Für alle Fälle gerüstet

  • schließen
  • Weitere
    schließen
In Reiterstaffeln sieht die Münchner Polizei ein gutes taktisches Mittel für unübersichtliche Situationen. foto: marcus schlaf

An den vergangenen beiden Wochenenden haben jugendliche Randalierer im Englischen Garten in München bis zu 100 Polizisten beschäftigt. Auch Rettungskräfte wurden angegriffen. Für die kommenden Tage will die Polizei vorbereitet sein.

ausschreitungen im englischen garten

VON johannes heininger

München – Party-Einladungen über das Netz, Alkohol, enthemmte Jugendliche – im Englischen Garten zeigte sich an den beiden vergangenen Wochenenden, wie explosiv diese Mischung sein kann. Vor einer Woche etwa eskalierte eine Geburtstagsfeier am Fuße des Monopteros. Rund 1000 Jugendliche, die meisten zwischen 15 und 25 Jahren alt, hatten sich getroffen. Wie berichtet, begann der Abend für die Polizei mit vorgetäuschten Schlägereien und endete mit Angriffen auf Feuerwehrler und Sanitäter. Flaschenwürfe, Beleidigungen – jetzt rüstet die Polizei auf.

Unter anderem mit Reiterstaffeln will die für den Englischen Garten zuständige Polizeiinspektion 12 Präsenz zeigen und abschreckend auf eventuell auftretende Krawallmacher wirken. „Streifen mit Pferden sind ein gutes taktisches Mittel, um in unübersichtlichen Situationen den Überblick zu behalten“, erklärt Polizeisprecher Sven Müller. Denn die Beamten sitzen auf ihren Pferden rund zwei Meter über dem Boden und können schnell erkennen, ob sich Gruppen zusammenrotten. Auch bei Risiko-Fußballspielen ist der Einsatz von Reiterstaffeln seit Jahren gängige Praxis. Für einen erneuten Ernstfall will das Polizeipräsidium vorbereitet sein.

Bis zu drei Stunden pro Schicht sitzen die Beamten der Reiterstaffel im Sattel. In drei Schichten durchqueren sie dreimal täglich den Englischen Garten. Seit 1992, und damit seit mehr als 25 Jahren, ist Polizeihauptkommissar Michael Reger für die Reiterstaffel im Einsatz. Der 56-Jährige durchkämmt nicht nur den Englischen Garten, auch zu Risikofußballspielen wird Reger hinbeordert. Begleitet wurde er gestern von seiner jungen Kollegin Lena Sigl. Die 30-Jährige, eigentlich im Raum Rosenheim im Einsatz, macht gerade bei der Münchner Reiterstaffel einen Teil ihrer Ausbildung. 32 bayerische Warmblüter stehen dort im Stall. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Pferde eine gewisse abschreckende Wirkung haben“, sagt Sigl. Zu nahe sei ihr jedenfalls noch niemand gekommen.

An diesem Wochenende mehr Reiterstaffeln einzusetzen, ist aber nicht geplant. Um eine erneute Eskalation zu verhindern und im Bedarfsfall schnell eingreifen zu können, setzt man auf die Präsenz von Jugendbeamten und Polizisten in Zivil, wie Müller erklärt. Genauer will die Polizei aber nicht auf taktische Maßnahmen an diesem Wochenende eingehen. Solche Einsätze seien schwer vorhersehbar. Szenen, wie sie sich kürzlich abgespielt haben, entstünden spontan. „Das passiert aus einer Gruppendynamik heraus“, erklärt Müller, betont aber: „Wir sind sensibilisiert, haben aber bislang keine Erkenntnisse, dass es zu größeren Versammlungen kommen soll.“

Der Polizei ist der Bereich rund um den Monopteros seit Jahren als beliebter Treffpunkt bekannt. Müller stellt klar: „Wir wollen diesen Ort für die Münchner und Touristen weiterhin erlebbar machen.“ Zweimal sei es nun aus dem Ruder gelaufen. Aber: „Das tolerieren wir nicht.“ Denn der Englische Garten sei immerhin eines der großen Aushängeschilder der Stadt. Zustände wie im Görlitzer Park in Berlin, in dem die Polizei Drogen- und Gewaltkriminalität nicht mehr kontrollieren kann, will die Münchner Polizei auf jeden Fall verhindern.

Marcus da Gloria Martins, Pressechef der Münchner Polizei, spricht bei den Vorkommnissen von einer „Gemengelage aus Alkohol, Langeweile und dem Bedürfnis nach Action“. Das kenne man auch von anderen Plätzen, wie zum Beispiel im Ostpark oder am Flaucher. Dort gibt es für die Polizei die Möglichkeit, mit Strahlern die Umgebung auszuleuchten. Am Tierpark sorgen Security-Firmen zusätzlich für Sicherheit.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare