. „Es ist gut, die Kräfte zu mobilisieren. Die Kommunalwahl wird eine große Kraftanstrengung. Da kann es nicht schaden, wenn man alle noch mal an die Front holt.“ Die Aufgabe werde er mit großer Freude übernehmen. „Mir macht die Arbeit nach wie vor Spaß, sonst würde ich es nicht machen.“

Bei der Besetzung des Stellvertreter-Postens sei das Alter im Übrigen kein Argument, sagt der 71-Jährige. „Ich sehe das mehr unter der Überschrift: Erfahrung. Die braucht es, um mit der komplizierten Situation umzugehen.“ Und am Ende fügt er schmunzelnd hinzu: „Und wissen Sie, in meinem Alter ist Konrad Adenauer schließlich das erste Mal Bundeskanzler geworden.“

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