Alpenverein Bergsport zwischen Klettern, Radeln und Yoga Wo Alpen draufstehen, da stecken auch Alpen drin: Ist das wirklic...

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Wie eine Art Winter-Bergtriathlon: Ein Mountainbiker ist mit seinem „Fatbike“ unterwegs zum Startpunkt der Skitour. Dann steigt er auf die Tourenski, stapft den Berg hinauf und und fährt dann ins Tal – erst auf Skiern, danach mit dem Radl. Foto: MAXX-Bikes

Wo Alpen draufstehen, da stecken auch Alpen drin: Ist das wirklich noch so? Der Bergsport befindet sich im Wandel – und der Deutsche Alpenverein als mit 1,08 Millionen Mitgliedern weltgrößter Bergsteigerverband passt sich an.

Alpenverein Bergsport zwischen Klettern, Radeln und Yoga Wo Alpen draufstehen, da stecken auch Alpen drin: Ist das wirklich noch so?

Alpenverein

Bergsport zwischen Klettern, Radeln

und Yoga

Wo Alpen draufstehen, da stecken auch Alpen drin: Ist das wirklich noch so? Der Bergsport befindet sich im Wandel – und der Deutsche Alpenverein als mit 1,08 Millionen Mitgliedern weltgrößter Bergsteigerverband passt sich an.

VON MARTIN BECKER

München – Sogar Slackline-Grundsätze fürs Balancieren auf gespannten Bändern hat der DAV-Nachwuchs jetzt erarbeitet. Speedhiking – das schnelle Gehen mit Stöcken und leichter Ausrüstung in anspruchsvollem Gelände – gehört ebenso zum Angebot mancher der bundesweit 353 Sektionen wie der morgendliche Yoga-Kurs. Mit wilden Nordwänden und eisigen Höhen hat derlei nichts (mehr) zu tun. Es gebe beim Alpenverein eben „nicht mehr nur eingefleischte Bergleute“, sagte DAV-Sprecher Thomas Bucher in München, sondern „viele Disziplinen, die nicht ausdifferenziert sind – die Grenzen verwischen“.

Mit einer „Initiative Bergsport“ will der Alpenverein nun auf diesen Strukturwandel reagieren. Den größten Boom verzeichnete der Alpenverein in den vergangenen Jahren beim Hallenklettern und beim Mountainbiken. Dort gelte es, „Lücken zu schließen, wo wir nicht im gleichen Tempo mithalten konnten“, erläuterte DAV-Geschäftsführer Olaf Tabor.

Beim Wettkampfklettern beispielsweise, wo Juliane Wurm aus Wuppertal 2014 den Boulder-Weltcup gewonnen hat, ist der Druck von der Basis inzwischen größer als das, was der Alpenverein in puncto Verzahnung von Breiten- und Spitzensport sowie Ausbildung bietet. Noch stärkerer Nachholbedarf besteht beim Mountainbiken, nicht nur bei permanent überbuchten Fahrtechnikkursen, sondern vor allem auch in politischen Fragen. „Ich wünsche mir ein klares Positionspapier“, sagt Matthias Laar vom Mountainbike-Lehrteam. „Wie stehen wir zu E-Bikes in den Alpen oder Lift-Transporten für Downhill-Abfahrten? Wo sind da die Grenzen? Wie kann der DAV sich einbringen in Diskussionen ums Mountainbiken im urbanen Bereich – Stichwort Isartal – und beim Wegerecht mitreden?“ Es gelte insofern, beim Spagat zwischen Naturnutzung und Naturschutz deutlicher Stellung zu beziehen.

Bei allem Wandel des Bergsports hin zu neuen Facetten: Die Wurzeln will DAV-Präsident Josef Klenner keinesfalls aus den Augen verlieren. „Wir sollten uns nicht vom Kommerz dahin treiben lassen, alles mitzumachen. Wir brauchen zum Beispiel keine Wellness-Bereiche in unseren Kletterhallen, auch wenn das bei privaten Anbietern gut funktionieren mag – genau so etwas wollen wir nicht“, betont Klenner. Wichtig sei ferner, „Expeditionsansprüche weiterhin auszubauen“. Obwohl längst alle 14 Achttausender in diversen Varianten erschlossen worden sind, so gebe es weiterhin extreme Herausforderungen im Hochgebirge mit Fels- und Eisklettern sowie Skitouren: „Das dürfen wir nicht vernachlässigen. Alpenverein ohne Berge, das geht nicht.“

Die noch etwas diffus anmutende „Initiative Bergsport“ soll nun Antworten liefern auf die Fragen, welche Disziplinen wichtig und nachhaltig sind, wo in Förderung investiert werden soll und was die Mitglieder sich wünschen. Rechnung tragen möchte der Alpenverein dem Trend, dass er insgesamt jünger wird (23,5 Prozent Mitglieder sind unter 26 Jahre alt) und weiblicher (41,2 Prozent Frauenanteil).

Erste Schritte in die Zukunft sind eine neue Mobilitätsplattform, um via Internet klimafreundliche Fahrgemeinschaften zu Touren zu organisieren, die Online-Reservierung auf Hütten sowie eine zweitägige „DAV-Werkstatt“ Mitte März in Würzburg, die einem offenen Meinungsaustausch dient.

Bergsport in Großstädten statt in den Alpen – Klenner spricht von einer Gratwanderung, die von der Eigendynamik der örtlichen Sektionen lebe. „Ich bringe den Alpenverein lieber mit Yoga in Verbindung als mit Kniebundhose und kariertem Hemd“, sagt der DAV-Präsident, bekennt aber im gleichen Atemzug: „Das Herz schlägt beim Klettern, Bergsteigen und bei Skitouren. Alles andere sind Zugaben.“

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