PARTEIEN ZEIGEN SICH VERWUNDERT ÜBER NEGATIVERGEBNIS VON RADL-STUDIE

Alarmierende Greenpeace-Rüge

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Eine Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace hat gestern für Verwunderung im Münchner Rathaus gesorgt.

Die Grennpeace-Aktivisten kommen zu dem Schluss, dass die sechs größten deutschen Städte lediglich zwischen 2,30 Euro und fünf Euro pro Einwohner und Jahr für sicheren Radverkehr ausgeben. München landet im bundesweiten Ranking der Studie mit 2,30 Euro auf dem letzten Platz. Zum Vergleich: In Amsterdam sind es laut Greenpeace elf Euro, in Kopenhagen sogar 35,60 Euro. In der dänischen, aber auch der niederländischen Hauptstadt werde deutlich mehr Rad gefahren, gleichzeitig verunglückten Radfahrende aber etwa zehn Mal seltener.

Greenpeace hat für die Untersuchung die öffentlichen Haushaltspläne der sechs größten deutschen Städte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main und Stuttgart unter die Lupe genommen. Demnach gab im Durchschnitt der vergangenen Jahre Stuttgart fünf Euro pro Kopf und Jahr für den Radverkehr aus, Berlin 4,70 Euro und Frankfurt 4,30 Euro. Es folgen Hamburg mit 2,90 Euro, Köln mit 2,80 Euro und eben München mit 2,30 Euro.

Die Landeshauptstadt wies am Dienstag die Vorwürfe der Umweltorganisation zurück. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass tatsächlich pro Jahr zehn Millionen Euro für den Ausbau der städtischen Radverkehrs-Infrastruktur zur Verfügung stünden, also weit mehr als sechs Euro pro Kopf. Diesen Pauschalbetrag hatte der Stadtrat 2015 als jährliche Ausgabe festgelegt.

„Schon daher kann diese Untersuchung nicht stimmen“, sagt auch die Radverkehrsbeauftragte der CSU im Stadtrat, Sabine Bär. Die zehn Millionen würden komplett investiert. Darüber hinaus würde sogar noch mehr gebaut, weil „nicht alle Baumaßnahmen mit dieser Pauschale finanziert werden“.

Die Radverkehrsbeauftragte der SPD-Stadtratsfraktion, Bettina Messinger, sagte am Dienstag: „München investiert sehr viel in die Förderung des Radverkehrs. Der Arnulfsteg, eine reine Fußgänger- und Radfahrerbrücke, kostet 26 Millionen Euro. Für diese Maßnahme werden aber nur 22 000 Euro aus der Nahmobilitätspauschale genommen.“

Wie Greenpeace auf dpa-Nachfrage relativierte, basiere das Ranking auf einer groben Kennzahl, die auf Basis der letzten Haushaltspläne erstellt wurde. Ein genauer Betrag könne nicht genannt werden, da die Städte manche Ausgaben für den Radverkehr nicht als solche kennzeichneten. Der Wert könne daher in der Tat „deutlich von der tatsächlichen Höhe der investierten Mittel abweichen“.

Gleichwohl: Für die Grünen im Stadtrat ist die Studie Wasser auf die Mühlen. „Wenn wir zehn Millionen ausgeben, dann stecken die in der Regel in einigen wenigen teuren Projekten“, sagt Stadtrat Herbert Danner. „Aber es passiert zu wenig in der Fläche.“ Die Beispiele Isartorplatz oder Rosenheimer Straße hätten deutlich gezeigt: „Immer wenn dem Autoverkehr ein bissl was weggenommen werden soll, dann schreien die GroKo und insbesondere die CSU laut auf.“

Sascha Karowski

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare